49 Kinder unter den Opfern

Unter den 51 Todesopfern des Zugunglücks nahe der Stadt Assiut sind 49 Kinder. Ägyptens Schienen und Straßen sind in einem verheerenden Zustand.

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Den Helfern bot sich ein Bild des Grauens: Die Lokomotive war blutverschmiert, die Opfer lagen zwischen zerrissenen Blechfetzen. Schulranzen, Kleider und Hefte waren hunderte Meter entlang der Gleise verstreut. Fast einen Kilometer hatte die schwere Diesellokomotive den Schulbus mit über 60 Kindern an Bord mitgeschleift, bevor der Zug zum Stehen kam.

49 Jungen und Mädchen im Alter zwischen vier und sechs Jahren waren auf der Stelle tot, ebenso der Busfahrer und zwei Betreuer. Nur wenige Kinder überlebten schwer verletzt. Unter den herbeigeeilten Eltern und Angehörigen spielten sich herzzerreißende Szenen ab.

Wie die ägyptischen Behörden mitteilten, hatte der Bus am Samstagmorgen nahe der südägyptischen Stadt Assiut die Gleise überqueren wollen und war dabei von dem Zug erfasst worden. Die Angaben von Augenzeugen jedoch sind widersprüchlich. Die einen behaupteten, der Busfahrer sei trotz der Warnleuchten weitergefahren. Andere sagten aus, die Warnanlage an dem Übergang sei zum Zeitpunkt der Kollision nicht in Betrieb gewesen. Der Gouverneur von Assiut, Yahya Keshk, erklärte später, der zuständige Bahnwärter habe geschlafen und sei verhaftet worden.

Empörte Bewohner und Angehörige hinderten wenige Stunden nach dem Unglück den aus Kairo herbeigeeilten ägyptischen Regierungschef Hisham Qandil daran, zur Unfallstelle zu fahren. "Nieder mit der Regierung", skandierte die Menge, einige feuerten sogar Schüsse aus automatischen Waffen in die Luft.

Der Transportminister Ägyptens, Rashad al-Mateeni, sowie der Chef der Ägyptischen Eisenbahn, Mustafa Qenawi, erklärten noch am Samstag ihren Rücktritt. Staatschef Mohamed Mursi wandte sich in einer kurzen Fernsehansprache an die Nation und versprach, alle Verantwortlichen für diese Tragödie würden zur Rechenschaft gezogen.

Der verunglückte Bus war offenbar völlig überladen. Statt der zugelassenen 30 Sitzplätze zwängten sich über 60 Kinder in dem Fahrzeug, in Ägypten ein üblicher Missstand. Schwere Zugunglücke am Nil sind relativ häufig.

Das staatliche Eisenbahnnetz ist total überlastet, Schienen und Zugpark in einem schlechten Zustand. Weichen und Signale werden weitgehend noch von lokalem Personal per Hand gestellt. Entlang der Nilstrecke von Kairo nach Assuan gibt es hunderte von Bahnübergängen, die schlecht oder überhaupt nicht gesichert sind. Am gleichen Tag kam es auch auf der Ringautobahn von Kairo zu einem schweren Unfall, als ein Lastwagen mit überhöhter Geschwindigkeit in einen Minibus raste und zwölf Menschen in den Tod riss. Nach jüngsten Angaben der Behörde für Öffentlichen Transport in Ägypten verlieren jedes Jahr rund 7000 Menschen bei Unfällen auf Straße oder Schiene ihr Leben.

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