Zoff wegen angeblicher Nähe zu AfD

|

Klaus Kornberger, Bürgermeister von Weikersheim, weiß offiziell nichts vom Zoff in einem besonderen Verein, der den Namen der Stadt führt. Das Studienzentrum Weikersheim (SZW) hat bereits seit 9. September eine neue Führung, nachdem der 2011 gewählte Präsident Harald Seubert unter Protest den Bettel hingeschmissen hat. Seither lenken seine früheren Stellvertreter Jost Bauch und Karl Albrecht Schachtschneider die „christlich-konservative Denkfabrik“, wie Ex-Ministerpräsident Hans Filbinger seinen 1979 gegründeten Zirkel nannte.

Für den Rücktritt habe es „persönliche Gründe“ gegeben, teilte der in Wien sitzende SZW-Geschäftsführer Daniel Tapp mit. Tatsächlich zog sich der Philosophie-Professor aus Nürnberg zurück aus „Besorgnis und Entsetzen“, weil sich die Mehrzahl der Mitglieder seiner Ansicht nach nicht eindeutig von AfD und Pegida distanzierten. Diese Bewegungen wollten „eine Unkultur von Ressentiment und Hass neu aussäen“, heißt es in einer Erklärung. Er schreibt: „Die widerlichste Ausgeburt dieser Tendenz ist ein neuer oder gar nicht neuer deutscher Antisemitismus.“ Es sei keine „klare Zäsur zu dem nationaldeutschen Hexenkessel“ gezogen worden. Seine Erneuerungsversuche seien „an dieser Front zerbrochen“. Er wollte „einen liberalen, metapolitischen Denkkreis“, sagte Seubert.

„Persönlich verletzt“

Soziologe Bauch und Staatsrechtler Schachtschneider, einstimmig zu Nachfolgern Seuberts gewählt, reagierten auf dessen Vorwürfe „mit großem Befremden“. Sie fühlen sich  „persönlich verletzt“. Das Zentrum wahre seine politische Unabhängigkeit, „nicht ein Wort“ sei antisemitisch. Es sei auch gar nicht wahr, dass es „irgendwelche Differenzen über die rein wissenschaftliche Ausrichtung des Studienzentrums gegeben hat“.

Von dem Gezerre erfuhr der parteilose Bürgermeister erst durch den Anruf dieser Zeitung. Dabei hatte Klaus Kornberger bei der SZW-Versammlung ein Grußwort gesprochen. Zwar sei ihm aufgefallen, dass Harald Seubert fehle, aber ein Grund dafür sei ihm nicht genannt worden. „Die haben das nicht breit getreten“, sagte Kornberger. Etwa 40 Leute hatte der Bürgermeister der Kleinstadt im Taubertal gezählt. „Die Veranstaltung hatte den Charakter eines Klassentreffens, die Wiedersehensfreude untereinander war groß.“

In besseren Zeiten drängten sich bei Jahrestagungen bis zu 1000 Teilnehmer im riesigen Rittersaal des Schlosses. Heute gehören dem „Club der rechten Denker“ nur noch 145 Personen an.  Hans Georg Frank

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

K.o.-Tropfen: "Finger in den Mund, und spucken Sie es aus"

Immer wieder werden Menschen mit K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt, anschließend vergewaltigt oder ausgeraubt. Dagegen hilft nur Vorsicht, sagt Achim Andratzek. weiter lesen