Weitere Klage gegen Kloster Neresheim

Erst die rätselhaften Klostermillionen, jetzt der Jaumann-Nachlass: Das Kloster Neresheim steckt in einem neuen Erbstreit. Es geht ums Geld eines Ex-Ministers.

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Kloster Neresheim auf dem Härtsfeld: Schon wieder in einen Erbstreit verwickelt.   Foto: 

Der einstige bayerische Wirtschaftsminister Anton Jaumann und seine Frau Margarete haben den verstorbenen Neresheimer Abt Norbert Stoffels als Erben eingesetzt für Gegenstände und Geldvermögen im Wert von 500.000 Euro. Neben Stoffels, Beichtvater der Jaumanns, ist Annelise Fornfeist, eine Nichte Magarete Jaumanns, Haupterbin.

Das Testament der Verstorbenen macht aber Auflagen: Margarete Jaumann vermachte weiteren Nichten und Neffen Geld sowie persönliche Gegenstände. Ebenso sollen Einrichtungen wie Deutsche Krebshilfe oder Alfons-Goppel-Stiftung bedacht werden. Das erzählt Rechtsanwältin Karen Möhlenkamp, Großnichte Jaumanns.

Um das Vermächtnis streiten nun die Erben: Auf der einen Seite das Kloster Neresheim, Jaumann-Nichte Anneliese Fornfeist und die Testamentsvollstrecker. Auf der anderen Seite weitere Mitglieder der Familie des Wirtschaftsministers.

Das Kloster weigere sich, den Nachlass auszuhändigen, so Mühlenkamp. Dem Argument des Klostervertreters Max Hohenberg von CNC-Communications & Network Consulting in München, es seien nicht genug Werte vorhanden, um dem Vermächtnis zu entsprechen, pflichtet der Nördlinger Testamentsvollstrecker Klaus Walter bei. Dennoch hat Rechtsanwältin Möhlenkamp für die Familie des Wirtschaftsministers das Kloster verklagt. Der Vorwurf: Das Benediktinerkloster habe sich aus dem Nachlass bedient. Eine Madonna im Riemenschneider-Stil, antike Bücher, Schmuck, Stelen und andere Kunstwerke seien verschwunden beziehungsweise nicht angeführt, um den Nachlass „klein aussehen zu lassen“. Dabei habe das Kloster schon in der Vergangenheit einen Weinberg und die Kirche zahlreiche Schenkungen erhalten. Sie könne nicht verstehen, weshalb das Benediktinerkloster Auskunft über die „verschwundenen“ Gegenstände verweigere, sagt die Anwältin.

Einen Termin beim Richter hat es schon gegeben. Sie habe Kloster und Testamentsvollstrecker einen umfangreichen Vergleichsvorschlag gemacht, sagt die Juristin. „Das Kloster hat durch seinen Anwalt mit einem Satz mitteilen lassen, dass man den Vorschlag ablehnt“, bedauert Möhlenkamp.

„Das Kloster hat auf Sachvermächtnisse wie Schmuck keinen Einfluss, dies unterliegt dem Testamentsvollstrecker“, sagt Klostersprecher Max Hohenberg. Die Klosterleitung begrüße eine möglichst rasche Klärung. Noch ist eine Einigung aber nicht in Sicht. Das Landgericht Augsburg soll am 21. November in einem Zivilprozess darüber verhandeln. „Als beklagte Partei strebt das Kloster in diesem Verfahren die Klärung der Frage an, ob diese Forderung rechtmäßig ist“, so Hohenberg.

Möhlenkamp hat auch die – mittlerweile zwei – Testamentsvollstrecker verklagt. Margarete Jaumann hat ursprünglich den CSU-Bundestagsabgeordneten Ulrich Lange bestimmt. Sein Honorar in Höhe von 46 000 Euro sei „völlig überzogen“, findet Anwältin Möhlenkamp. Zudem sei es Jaumann zunächst nicht gelungen, den Nachlass für Neffen und Nichten in Form einer Inventarliste zu katalogisieren und zuzuordnen. Er habe unter Verwandten eine Verlosung von Gegenständen veranlasst und sogar Vermächtnisgegenstände zum Verkauf angeboten, sagt Jaumanns Großnichte. Den Verkauf ließ sie erfolgreich stoppen.

Lange habe inzwischen eingeräumt, für das Testamentsvollstrecker-Honorar wertvolle Gegenstände einbehalten zu haben. Nach einer Anzeige „durch uns hat Ulrich Lange mittlerweile sein Amt als Testamentsvollstrecker niedergelegt“, sagt die Anwältin. Auf Nachfrage ließ Lange durch sein Büro mitteilen, dass er zu den Vorwürfen keine Stellung nehme.

Sein Nachfolger, Anwalt Klaus Walter, wurde ebenfalls von der Düsseldorfer Juristin verklagt. Walter, seit November 2014 in der Jaumann-Sache tätig, hält  etwa zehn Prozent Vergütung für angemessen. Damit werde Langes Aufwand Rechnung getragen. Immerhin liege ihm in dem Fall eine Inventarliste über Sachvermächtnisse vor, die mehr als 4000 DinA-4-Blätter fülle. Möhlenkamp widerspricht. Erst auf Antrag der Familie sei das Inventar von einem Notar gelistet worden – 3200 Euro habe er dafür veranschlagt.

Das Benediktinerkloster ist noch in einen anderen Erbstreit verwickelt. Darum geht es um viel Geld, das nach Tod Abt Stoffels 2013 auf Klosterkonten entdeckt wurde. Im Oktober geht es vor dem Oberlandesgericht Stuttgart um diese Klostermillionen.

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