Die Sonde fällt - irgendwohin
Darmstadt. Am Sonntag, Montag oder Dienstag wird die russische Mars-Sonde "Phobos Grunt" auf die Erde stürzen. Wann genau und wo genau, ist noch überhaupt nicht klar. Das meiste wird verbrennen.
Am 15. Januar, 13.12 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ), falle die Mars-Sonde "Phobos Grunt" in den Indischen Ozean. - So präzise wird die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos seit Donnerstag zitiert. Jedoch hat Roskosmos 13.12 Uhr nur als Mittelpunkt eines ganzen Tages genannt, an dem die Sonde herabfallen kann. Und weil sie an dem Tag 16-mal um die Erde fliegen könnte, ist die Absturzstelle nicht vorherzusagen.
Zum Absturzgebiet lasse sich erst etwas sagen, wenn "Phobos Grunt" nur noch einen Orbit (Erdumrundung) vor dem Absturz steht, sagte Prof. Heiner Klinkrad, der Leiter der Abteilung Weltraumrückstände in der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) in Darmstadt, unserer Zeitung. Doch selbst dann kenne man zwar die Richtung der restlichen Flugbahn, wisse aber nicht, wo sie aufhört - 8000 Kilometer betrage die Ungenauigkeit dann noch.
Die Ungenauigkeit rührt auch daher, dass der Absturz lange dauert, weil er in immerhin 120 Kilometern Höhe beginnt. Dort wird die Luft so dicht, dass sie "Phobos Grunt" stärker bremst und die Physik spürbar wirkt: Je langsamer die Sonde wird, desto tiefer sinkt sie, desto langsamer wird sie, desto . . . - von anfangs 26 000 km/h auf unter Schallgeschwindigkeit (1200 km/h).
"Man kann nur ausschließen, was nicht mehr im Zeitfenster liegt", sagte Klinkrad. Wenn man also einschätze, dass "Phobos Grunt" noch drei Umläufe hat, "kann man sehen, über welches Gebiet sie nicht mehr fliegen wird."
Roskosmos (Russland), Nasa (USA) und das Fraunhoferinstitut (Deutschland) erfassten die Daten von Bahn und Flughöhe der Sonde, teilte Jens Fiege, der Pressesprecher des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR in Bonn, auf Anfrage mit. Für eine Prognose gelte eine Unsicherheit von 10 bis 20 Prozent der Restlaufzeit.
Beispiel: Nehme man an, dass "Phobos Grunt" noch eine Stunde bis zum Absturz vor sich hat, betrage die Ungenauigkeit rund 9 Minuten. Das können ein paar Tausend Kilometer sein. Fiege: "Die Experten haben sich deshalb über Russlands Prognose weltweit gewundert."
Roskosmos hat den Absturz nichtsdestotrotz gestern wieder genau vorhergesagt: Sonntag, 17:22 Uhr MEZ, Atlantik östlich von Argentinien. Das Fraunhofer-Institut erwartet den Absturz zwischen Sonntag und Dienstag.
Viel werde nicht herunterkommen, sagte Klinkrad. In 80 Kilometern Höhe werde "Phobos Grunt" von der Reibung der Atmosphäre so erhitzt, dass das meiste samt Treibstoff verbrennt. Jedoch dürften auch Teile zur Erde fallen. Klinkrad: "Die Trümmerschleppe am Boden kann 2000 Kilometer lang sein."
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: EGBERT MANNS | 14.01.2012
| Artikel twittern |
|
|
MEISTGELESENE ARTIKEL
Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil
Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr
Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam
Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

ZURÜCK
