Für Unterricht mit behinderten Kindern fehlen Pädagogen

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Stühle stehen in einem leeren Klassenzimmer auf den Tischen. Foto: Jens Kalaene/Archiv  Foto: 

Zwei Jahre nach dem Ende der Sonderschulpflicht hakt es noch gewaltig beim gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Schülern. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) räumte am Mittwoch in Stuttgart ein, dass sonderpädagogische Lehrer fehlten. Bis zum Schuljahr 2022/23 gehe die Schulverwaltung von einem Mehrbedarf von insgesamt 1353 Stellen aus. Verbände und Gewerkschaften üben seit langem große Kritik an der Umsetzung der Inklusion. Seit 2015 haben Eltern das Recht, ihr behindertes Kind auch auf die allgemeine Schule zu schicken. Eisenmann sagte, der Anfang sei gemacht. Die Eltern hätten mehr Wahlmöglichkeiten.

Nach Ministeriumsangaben besuchten im Schuljahr 2016/2017 von rund 57 290 betroffenen Schülern etwa 7950 eine allgemeine Schule. Eisenmann legte dem Landtag einen Sachstandsbericht zur Inklusion vor. Die aus ihrer Sicht zentralen Aussagen teilte sie per Pressemitteilung mit.

Zum Beginn des Schulunterrichts nach den Sommerferien hatte es massive Kritik am Stand der Inklusion in Baden-Württemberg gegeben. Die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, hatte die Entwicklung bei der Inklusion als „dramatisch“ bezeichnet. „Die Ressourcen reichen hinten und vorne nicht aus.“

Eisenmann verwies darauf, dass je 200 neue Stellen in den Schuljahren 2015/2016 und 2016/2017 geschaffen worden seien. Im Schuljahr 2017/2018 seien 160 Stellen hinzugekommen. Die Ausbildungskapazitäten an den Pädagogischen Hochschulen seien erhöht worden. Zudem würden Haupt- und Werkrealschullehrer für den Einsatz an sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (Sonderschulen) qualifiziert.

Gewerkschaften und Verbände sehen eine Besetzung mit zwei Pädagogen - einem „normalen“ Lehrer und einem als Sonderpädagogen - als Optimalfall an. Ein GEW-Sprecher erinnerte daran, dass die grün-rote Vorgängerregierung die Doppelbesetzung als Zielvorstellung in ihren Koalitionsvertrag von 2011 geschrieben hatte. Grün-Schwarz sei davon aber abgerückt. Dabei sei allen pädagogischen Profis klar, dass das Zwei-Pädagogen-Prinzip eine Mindestbedingung sei.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hält den Bedarf an sonderpädagogischen Lehrern für viel höher als das Ministerium. VBE-Landeschef Gerhard Brand sagte: „Wenn man Inklusion wirklich gut machen will, dann reicht der genannte Mehrbedarf von 1353 Stellen bis zum Schuljahr 2022/23 nicht aus.“ Der VBE fordert mindestens 2700 Stellen. GEW-Landeschefin Moritz sagte, die Gewerkschaft habe für die Inklusion mittelfristig einen zusätzlichen Bedarf von 4000 Stellen errechnet.

Das nun CDU-geführte Kultusministerium hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass eine Doppelbesetzung an allen Schulen nicht zielführend sei. Sie werde nur dort angewandt, wo es pädagogisch sinnvoll sei. Eisenmann sprach sich am Mittwoch dafür aus, mehrere Kinder mit Förderanspruch gemeinsam in einer Regelklasse zu unterrichten. Die häufig von den Eltern gewünschte Einzelbetreuung sei aus organisatorischen und pädagogischen Gründen nicht sinnvoll.

Die Landesarbeitsgemeinschaft „Gemeinsam leben - gemeinsam lernen“ (LAG) bewertete die Inklusion an den Schulen im Südwesten mit der Note ausreichend, wie Elternberaterin Kirsten Ehrhardt mitteilte. In dem Bericht des Ministeriums fehlten wichtige Aspekte, die die Inklusion behinderten. Ehrhardt beklagte, fast die Hälfte der Schulämter komme ihrer gesetzlichen Beratungspflicht nicht oder nicht angemessen nach. Eltern, die die Inklusion für ihr Kind wollten, würden immer noch in die Sonderschulen gedrängt.

FDP-Bildungsexperte Timm Kern kritisierte, die grün-rote Vorgängerregierung habe die Inklusion hastig eingeführt. „Dass die Ausbildung der Lehrkräfte für eine gelungene Inklusion von der ersten Minute an hinterherhinken musste, war klar.“ Nun würden viele Erwartungen wegen des Lehrermangels enttäuscht.

Landesarbeitsgemeinschaft

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