Wintereinbruch rettet Eiswein-Jahrgang

Gefrorene Weintrauben? Zu Eiswein verarbeitet sind sie eine Spezialität. Der lange Zeit milde Winter hatte der Weinbranche daher Sorgen bereitet. In manchen Regionen konnte jetzt die Lese stattfinden.

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Die klirrende Kälte hat den Eiswein-Jahrgang 2015 im Südwesten gerade noch so gerettet. Die Winzergenossenschaft Glottertal (Breisgau-Hochschwarzwald) erntete gestern Morgen bei minus elf Grad die gefrorenen Trauben, die noch am Rebstock hingen. "Das Warten hat sich gelohnt - wir haben bei dem Pokerspiel den längeren Atem gehabt", sagte der Chef der Genossenschaft, Udo Opel. "Wir sind überglücklich." Es seien 180 Grad Öchsle - also 360 Gramm Fruchtzucker - gemessen worden, das sei "bombastisch gut".

Die Genossenschaft hatte Riesling-Trauben auf 3000 Quadratmeter stehenlassen. Daraus werden jetzt etwa 1100 Flaschen Eiswein gewonnen, sagte Opel. Die Flaschen sollen Weihnachten 2016 verkauft werden. "Der Eiswein ist für uns das i-Tüpfelchen des Weinjahrgangs 2015."

Auch die Winzergenossenschaften Rammersweier und Durbach (beide Ortenaukreis) vermeldeten erfolgreiche Eisweinlesen. "Der Zeitraum bis zur Lese war sehr lang, es hat gerade so gereicht", sagte Rammersweier-Kellermeister Siegfried Kiefer. Man sei froh über immerhin wohl 150 Liter Eiswein. 35 Männer und Frauen der Fellbacher Weingärtner (Rems-Murr-Kreis) konnten gestern ebenfalls gefrorene Riesling- und Spätburgundertrauben lesen. "Zum Glück hat alles schnell und gut funktioniert, und wir konnten die Weine mit 177 Grad Öchsle nach Hause bringen", sagte Vorstandsvorsitzender Thomas Seibold. Die Qualitäten der Trauben seien durch den heißen und trockenen Sommer hervorragend.

Unklar war, wo es sonst noch Eiswein-Lesen gab oder wo in den kommenden Tagen noch geerntet wird. Die meisten Weingärtner und Winzer im Südwesten hatten ihr Vorhaben in den vergangenen Wochen wegen der viel zu warmen Witterung abgebrochen und die Trauben im klassischen Leseverfahren als Trockenbeeren eingeholt, damit sie nicht verfaulen und gar nicht mehr zu gebrauchen sind.

Ein Beispiel: die Winzergenossenschaft Oberbergen im Kaiserstuhl (Breisgau-Hochschwarzwald). Ende 2015 wurden dort Trauben als Trockenbeeren eingeholt, die als Eiswein vorgesehen waren. "Es war zu warm", sagt Genossenschafts-Geschäftsführer Erwin Vogel. Anstatt 9,5 Grad minus seien es Ende Dezember 9,5 Grad plus gewesen. Aus Sorge, dass zu viel Traubenflüssigkeit verdunstet oder dass die Beeren faulen, habe man sie eingeholt.

Der Geschäftsführer des Weinbauverbands Württemberg, Werner Bader, sagt: "Es gibt in diesem Jahr nicht viel Eiswein." Dies gilt übrigens für alle deutschen Weinbaugebiete. Ein Sprecher des Deutschen Weininstituts sagt, der Eisweinertrag sei sehr gering.

Eiswein ist eine Wein-Spezialität, die zumeist zum Dessert serviert wird. Um die gefrorenen Beeren für Eiswein ernten zu können, muss die Quecksilbersäule im Thermometer unter minus 7 Grad sinken. Die kleinen Flaschen (0,375 Liter) kosten häufig etwa 40 Euro.

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