Zuerst denken - dann klicken

Rasch geklickt, fix geteilt: Im sozialen Netzwerk geht es schnell zu, manchmal zu schnell. Das hat nun auch die grüne Landtagsfraktion gemerkt. Beim Twittern über die Bildungsplan-Demo in Stuttgart teilten sie - ohne es zu wollen - eine Bildmontage. Allerdings: Auch andere wahlkämpfende Parteien haben heuer schon danebengelangt.

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In diesem Post teilte die grüne Landtagsfraktion die Bildmontage einer Stuttgarter Künstlergruppe

Mal was von "ZDDK" gehört? Diese Abkürzungen meint ganz lebenspraktisch: "Zuerst denken - dann klicken." Dass das simpler klingt, als es ist, beweist die österreichische Seite "mimikama.at" in der Flüchtlingskrise.

Die Aktivisten prüfen und entlarven dabei oft Geschichten in sozialen Medien: üble Gerüchte, hanebüchener Unsinn, amüsanter Quatsch.

Dass nicht jede ZDDK-Missachtung böse ist, aber doch Flurschaden anrichtet, hat nun die grüne Landtagsfraktion bewiesen. Deren Pressestelle war am Sonntag auf der "Demo für alle" und zwitscherte über Bildungsplangegner und Gegendemonstranten, zu denen sich die Öko-Partei zählt.

Da entdeckten sie auf Twitter das Foto der Stuttgarter Künstlergruppe Hirschbambule, das Bildungsplangegner zeigen sollte: Biertrinker in Bomberjacke, Glatzen im Gleichschritt, dazu die lilafarbenen Flaggen der "Demo für alle". Ein Bild, zu schön um wahr zu sein. Und wahr war es ja auch nicht: Es war eine Fotomontage auf Basis des Bildes eines niederländischen Neonazi-Mobs. Was die Grünen freilich nicht wussten und auch nicht prüften - sondern einfach nur auf ihrem Twitter-Account teilten.

"Das war keine Absicht", versichert Grünensprecher Benjamin Hechler. Kaum habe man den Fehlgriff bemerkt, habe man das Bild gelöscht. Doch schon geistert es - nebst Originalbild - durchs Netz. Inklusive Shitstorm, wie man sich vorstellen kann. Da mischte auch die CDU mit: "Der Grünen-Fraktion im Landtag ist anscheinend jedes Mittel Recht, die Stimmung im Land zu vergiften", wetterte der stellvertretender Fraktions-Chef Winfried Mack. Hechler zeigt sich folglich zerknittert. Die Häme im Netz habe man tatsächlich "ein bisschen verdient". "Ärgerlich ist nur, dass uns Absicht unterstellt wird." Künftig wolle man genauer prüfen - und erst dann klicken.

Dass allerdings allerorten im Online-Wahlkampf Hobeln Späne produziert, hat schon die Junge Union auf Facebook bewiesen: CDU-Spitzenmann Guido Wolf legte sie die schönen Worte in den Mund: "Ohne Asylgrund oder Schutzstatus sollte niemand mehr in unser Land einreisen." Womit sie sorgenvoll-ironische Nachfragen zur Zukunft der Tourismusindustrie im Land erntete.

Auch die FDP hat sich schon ihren ZDDK-Schnitzer geleistet: Auf Facebook stellten sie den Satz: "Stell dir vor, Du lebst in einem Land mit der Wirtschaftskraft von Österreich, und dieses Land würde nicht einmal ein eigenständiges Wirtschaftsministerium haben. Verrückt, oder?" Gut gebrüllt, liberaler Löwe. Nur verfügt Österreich nur über ein "Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft".

A propos: Nun wären wir wieder in Österreich und bei unserem ZDDK-Motto. Erst Denken. Dann klicken. Das wär doch was für die letzten verbliebenen zwei Wahlkampfwochen!

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