"Das Königshaus war nie mein Traumthema"

Ob Hochzeiten, Beisetzungen, Jubiläen- kein royales Großereignis ohne die Kommentare von Rolf Seelmann-Eggebert. Der Adels-Experte wird 75.

Sie werden am Sonntag 75, demnach waren Sie gerade mal 15 Jahre alt, als die Queen den Thron bestiegen hat. Haben Sie das Ereignis noch in Erinnerung?

ROLF SEELMANN-EGGEBERT: Nein, ich weiß nur, dass meine Mutter mit ihrem Jüngsten auf dem Arm anlässlich von Elizabeth Hochzeit fünf Jahre zuvor sehr aufgeregt war. Man darf nicht vergessen, dass es damals ja noch keine großen TV-Übertragungen gab.

Wer oder was weckte denn Ihr Interesse für den Adel?

SEELMANN-EGGEBERT: Das Königshaus war nie mein Traumthema. Als ich von 1978 bis 81 in London Korrespondent war, hat mich die ARD gebeten, auch über das Adelshaus zu berichten. Das war ja die Zeit, in der sich Berichte über Charles und Diana überschlugen. So kam ich nolens volens eben auch zur Hofberichterstattung. Und weil es mir darum ging, den tatsächlichen Charakter einer konstitutionellen Monarchie herauszuarbeiten, hatte ich in London einen glücklichen Start. Und nichts ist nun einmal erfolgreicher als der Erfolg.

Dann waren die Windsors für Sie also der Türöffner in all die anderen europäischen Adelshäuser?

SEELMANN-EGGEBERT: Sicherlich mag sich der ein oder andere gedacht haben, dass wenn sogar Prinz Charles mit mir geredet hat, wird er oder sie das guten Gefühls auch tun können. Man darf aber auch nicht vergessen: Als ich Mitte der Achtziger für eine ARD-Reihe den Versuch unternahm, das britische Königshaus ein Jahr lang zu begleiten, war die Berichterstattung der britischen Medien nicht besonders seriös. Mit einem gewissen Missvergnügen habe ich das festgestellt und versucht, es anders zu machen. Es ging uns ja auch darum, dem Zuschauer in Deutschland, wo der traditionelle Hochadel 1918 abgeschafft worden ist, einen Eindruck davon zu vermitteln, was konstitutionelle Monarchie überhaupt bedeutet.

Was hat sich im Umgang von Medien mit dem Adel geändert?

SEELMANN-EGGEBERT: Die Königshäuser waren früher insgesamt offener. Sie wurden auch weniger bedrängt. Die Boulevardpresse hatte in den 50er, 60er und 70er Jahren ja noch Hollywoodgrößen und echte Stars, wie es sie heute gar nicht mehr gibt. Da brauchte man kein Mitglied des Hochadels für die Titelseite. Heute, wo Prominente - seien es nun Sänger oder Schauspieler - nur noch ein vergleichsweise kurzes Haltbarkeitsdatum haben, ist das ganz anders. Königshäuser sind in diesen vergänglichen Zeiten für Boulevardmedien doch die kostbarste Ware, die es gibt. Die Nachfrage ist riesig, entsprechend verschließen sie sich.

Wer fehlt Ihnen aus der Liste der Adeligen noch als Gesprächspartner?

SEELMANN-EGGEBERT: Die einzige königliche Figur, die ich zwar mehrmals getroffen, aber nie interviewt habe, ist die Queen. Ganz einfach deshalb, weil sie Medien grundsätzlich keine Interviews gibt. Ihre Mutter, Queen Mum, hatte da wohl mal sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Das scheint Elizabeth so tief beeindruckt zu haben, dass sie es bis heute konsequent durchgehalten hat. Und wenn ich ihr einen Rat geben dürfte, würde ich sie dringend davor warnen, dies zu ändern. Ich jedenfalls kann gut damit leben.


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Autor: GUDRUN SOKOL | 04.02.2012

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