Zwei Krankenhäuser schließen

Die Schließung der beiden Krankenhäuser in Leutkirch und Isny ist besiegelt. Der Ravensburger Kreistag hofft damit, den hoch defizitären Verbund der Oberschwabenklinik retten zu können.

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Landrat Kurt Widmaier sprach von einer der "schwierigsten Entscheidungen" in der Geschichte des Landkreises Ravensburg, Leutkirchs Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle dagegen sah in dem Beschluss des Kreistags die "dunkelste Stunde der Kreispolitik". Durch die am Freitag besiegelte Schließung von zweien der bisher sechs Krankenhäuser der Oberschwabenklinik (OSK) werden 60 000 Einwohner des östlichen Kreisgebiets und mithin weite Teile des Allgäus ohne wohnortnahe klinische Versorgung sein.

Dass damit freilich das in diesem Jahr erwartete Defizit der OSK von 10,5 Millionen Euro - nach acht Millionen Verlust im Vorjahr - rasch abgebaut und der Klinikverbund wieder auf eine solide finanzielle Basis gestellt werden kann, ist noch längst nicht ausgemacht. Denn den überwiegenden Anteil der roten Zahlen produzieren die Zentralklinik St. Elisabeth (EK) in Ravensburg und das Krankenhaus in Wangen, das als einzige Allgäu-Klinik bestehen bleiben und nach den Vorstellungen der Kreisverwaltung künftig die Patienten der entfallenden Häuser aufnehmen soll.

Derzeit verfügen die sechs OSK-Häuser über 1000 Betten und beschäftigen 2700 Mitarbeiter. Mit der Schließung von Leutkirch und Isny fallen rund 90 Betten weg, die in Wangen neu geschaffen werden müssen. Weil auch Bad Waldsee mittelfristig seine Innere Abteilung verlieren soll, will die OSK am derzeit im Umbau befindlichen Elisabethenkrankenhaus für Bettenersatz sorgen und muss auch dort kräftig investieren. Der Kreiskämmerer rechnet mit insgesamt fünf Millionen Euro. Weiter muss der Landkreis voraussichtlich einen Teil der Fördermittel an das Land zurückzahlen, die in den Jahren 1997 bis 2003 für die Sanierung des Krankenhauses Leutkirch geflossen sind. Die Rede ist von 5,5 Millionen Euro.

Völlig ungewiss ist allerdings, ob diese Betten in den OSK-Kliniken gebraucht werden. Denn dass die bisher in Leutkirch und Isny versorgten Patienten vor allem nach Wangen gehen werden, wird vor Ort sehr in Frage gestellt, zumal die niedergelassenen Ärzte signalisiert haben, dass sie für Einweisungen die bayerische Nachbarschaft in Memmingen oder Kempten bevorzugen.

Nach den Vorstellungen der Kreisverwaltung gehen für die stationäre Versorgung in Isny spätestens Ende März nächsten Jahres die Lichter aus. In Leutkirch soll mit Gynäkologie und Notaufnahme bereits zum Jahresende Schluss sein. Für die Innere Medizin und die Chirurgie verbleibt eine Frist bis Ende Juni 2013.

Geeignete Ärzte und Pflegepersonal zu gewinnen, war schon seit geraumer Zeit ein großes Problem für die kleinen Allgäu-Häuser. Obwohl das für die Schließung letztlich ausschlaggebende Gutachten des Bremer Instituts BAB in den OSK-Kliniken St. Elisabeth und Wangen einen rechnerischen Überhang von 50 Ärzten und 100 Pflegekräften nachgewiesen hatte, mussten sowohl in Leutkirch als auch in Isny ständig Leihärzte verpflichtet werden, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Nicht wenige Leutkircher und Isnyer, die gestern zu Hunderten die Kreistagssitzung verfolgten, sind überzeugt, dass über diese Art der Ärztebeschaffung die Grabsteine auf ihre Kliniken gesetzt wurden. Das Vertrauen in die Qualität der Versorgung, heißt es, habe gefehlt.

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