Zahl der Pflegefälle wächst weiter

Die Prognose des Statistischen Landesamts belegt, dass auf die Politik große Herausforderungen zukommen: Die zunehmende Überalterung lässt die Zahl der Pflegebedürftigen stark steigen.

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34 Prozent aller Pflegebedürftigen werden heute im Heim versorgt, 46 Prozent zu Hause von Angehörigen. 20 Prozent werden ambulant betreut. Foto: epd

Der Baden-Württemberger ist ziemlich gealtert in den letzten gut 40 Jahren: Im statistischen Schnitt war er im Jahr 1970 noch unter 35. Derzeit ist er fast 43 Jahre alt. Der Rückgang der Geburtenrate einerseits und die deutlich gestiegene Lebenserwartung andererseits sind die maßgeblichen Gründe dafür. Nur weil der zeitweise enorme Zuwanderungsgewinn durch relativ junge Menschen einzurechnen ist, hat das Land im Bundesvergleich die niedrigste Pflegequote: Von den 10,7 Millionen Einwohnern sind 2,3 Prozent Pflegefälle.

Doch die Herausforderung wächst mit der demografischen Entwicklung, wie Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) gestern zusammen mit der Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Carmina Brenner, darlegte. Nach den Modellrechnungen der Statistiker könnten es 2030 schon 3,4 Prozent und 2050 dann 4,9 Prozent sein - vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen wie sie zum Beispiel durch den medizinischen Fortschritt gesetzt werden, änderten sich nicht gravierend. Statt 246 000 pflegebedürftigen Menschen (2009) muss sich die Politik 2050 auf nahezu 470 000 einstellen. Mit dem Grundsatz "ambulant vor stationär" will Sozialministerin Altpeter dem Wunsch nachkommen, so lange wie möglich daheim helfen zu können. Um ein flächendeckendes Netz zur Betreuung zu etablieren und pflegende Angehörige zu entlasten, seien die Fördermittel 2012 von 1,5 Millionen Euro um 700 000 Euro aufgestockt worden. Auch teilstationäre Angebote werden vor allem im ländlichen Raum ausgebaut. Die Pflegeheime im Südwesten sind derzeit im Schnitt zu 85 Prozent ausgelastet.

Doch es zeichnet sich ab, dass künftig nicht mehr zwei Drittel aller Pflegebedürftigen von Angehörigen umsorgt werden können: Neben dem Geburtenrückgang schlägt zu Buch, dass immer mehr Frauen einer Erwerbsarbeit nachgehen. Auch müssen Arbeitnehmer heute oft beruflich sehr mobil sein. Außerdem nimmt die Zahl der Hochbetagten zu, deren Pflegerisiko rapide ansteigt: Gab es 2009 nur 72 500 Menschen, die 90 Jahre und älter waren, so werden es 2030 fast dreimal und 2050 mit dann 298 000 mehr als viermal so viele sein.

Die Statistiker haben auch ausgerechnet, dass dann die Zahl benötigter Altenpfleger/innen mit vollen Stellen von 106 000 im Jahr 2009 ansteigen müsste 2050 auf 228 000 - dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass viele Pflegekräfte in Teilzeit arbeiten wollen oder müssen.

"Wir müssen heute die Weichen stellen", sagte Altpeter und kündigte für Herbst eine Kampagne zur Gewinnung von Nachwuchskräften an. Die Träger von Pflegeeinrichtungen seien aber auch gefordert, die Rahmenbedingungen attraktiver zu gestalten, vor allem, was die Arbeitszeiten angehe.

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