Weinlese fällt noch schlechter aus als erwartet

Die erste Bilanz zeigt: Winzer in Baden und Wengerter in Württemberg hat es noch schlimmer erwischt als befürchtet. Die Ausfälle durch Wettextreme sind groß.

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Peter Landmann und die ungarische Erntehelferin Mia schütten bei der Weinlese bei Gottenheim (Baden-Württemberg) Trauben der Sorte Müller-Thurgau in einen Bottich.  Foto: 

Auf ein „Jahr mit sehr vielen Problemen“ blickte Hermann Hohl, Präsident des Weinbauverbands Württemberg in Weinsberg, gestern zurück. Die meisten der 14.000 Weingärtner im 11.300 Hektar großen Anbaugebiet hätten unter großen Ausfällen zu leiden. Nach extremen Spätfrösten im April war eine „Katastrophe“ befürchtet worden. Jetzt, da die Lese früher als sonst in vollem Gang ist, zeigten sich „sehr deutliche“ Ernteausfälle: „Es ist noch weniger als erwartet.“ Dabei gebe es große regionale Unterschiede. Selbst um Stuttgart seien die Frostschäden „erheblich“. Haben Wengerter viel höhere Einbußen zu verkraften als andere, sprechen Experten von „Neidherbst“.

Auf etwa 100 Hektar sei der Frost so schlimm gewesen, dass die Reben hätten gerodet werden müssen. Auch der Strukturwandel habe sich beschleunigt: „Die Kleinen geben auf, die Großen übernehmen.“

Hohe Öchsle-Werte

Für das ganze Gebiet geht Hohl von einer Erntemenge von rund 90 Mio. Litern aus. Das wären 25 Mio. Liter weniger als im Vorjahr. Weil weniger Trauben reiften, entwickelte sich das Mostgewicht umso besser. „Die Verbraucher dürfen sich angesichts hoher Öchsle-Werte auf beste Qualitäten freuen“, versicherte Hohl.

Von einem „neidischen Herbst“ sprach auch Peter Wohlfarth. Der Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbands in Freiburg stellte sehr unterschiedliche Mengen in einzelnen Gemeinden fest: „Die Ergebnisse reichen von einer Normalernte bis zu 90 Prozent Ausfall.“ Vom Gutedel hätten nur 40 Kilo je Ar eingebracht werden können, möglich seien 150 Kilogramm: „Das sind sehr große Schäden.“

Besonders gravierend sei die Situation am nördlichen Kaiserstuhl, sagte Wohlfarth. Das Taubertal sei durch den Temperatureinbruch „intensiver geschädigt“ worden, aber dort hätten Frostruten doch „einiges kompensiert“. Beim Rebschnitt lassen vorsichtige Winzer statt zwei lieber drei Ruten stehen, damit sich im Notfall mehr Trauben entwickeln können.Die Qualität sei „gut bis sehr gut“, betonte Wohlfarth. Bei der Menge geht er von knapp 110 Mio.Litern aus, 2016 waren es 20 Mio. Liter mehr. Dank der überdurchschnittlichen Vorjahresmenge bleibe der badische Wein „lieferfähig“.

Agrarminister Peter Hauk (CDU) strebt nicht nur eine steuerfreie Rücklage für den Risikoausgleich an, er will auch die betriebliche Vorsorge gestärkt wissen. Gegen Wetterextreme wie die Spätfröste, „die in ihrer Häufigkeit und Heftigkeit zunehmen“, müssten Beregnung, Beheizung und Belüftung intensiviert werden. Den Winzern sicherte er die Unterstützung der Landesregierung zu: „Man kann die Landwirtschaft nicht allein lassen.“

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