Wenn der Stimmzettel zur Hürde wird

Beim Wählen werden sie bis heute benachteiligt: Analphabeten. Kleine Änderungen würden ihnen bereits helfen, selbstständig abstimmen zu können.

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In Deutschland leben 7,5 Millionen Menschen, die keinen längeren Text verstehen, nur wenige Wörter und Namen lesen oder schreiben können. Am Sonntag bei der Bundestagswahl werden diese funktionalen Analphabeten im Nachteil sein. Manche nehmen vielleicht noch einen Vertrauten mit in die Wahlkabine, der beim Ausfüllen hilft. Viele andere aber werden sich gar nicht ins Wahllokal trauen, um die Situation zu vermeiden, vor dem Stimmzettel zu stehen und nicht zu wissen, wo das Kreuz zu setzen ist, weil sie ihn nicht verstehen.

Menschen mit Lese- und Schreibschwäche könnten es bereits leichter haben, hätte die schwarz-gelbe Koalition eine Initiative der Opposition Anfang des Jahres unterstützt. SPD und Grüne wollten bei künftigen Wahlen zum Bundestag und zum Europäischen Parlament die Stimmzettel neu gestalten. Neben dem Namen des Kandidaten sollte ein Bild der Person zu sehen sein und neben dem Parteinamen das Parteilogo. Doch die Koalition war gegen die Initiative. Der CDU-Abgeordnete Reinhard Grindel argumentierte: "Kandidatenfotos und Parteilogos können die Wahlentscheidung aller Wähler beeinflussen." Die Abgabe der Stimme dürfe nicht "zu einem Wettbewerb der schönsten Kandidatenfotos werden".

Verbessert hat sich die Situation für Analphabeten im Vergleich zu 2009 in anderer Hinsicht. Die Parteien bieten zunehmend spezielle Wahlprogramme in leichter Sprache an. Ein guter Schritt - nicht nur für Menschen mit Lese- und Schreibschwäche - sondern für jeden, der keine Zeit hat, sich durch die oft sehr kompliziert formulierten Wahltraktate zu arbeiten.

Info Menschen mit Lese- und Schreibschwäche finden im Internet Wahlhilfen. Unter bundestagswahl-bw.de/leicht.html und iwsl.de gibt es anschaulich aufbereitete Informationen - zum Beispiel Parteiprogramme in leicht verständlicher Sprache oder andere Hintergründe zum Thema Wählen.

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