Auch Atomstandort Philippsburg wurde vorsorglich geräumt

|
Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen). Foto: Peter Steffen

Wegen eines unterbrochenen Funkkontakts zu einem Flugzeug im deutschen Luftraum ist am Freitag vor einer Woche auch der Atomstandort Philippsburg vorsorglich geräumt worden. Das bestätigte eine Sprecherin des Betreibers EnBW am Donnerstag. Zuvor hatte der WDR berichtet, dass bundesweit sieben der acht noch in Betrieb befindlichen Meiler und mehrere stillgelegte Kraftwerke von dem „Renegade“-Voralarm betroffen gewesen waren - und damit mehr als bislang angenommen. Auch die AKW-Betreiber RWE und PreussenElektra bestätigten dies dem Sender.

Nach Angaben einer EnBW-Sprecherin wurde der Standort Philippsburg - wie die meisten anderen Anlagen auch - für etwa eine Stunde evakuiert. Wieviele Mitarbeiter davon betroffen waren, wurde zunächst nicht bekannt. Der Standort Neckarwestheim sei nicht evakuiert worden. In Philippsburg gibt es einen stillgelegten älteren Meiler und den in Revision befindlichen jüngeren Kraftwerksblock 2.

Letzterer war kürzlich in den Schlagzeilen: Nach im Dezember entdeckten Mängeln im Notspeisesystem sorgt sich das Stuttgarter Umweltministerium um die Sicherheit von Philippsburg 2 im Fall eines Flugzeugabsturzes oder eines Erdbebens. Die EnBW untersucht derzeit in einer verlängerten Revision die Ursache der Mängel und will den Block Ende März wieder hochfahren. Philippsburg 2 soll bis maximal Ende 2019 Strom produzieren. Der ältere Meiler KKP 1 war schon im Zuge des Atomausstiegs 2011 abgeschaltet worden.

Am vergangenen Freitag war für 22 Minuten der Funkkontakt mit einer Maschine der der Fluglinie Air India unterbrochen. Nach Angaben der Luftwaffe wurde die Maschine im deutschen Luftraum von zwei Eurofightern der Luftwaffe übernommen. In solchen Fällen werde per Sichtkontakt überprüft, dass es keine ungewöhnliche Situation an Bord gibt.

Renegade-Fälle sind solche, in denen möglicherweise ein Luftfahrzeug aus terroristischen oder anderen Motiven als Waffe verwendet werden könnte. Der Alarm war 2003 eingerichtet worden, um den Luftraum vor solchen Bedrohungen zu schützen. Hintergrund sind die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Bei dem Alarm beginnt ein standardisiertes Verfahren. Die Betreiber der Anlagen haben aber einen Ermessensspielraum, wie konkret sie die Gefahr einschätzen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

K.o.-Tropfen: "Finger in den Mund, und spucken Sie es aus"

Immer wieder werden Menschen mit K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt, anschließend vergewaltigt oder ausgeraubt. Dagegen hilft nur Vorsicht, sagt Achim Andratzek. weiter lesen