Einwanderermuseum in Washington eröffnet
Washington. Vielleicht nicht auf den ersten, aber schon beim zweiten Blick wird klar: Deutschland ist allgegenwärtig in den USA. Etwa ein Sechstel der rund 300 Millionen Amerikaner hat deutsche oder deutschsprachige Wurzeln.
Ihre Siedlungen nannten deutsche Einwanderer Berlin, Hamburg, Neu Braunfels oder ganz einfach Germantown - «Deutschstadt». Und die Vorfahren von Elvis Presley hießen dereinst Pressler. «Bislang gab es kein nationales Einwanderermuseum, das das Thema umfassend behandelt», sagt Rüdiger Lentz, der als Direktor des German-American Heritage Museum (Museum für das Deutsch-Amerikanische Erbe) dafür sorgt, dass sich das nun ändert. Nach einer Einweihungsfeier am Freitag wird die kleine, aber feine Institution in Washington von diesem Sonntag (21. März) an nach über zwei Jahren Planung fürs Publikum geöffnet.
Der Ort für das Museum ist mit Bedacht gewählt: Untergebracht in einem viktorianischen Stadthaus, 1888 vom deutschen Einwanderer und erfolgreichen Kaufmann John Hockemeyer erbaut, liegt das Museum mit seinen 300 Quadratmetern im historischem Penn Quarter der US- Hauptstadt. Einst pulsierte dort deutsch-jüdisches Leben.
An den Wänden spielen die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold und Rot-Blau-Weiß ineinander. Als Mittelpunkt und historischer Leitfaden führt eine 15 Meter lange Zeittafel durch mehr als 400 Jahre deutscher Einwanderung in die USA, veranschaulicht mit historischen Fotos.
Wechselausstellungen berichten von deutschen Immigranten und traditionsreichen deutsch-amerikanischen Clubs, deren Dachverband, die German-American Heritage-Stiftung, auch Träger des Museums ist. In der Mitte informiert ein Multimedia-Kiosk über das Deutschland von heute - und über die Partner: Das Einwanderermuseum Ellis Island vor New York, das Hamburger BallinStadt Auswanderermuseum und das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven. «Wir schließen da an, wo BallinStadt und Auswandererhaus aufhören», erläutert Lentz.
Ausstellungsstücke sind rar, dafür ragt eine 160 Kilogramm schwere Büste Georg Friedrich Händels, eine Spende deutsch-amerikanischer Gesangvereine, umso mehr heraus. «Wir wollen nicht so sehr deutsche Volkskunst zeigen», sagt Lentz, der über zehn Jahre das Studio der Deutschen Welle in Washington leitete. «Wir wollen Geschichten über deutsche Einwanderer erzählen und interessant machen.»
Vom Interesse der Amerikaner am Museum ist der 62-Jährige überzeugt. Auf der Facebook-Seite der Institution meldeten sich binnen sechs Wochen mehr als 700 «Freunde» an. Dass die Mittel bei weitem nicht an das heranreichen, was andere Museen zur Verfügung haben, stört ihn nicht. Mehr als zwei Jahre plante Lentz im Auftrag der German-American Heritage-Stiftung das Projekt, zum großen Teil neben seinem Hauptjob als Studioleiter. Er schrieb alle Texte der Ausstellung selbst. Das Haus hatte zuvor die Stiftung erworben und ausgebaut.
Wenn die Ausstellung angelaufen ist, wird die Kernmannschaft des Museums vier Hauptamtliche umfassen, finanziert von Spenden und Beiträgen der Stiftung. Dauerhafte staatliche Zuschüsse gibt es nicht. Schon jetzt sei abzusehen, dass im jährlichen Etat eine Lücke von 200 000 Dollar (146 000 Euro) zu schließen sein wird, weiß der Direktor. Vermietungen der Räume für Veranstaltungen sollen es richten. Rüdiger Lentz zuckt mit den Schultern, lacht. «Ich sehe es als Herausforderung.»
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21.03.2010
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Eine in Washington beheimatete bayerische Volkstanzgruppe schwingt die Beine.
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