Lebensstil als Gesundheitsfaktor - Wann wird Fett gefährlich?

Mangelnde Bewegung und falsche Ernährung führen nicht nur zu Stoffwechselkrank- heiten, sie können auch Krebs verursachen.

Wer hat denn ein erhöhtes Krebsrisiko, wenn man mal das Körpergewicht betrachtet?

PROF. CORNELIA ULRICH: Vor allem übergewichtige Menschen. In Deutschland also fast jeder Zweite.

Welche Krebsarten hängen mit Übergewicht zusammen?

ULRICH: Übergewichtige Frauen nach den Wechseljahren haben ein signifikant erhöhtes Rsisiko an Brustkrebs zu erkranken. Aber auch die Entstehung von Darm-, Nieren-, Speiseröhren-, Dickdarm- und Gebärmutterkrebs hängt eng mit dem Körpergewicht zusammen.

Was raten Sie Übergewichtigen?

ULRICH: Auf keinen Fall eine Radikaldiät machen. Lieber langsam Gewicht verlieren, vielfältig essen und Sport treiben.

Was bedeutet "vielfältig"?

ULRICH: Die Regel fünf mal eine Hand voll Obst und Gemüse am Tag gilt heute mit der Einschränkung, mehr Gemüse als Obst zu essen, um die Kalorienzufuhr zu senken. Obst und Gemüse enthalten zahllose Substanzen, um das Krebsrisiko senken zu können - etwa Carotenoide, Flavonoide oder Folsäure. Das sind übrigens oft gerade die Stoffe, mit denen sich die Pflanze gegen das "Gegessenwerden" wehrt.

Spielt die Qualität von Lebensmitteln eine Rolle?

ULRICH: Ja. In den USA hat man festgestellt, dass Lebensmittel dort schon mal 2000 Kilometer reisen und sechsmal umgelagert werden, bevor man sie isst. Macht man Lebensmittel haltbarer, werden aber auch der Geschmack und der Nährwert reduziert. Biologische Lebensmittel haben häufig höhere Nährstoffgehalte.

Wie sieht es mit Fleisch aus?

ULRICH: Der Verzicht auf rotes Fleisch, etwa vom Schwein, Rind oder Lamm, sowie auf Fleischprodukte wie Wurst ist vorteilhaft. Die Zubereitung von Fleisch sollte schonend sein. Scharf angebratenes, dunkel gegrilltes oder gar verkohltes Fleisch ist tabu, da dabei heterozyklische Amine entstehen, die krebserregend sind.

Und Nahrungsergänzungsmittel?

ULRICH: Studien zu Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen in Pillenform zeigen noch kein eindeutiges Ergebnis, so dass wir empfehlen, diese mit der Nahrung aufzunehmen. Man weiß zum Beipiel, dass Vitamin C in Gemüse und Obst das Krebsrisiko senkt, nicht aber künstlich hergestelltes Vitamin C.

Warum wird Sport zur Krebsvorbeugung empfohlen?

ULRICH: Studien belegen, dass Frauen, die sich regelmäßig bewegen, seltener Brustkrebs bekommen. Sport reduziert das so gefährliche, innenliegende Fettgewebe. Sport hat Effekte auf den Hormonhaushalt, auf entzündliche Prozesse und vermutlich auch auf die Immunfunktion. Die genauen Mechanismen werden noch erforscht.

Wieviel Sport empfehlen Sie?

ULRICH: Wir empfehlen 30 bis 60 Minuten leichte bis herausfordernde körperliche Aktivität an mindestens fünf Wochentagen. ih

Info

Prof. Cornelia Ulrich ist eine von drei Direktoren des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg. Die 42-jährige, in Fellbach geborene Ernährungswissenschaftlerin hatte zuvor eine Professur in Seattle (USA).

Ihre Abteilung Präventive Onkologie erforscht unter anderem den Zusammenhang von genetischen und Umwelt-Faktoren auf die Krebsentstehung.


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03.02.2010

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