KOMMENTAR: Guter Eindruck täuscht

Im Prinzip gestaltet sich der Arbeitsmarkt auch im Südwesten überaus erfreulich. Dass sich die Krisenszenarien nicht bewahrheiteten zählt zu den guten Nachrichten. Ebenso, dass wir in diesem Sommer den seltenen Umstand bestaunen, wonach die Arbeitslosigkeit mit Beginn der Sommerferien nicht ansteigt. Die nackten Zahlen signalisieren: Alles noch nicht bestens, aber auf gutem Weg dort hin.

Indes, dieser vorderhand gute Eindruck hat auch seine Schattenseite. Die Entspannung am Arbeitsmark wird erkauft mit einer Verschlechterung der Beschäftigungssituation. Dafür ist ein satter Boom bei der Leiharbeit verantwortlich. Er treibt die Ausbreitung der prekären Arbeitsverhältnisse in der Industrie in Siebenmeilenstiefeln voran, während die Firmen weiter normale, unbefristete Vollzeitarbeitsplätze streichen. Der gewaltige Bestellschub der letzten Monate hat bestenfalls dafür gesorgt, dass sich Ausmaß und Tempo verlangsamen.

Die freundliche Interpretation dieser Entwicklung lautet: Die Firmen bleiben weiter vorsichtig und wollen angesichts noch immer insgesamt unzureichend genutzten Fertigungskapazitäten kein Risiko eingehen. Lange lässt sie sich aber nicht mehr aufrechterhalten. Und dann wäre von Kostendrückerei und einer Spaltung der Belegschaften zu reden. NIKO FRANK


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30.07.2010

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