Gnadenlose Hundehasser

Es gibt Menschen, die Hunde hassen. Manche so sehr, dass sie Köder mit Gift und Klingen auslegen, um Hunde zu verletzen oder zu töten. Die Fälle scheinen sich zu häufen. Die Täter werden selten gefasst.

GITTA KEIL, DPA, ... |

Rattengift in Frikadellen, Nägel in Bockwürsten, Glassplitter in Käsewürfeln - immer wieder werden in Deutschland Hunde Opfer von Attacken. Die Besitzer sind nur manchmal schnell genug zur Stelle, um Schlimmeres zu verhindern. Oft verschlingen Tiere die gespickten Köder, müssen notoperiert werden oder verenden.

So auch im Landkreis Göppingen, wo es vergangenen Herbst zwei polizeilich bekannte Fälle gab: Zwei Hunde mussten operiert werden, weil sie beim Gassigehen ein Stück Minisalami, in dem ein Skalpell steckte, gefressen hatten.

In der Stadt Spremberg (Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg) hat ein Hund einen vergifteten Köder gegessen. Er sei in einer Berliner Klinik gerettet worden, teilte die "Lausitzer Rundschau" am Donnerstag mit. Schon 2013 seien in Spremberg vergiftete Wurststücke gefunden worden.

Erst jüngst ist es in Leipzig und Merseburg zu neuen Attacken gekommen. So entdeckte ein 28-jähriger Hundebesitzer im Leipziger Rosenthal Wurststückchen, die mit Nägeln und Angelhaken gespickt waren. Er warnte die anderen Hundebesitzer. Polizei und Ordnungsamt suchten die Parkflächen ab.

Mindestens zwei Hunde, die Wurstköder verschluckt hatten, mussten notoperiert werden. Die Polizei ermittelt wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Darauf stehen bis zu drei Jahre Haft.

Die Polizei erfahre von solchen Vorfällen nur, wenn Anzeige erstattet wird, sagt ein Polizeisprecher Das sei aber nicht immer der Fall. Häufiger warnten Hundebesitzer sich über soziale Netzwerke. Es sei schwierig, die Täter zu finden. Entweder man stoße zufällig auf sie oder sie werden beobachtet.

Regelmäßig geht Nikos Klemm (37) mit seiner Freundin und seinen Hunden durch das Rosenthal. Sie selbst seien von der Attacke verschont geblieben, sagt er, aber eine enge Freundin von ihnen gehörte zu denen, deren Hund mit einer Operation gerettet werden musste.

Klemm sieht eine weitere Dimension der Angriffe: "Ich habe eine zweijährige Tochter. Was ist, wenn sie mal so einen Köder findet und verschluckt?" Er hat im Internet eine Belohnung auf die Ergreifung des Täters ausgesetzt. Er selbst nennt es "Kopfgeld". Die Polizei warnt jedoch vor Selbstjustiz.

Über Attacken auf Hunde oder andere Tiere wird keine Statistik geführt. Deshalb sei es kaum möglich zu klären, ob das Auslegen von Giftködern zugenommen hat, heißt es seitens des Deutschen Tierschutzbundes. Die veränderte Medienlandschaft mit Online-Versionen lokaler Zeitungen und Sozialen Medien führe sicher dazu, dass Fälle, die vor Jahren nur lokal bekannt wurden, nun bundesweit Aufmerksamkeit erfahren.

Ein anderer Effekt der Sozialen Medien: Ereignisse werden übertrieben, Panik wird geschürt. Im Landkreis Göppingen etwa gab es im vergangenen Jahr einen erwiesenen Todesfall durch einen Giftköder. Vier weitere Fälle wurden auf Facebook gepostet, blieben aber unbestätigt.

In Elmschenhagen (Schleswig-Holstein) ist im Mai ein Podenco-Mischling an inneren Verletzungen gestorben, nachdem er einen Köder mit einer Rasierklinge verschluckt hatte. In Bietigheim (Landkreis Ludwigsburg) verendeten im Mai ein neunjähriger Dackel-Cockerspaniel-Mischling und ein einjähriger japanischer Shiba binnen Minuten. Sie hatten vergiftete Hackfleisch-Bällchen gefressen. Im Umkreis lagen einige tote Vögel, von denen die Polizei annimmt, dass sie an den Bällchen gepickt haben könnten.

Was die Täter antreibt

Ärger Dem Marburger Persönlichkeitspsychologen Prof. Gerhard Stemmler zufolge könnte es sich bei den Tätern um Menschen handeln, die nicht die richtigen Mechanismen gelernt hätten, mit bestimmten Situationen umzugehen. "Sie fühlen sich oft ungerecht behandelt", sagt Stemmler, der auch Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie ist. Die Täter sähen sich etwa von Hundegebell, Kothaufen oder Angst vor den Hunden in ihrer Freiheit eingeschränkt. So entstehe ein Gefühl des Ärgers, der durchaus berechtigt sein könne, sagt Stemmler. "Die Frage ist: Wie geht man damit um?"

Aggression Attacken auf Hunde seien aggressive Taten, die Menschen versteckt und heimlich begingen, weil sie Sanktionen befürchteten. Stemmler: "Sie tun etwas, das unmoralisch und verboten ist und auch sadistisch." Besser wäre es, offen auf Hundehalter zuzugehen und ihnen zu sagen, was einen stört. Mit Blick auf die Attacken bemerkt Stemmler: "Aber manche Leute greifen zu solchen Mitteln, weil sie Angst haben, den Kürzeren zu ziehen."

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