Grefrath trauert: Bewegender Abschied von Mirco

Grefrath.  Mit einem Gottesdienst haben am Donnerstagabend in Grefrath rund 600 Menschen Abschied von Mirco genommen. Die Eltern des Jungen ließen einen Brief an die Trauernden verlesen.

Langsam erfüllt das Cello mit seinen sanften Tönen die vollbesetzte St. Laurentiuskirche in Grefrath (Kreis Viersen) mit Musik. Die Stille wird durchbrochen. Viele der 600 Menschen schauen auf das große Foto von Mirco im Altarraum. Aus manch einem Auge laufen dabei Tränen über das Gesicht. Genau fünf Monate nach dem Verschwinden des zehnjährigen Jungen und eine Woche nach dem Fund seiner Leiche nimmt die Gemeinde am Niederrhein an diesem Donnerstagabend Abschied.

Bevor der ökumenische Trauergottesdienst beginnt, lassen die Menschen auf dem Marktplatz von Grefrath 500 weiße Luftballons in den Abendhimmel steigen. Sie alle tragen die Aufschrift „Ruhe in Frieden, Mirco“. Danach ist das Glockenläuten durch den gesamten Ort zu hören. Wenige Minuten später beginnt in der voll besetzten Kirche die Trauerfeier. Über eine Videoleinwand nehmen fast 1000 Menschen auf dem Marktplatz an der Feier teil. Sie alle haben keinen Platz mehr in dem Gotteshaus gefunden.

Dass die Eltern von Mirco nicht an dem Trauergottesdienst teilnehmen würden, war bereits in den vergangenen Tagen bekannt geworden. Mit einem Brief an die Trauergemeinde sind sie dennoch allgegenwärtig. Der Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden, Roman Siewert, liest das Schreiben in ruhigen Worten vor. Darin schildern die Eltern den vergangenen Mittwoch, als die Leiche Mircos gefunden wurde, als „ganz harten Tag für uns“. Ihr Sohn habe sein Leben für einen Erwachsenen gegeben, der beruflichen Druck ablassen musste.

Als Siewert die Passagen vorträgt, in denen die Eltern über ihre Erinnerungen erzählen, beginnen erneut viele Menschen zu weinen. Der Zehnjährige habe „immer ein Lächeln auf den Lippen gehabt“ und sei etwas Besonderes gewesen. „Er war unser Clown und unsere Sportskanone.“ Nun freue sich die Familie, ihren Sohn und Bruder irgendwann „im Himmel wieder zu sehen“. Ein großes Plakat, auf dem die Eltern, Geschwister und Angehörigen ihre Grüße niedergeschrieben haben, wird an zwei ehemalige Mitschüler Mircos übergeben. Es soll in der Klasse einen Platz finden.

Auch wenn die Trauerfeier für den getöteten Mirco gedacht ist, gibt es auch wenige Augenblicke, in den an den Täter Olaf H. erinnert wird. Der Familienvater war vor einer Woche festgenommen worden und hatte die Ermittler zur Leiche des Jungen geführt. Grefraths Bürgermeister Manfred Lommetz erwähnt ihn in seiner Ansprache mit wenigen Worten. „Unsere Gedanken sind auch bei ihm und vor allem bei seiner Familie“. Sie müsse nun ebenfalls ein sehr schweres Los ertragen. Pfarrer Johannes Quadflieg mahnt die Menschen sogar, nicht Böses mit Bösem zu vergelten.

Die Suchaktion nach Mirco im September 2010 galt mit rund 1000 Polizisten sowie Tauchern, Hubschraubern und Tornados der Bundeswehr zu einer der größten Einsätze in den vergangenen Jahren. Bundesweit berührte das Schicksal des Jungen die Menschen. Entsprechend groß ist nun auch die Trauer über seinen Tod. In einem virtuellen Kondolenzbuch im Internet besteht seit Dienstag die Möglichkeit, Anteilnahme an der Tragödie zu bekunden.

Der Andrang ist groß: Über 450 Menschen nutzten bislang diese Gelegenheit. In einem Schreiben heißt es: „Man sagt, die Zeit heilt alle Wunden, aber diese Wunde wird wohl nie heilen.“ Ein anderes Schreiben wendet sich direkt an die Eltern: „Ich wünsche Ihnen, dass diese Wunde irgendwann nicht mehr so schmerzt, und Sie sich mit einem Lächeln an die schöne Zeit mit Mirco erinnern können.“ Alle Texte sollen zu einem späteren Zeitpunkt der Familie übergeben werden.

Nach dem Trauergottesdienst verlassen die Menschen unter einem ruhigen Orgelspiel die Kirche. Auch wenn sich viele in dem kleinen Ort untereinander kennen, nutzen nur wenige die Gelegenheit, für ein Gespräch. Stattdessen wollen sie in ihrer Trauer allein sein und die Geschehnisse der vergangenen Wochen verarbeiten.
 


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Autor: AP | 04.02.2011

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