Wer wird Weltmeister im Schafe scheren?

Zum zweiten Mal wurde in Salem die deutsche Schafschurmeisterschaft ausgetragen. Zu sehen gab es starke Männer und auch Frauen, die den Schafen die Wolle nahmen.

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Die Wolle muss runter: 91 Schafscherer haben in Salem um den Titel gekämpft.   Foto: 

Auf die Plätze, fertig, los! Die vier Schafscherer, die auf der Bühne sind, reißen die Tür auf, packen das Schaf, das dahinter wartet, an den Vorderläufen, ziehen es auf seinem Hinterteil auf die Bühne und setzen die elektrische Schere an. Dann geht alles ganz schnell. Die Wolle fällt, das Publikum johlt, das Schaf hält still. Meistens wenigstens. Ist das Schaf nackt, wird es unsanft durch eine andere Tür hinaus bugsiert. Das nächste Schaf ist dran. So geht das bei der Deutschen Schafschurmeisterschaft in Buggensegel bei Salem am Bodensee drei Tage lang.

Es ist den Männern und auch den wenigen Frauen anzusehen, wie anstrengend die Arbeit mit den Schafen ist. Es geht um Schnelligkeit, um Qualität, um die Sauberkeit der Schur, darum, dass die Haut des Schafs unverletzt bleibt und gut mit dem Tier umgegangen wird. Wer das an diesem Wochenende am besten hinbekommen hat, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

Lokalmatador wird gefeiert

Als Moderator Michael Gertenbach an diesem Samstag den amtierenden deutschen Meister Emanuel Gulde aus Buggensegel als nächsten Teilnehmer ankündigt, tobt das Publikum in der Halle. Der junge Mann hat eine große Fangemeinde. Weil diese 16. Deutsche Meisterschaft in Buggensegel ausgetragen wird, sind alle da, um ihn anzufeuern. Es ist nach 2009 das zweite Mal, dass die Meisterschaft hier ausgetragen wird. Veranstalter sind der Verein Deutscher Schafscherer, der Landesschafzuchtverband und die Schäferei Gulde.

Florian Gulde, der Bruder von Emanuel, stellt einen Teil der 1200 Schafe zur Verfügung, die während der Meisterschaft von 73 Teilnehmern aus Deutschland und 18 aus Österreich, der Schweiz, Italien,  Schottland, Neuseeland, Irland und Australien in die Mangel genommen werden. Darunter sind nach Auskunft von Annette Wohlfarth, der Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbands, drei deutsche Frauen und zwei Schottinnen. 

Konkurrenz aus Wales ist stark

Die mehreren hundert Zuschauer verfolgen gebannt die schweißtreibende Arbeit, immer wieder wird es laut. Dazwischen ist das Blöken der Schafe hinter der Bühne zu hören. Ein Schafscherer aus Wales ist der härteste Konkurrent für Emanuel Gulde. Der kämpft mit hochrotem Kopf um schnelle und saubere Arbeit. Doch der Mann aus Wales ist schneller, schickt sein fünftes Schaf durch die Tür, als Emanuel Gulde noch schert. Dafür wird Emanuel lautstark unterstützt und beendet seinen Durchgang als Zweiter.

„Es wird knapp“, hatte er gesagt, bevor er auf die Bühne ging. Emanuel Gulde ist seit zehn Jahren hauptberuflicher Schafscherer, einer der wenigen, die es noch gibt. Angesichts der sinkenden Zahl von Schafen werden auch die Schafscherer landes- und bundesweit weniger.

200 Schafe pro Tag

Gulde fährt von Schäferei zu Schäferei und befreit die Tiere von ihrer Wolle. „Es ist eine Saisonarbeit. Ich schere in sieben Monaten rund 20.000 Schafe. In der Hauptsaison sind es 200 Schafe pro Tag.“ Das Pensum könne nicht allein mit Kraft bewältigt werden, sagt er, zumal ein Schaf um die 80 Kilogramm wiegt. Er hat sich eine spezielle, kraftsparende Technik angeeignet. Mit der arbeitet er auch beim Wettbewerb, bei dem bei jedem Durchgang fünf Schafe geschoren werden müssen.

Auf das Zappeln der Tiere angesprochen, meint er nur trocken: „Wenn man das Schaf gut schert, zappelt es nicht.“ Bei ihm stimmt das, bei anderen weniger.

Die Schafschurmeisterschaft sei eine „Misshandlung der Tiere“, behauptet die Tierrechtsorganisation PETA. Sie übt scharfe Kritik an der Veranstaltung, weil den Tieren durch den enormen Zeitdruck „zwangsläufig“ Schnittwunden zugefügt würden, heißt es in einer Pressemitteilung. Dem widerspricht der Landesschafzuchtverband. Während der Wettkämpfe seien Tierärzte und Vertreter des Veterinärämtes auf dem Gelände, um nach dem Rechten zu sehen.

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Kommentare

22.08.2017 11:17 Uhr

Tiere sind kein Spielzeug!

Tiere fühlen Schmerz und Panik und sollten daher niemals für alberne Wettkämpfe auf eine Bühne gezerrt, zwischen die Beine eines Schäfers geklemmt und im Akkord geschoren werden. Schafe sind Fluchttiere und die Panik ist ihnen auf den Bildern ins Gesicht geschrieben.

Bei jedem dieser Schafschurwettbewerbe werden auch Tiere verletzt - bei der kommerziellen Schur ist es ja nicht anders. Den Tieren hilft es nicht viel, wenn während der Wettkämpfe Tierärzte und Vertreter des Veterinäramtes auf dem Gelände sind - die können die Verletzungen zwar versorgen, aber nicht verhindern. Dass es zu Verletzungen kommt, haben die Veranstalter in anderen Medienbeiträgen längst zugegeben und jeder kann es in diversen Aufnahmen und Bildern der jährlichen Wettbewerbe sehen. Dem Schaf werden vermeidbare Schmerzen zugefügt, was eindeutig gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Ich wünsche mir, dass Besucher von tierfeindlichen Veranstaltungen wegbleiben und sich die Wettbewerber ein weniger blutiges Hobby suchen, wenn schon das Gesetz, wie so oft in Sachen Tierqual, einfach fröhlich ignoriert wird.

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