Harald zur Hausen über die HPV-Impfung

Eine Impfung gegen bösartige Tumoren ist der Wunschtraum aller Krebsmediziner. Im Fall des Gebärmutterhalskrebses hat er sich erfüllt.

Eine Impfung kann funktionieren, wenn Krebs durch Viren oder Bakterien ausgelöst wird. Bei rund 20 Prozent der Krebserkrankungen ist dies der Fall. So verursachen Humane Papillomviren (HPV) Gebärmutterhalskrebs. Gegen sie hat der Krebsforscher Harald zur Hausen einen Impfstoff gefunden, was ihm 2008 den Medizin-Nobelpreis einbrachte.

Empfohlen wird die Impfung jungen Frauen vor dem ersten Sexualkontakt. Am liebsten würde zur Hausen aber auch junge Männer impfen lassen, die die Viren beim Geschlechtsverkehr einerseits übertragen, die bei ihnen andererseits aber auch Analkrebs und Krebs im hinteren Rachenraum auslösen können: "Würden wir auch junge Männer impfen, hätten wir die Chance, Gebärmutterhalskrebs auszurotten."

Leider lasse aber die Impfrate sogar bei jungen Mädchen eher zu wünschen übrig. Im Saarland etwa sind 46,3 Prozent aller 12-17-jährigen Mädchen gegen HPV geimpft, in Baden-Württemberg sind es 29,4 und in Bayern sogar nur 27,1.

"Ich habe den Eindruck, die Kinderärzte informieren sich nicht genug zu dem Thema", betonte Harald zur Hausen im Vorfeld des Weltkrebstages. Dabei sei die erste Bilanz der vor rund acht Jahren eingeführten Impfungen außerordentlich positiv. Die Zahl der Erkrankungen an Vorstufen des Krebses sei teilweise bis zu 45 Prozent reduziert worden.

Auch die Studien zu Nebenwirkungen seien eindeutig: Bei 300000 HPV-Impfungen in Australien sind 25-mal Nebenwirkungen aufgetreten - nur drei davon echte allergische Impfreaktionen. "Ein sehr geringer Wert", urteilt zur Hausen, der die Impfung für extrem sicher hält. Er sei froh, dass auch seine Enkelin geimpft sei.

Zudem werde der Impfstoff, der 70 bis 80 Prozent der Gebärmutterhalskrebsauslösenden Viren abtötet, derzeit verbessert - um künftig etwa 90 Prozent abzudecken. ih

Info

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren die HPV-Impfung. Krankenkassen übernehmen die Kosten (ca. 460 Euro).


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03.02.2010

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