Zimmer gesucht

81 000 Jugendliche beginnen dieses Jahr ihr Studium - auf der Straße werden sie wohl nicht schlafen müssen. Aber für die Studenten wird es in einigen Städten schwieriger, ein Zimmer zu finden.

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Studenten mit Matratzen, Kissen und Schlafbrillen auf der Konstanzer Marktstätte. Die Aktion vom Mittwoch soll zeigen, wie schwer es in der Stadt am Bodensee ist, zu Semesterbeginn ein bezahlbares Zimmer zu finden. Foto: Studentenwerk Konstanz

Das Semester an der Heidelberger Universität beginnt am 15. Oktober, einem Montag. Nicht jeder Studienanfänger wird an diesem Tag nach Ende der Vorlesungen in sein eigenes Zimmer heimkehren. Manche werden die Nacht in einem der Notquartiere des Studentenwerks verbringen müssen.

Im Keller eines Wohnheims stehen pro Zimmer vier Feldbetten, Frauen und Männer schlafen getrennt. Für die Wertsachen gibt es einen Spind, Kochen kann man in der Gemeinschaftsküche. Zum Duschen müssen die Studenten ins Sportzentrum, das ein Stück weiter liegt. Acht Euro kostet die erste Nacht, jede weitere vier Euro. 30 Plätze stellt das Studentenwerk zur Verfügung, Mitte November ist das Notquartier meist geräumt. Dann haben alle Studenten eine Bleibe gefunden. So war es bislang jedes Mal, seit das Studentenwerk 2007 erstmals Notunterkünfte anbot.

Doch im Oktober werden so viele junge Leute wie nie ein Studium in Baden-Württemberg beginnen. Grund für den Andrang ist vor allem der doppelte Abiturjahrgang. Das Wissenschaftsministerium rechnet in diesem Jahr mit 81 500 Studienanfängern in Baden-Württemberg, das sind gut 25 Prozent mehr als im Jahr 2008. Wo sollen all die Studenten wohnen? Hält der Wohnungsmarkt dem Ansturm stand?

Niemand will sich mit Prognosen zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums sagt, dass man von den Universitäten "noch keine Warnungen bekommen" habe.

Die Situation ist regional sehr unterschiedlich. Während das Studentenwerk Ulm von einem "aufnahmefähigen Markt" berichtet, ist es in Freiburg, Heidelberg oder Konstanz schwierig, ein bezahlbares Zimmer zu finden.

Clara Franck aus Freiburg ist das gelungen. Die 20-Jährige beginnt im Oktober mit einem Psychologiestudium an der Uni Konstanz. Vor wenigen Tagen hat sie die Zusage für ein WG-Zimmer bekommen. 270 Euro zahlt sie für 14 Quadratmeter - für Konstanz günstig. Gefunden hat sie es über ein Online-Portal. "Ich habe super viel Glück gehabt", sagt sie.

Erst Ende August hat sie mit der Wohnungssuche begonnen und ist damit nicht unbedingt spät dran, wie Clemens Metz, Leiter des Studentenwerks Freiburg sagt: "Es gibt immer Helden die zwei Tage vor Studienbeginn auftauchen und dann ohne Wohnung dastehen." Vor allem für solche Fälle sind die Notquartiere gedacht, die es auch in Freiburg, Konstanz oder Tübingen gibt.

Nach wenigen Tagen nehmen die Studenten, die dort unterkommen meist Abstand von ihren Wunschvorstellungen einer Uni-nahen, günstigen Wohnung und ziehen entweder ins Umland oder vorübergehend in eine überteuerte Wohnung.

Es ist vor allem Aufgabe der Studentenwerke, günstigen Wohnraum zu schaffen. Das Wissenschaftsministerium pumpt seit Jahren Geld in die Studentenwerke, die es wiederum in den Bau von Wohnheimen stecken. In diesem Jahr waren es 4,5 Millionen Euro. In Freiburg hat das dortige Studentenwerk dieses Jahr drei Neubauten mit 310 Plätzen eröffnet.

Doch längst nicht alle Studenten beziehen ein Zimmer im Wohnheim. Nach Zahlen des Wissenschaftsministeriums leben etwa 15 Prozent der Studenten in Wohnheimen, 26 Prozent zu Hause und der Rest, also mehr als die Hälfte, in privaten Wohnungen.

Hier versuchen die Studentenwerke mit ungewöhnlichen Methoden private Vermieter zu locken. In Freiburg warb das Studentenwerk auf Bäckertüten für ein Herz für Studenten. In Konstanz legten sich diese Woche Studenten mit Matratzen, Kissen und Schlafbrillen in die Fußgängerzone, um auf die Wohnungsnot aufmerksam zu machen.

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