Walldürner Madonna übersteht Brand

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Als die 22 Feuerwehrleute  gegen 7 Uhr anrückten, schlugen schon Flammen aus dem Dach und dichter Rauch stieg in den Himmel. Die Kapelle über der Lourdesgrotte in Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis) wurde bei dem Brand am Montagmorgen so stark beschädigt, dass Helmut Hotzy von einem Totalschaden ausgeht. Das Mitglied des Stiftungsrates der Kirchengemeinde St. Georg war die wenigen Meter von seiner Wohnung zur Kapelle geeilt.

Der Sachschaden ließ sich am Montag noch nicht wirklich ermessen. Immer wieder gab es unterschiedliche Angaben. Der Wiederaufbau des 1890 gestifteten Gebäudes dürfte wohl 250.000 Euro kosten, wurde zunächst geschätzt. Wenige Stunden später war von 150.000 Euro die Rede. Als das Heilbronner Polizeipräsidium am Nachmittag über den Brand berichtete, wurde wieder von 250.000 Euro ausgegangen. Das Gebälk des Dachstuhls sei vom Feuer so beschädigt worden, dass Einsturzgefahr bestehe, sagte Hotzy.

Unermesslich ist auf jeden Fall der ideelle und kirchenhistorische Verlust. In die Kapelle, nur vier auf fünf Meter groß, sind seit rund 125 Jahren unzählbar ­viele Votivtafeln gebracht worden. Damit baten die Menschen um ­Beistand in schwierigen Situa­tionen.

Ort der Anbetung

Die kleine Kapelle befindet sich am höchsten Punkt des Walldürner Basilika-Areals. Viele der Zehntausenden, die alljährlich in den vier Wochen nach  Trinitatis an den Rand des Odenwalds ­pilgern, suchen auch diesen Ort der Anbetung auf, an dem sich die Einheimischen das ganze Jahr über immer wieder zum Gebet versammeln.

Am Sonntag sei die Familienwallfahrt gut besucht gewesen, erzählte Hotzy. Um die 2500 ­Personen seien es wohl gewesen. Viele hätten auch Kerzen entzündet. Den Brand führt er denn auch auf den Andrang zurück: „Es ist der unglückliche Ablauf der ­Ereignisse durch die stark frequentierte Wallfahrt.“ Dass ein Brandstifter schuld an dem Feuer sein könnte, hält Hotzy für ausgeschlossen. Die Kapelle sei ja ohnedies zwischen 21 Uhr abends und 7 Uhr morgens verschlossen. Die Polizei ließ offiziell wissen, dass die Ermittlungen der Sachverständigen noch andauerten und die Brandursache bisher nicht feststehe.

Hunderte von Votivbildern sind zerstört, die vier Holzbänke ebenso. Aber die verrußte Madonna ist möglicherweise zu retten, hoffen die Mitarbeiterinnen im Pfarrhaus. Auch das wäre ein kleines Wunder. Die Figur ist nach Angaben des erzbischöflichen Bauoberamtsrats Hanno Roters aus Gips.

Wallfahrt nicht gefährdet

Die Wallfahrt ist durch den Brand aber nicht gefährdet. Am Donnerstag wird, wie geplant, der „Große Blutfeiertag“ mit Pontifikalamt und abendlicher Lichterprozession durch die Stadt gefeiert. Am 2. Juli endet die Pilger-Saison mit dem Wallfahrtstag der Heimatvertriebenen, Aussiedler und ausländischen Mitbürger. Insgesamt werden dieses Jahr 50.000 Pilger erwartet. Vor zwanzig Jahren zählte das ­Pfarramt noch 100.000 katholische Gäste im größten Wallfahrtsort des Landes, ein paar ­Jahre davor strömten sogar gut 130.000 Fromme zum „Blutwunder von Walldürn“.

Die Wallfahrt nach Walldürn geht auf einen schusseligen Priester zurück. Heinrich Otto beichtete um 1330 auf dem Sterbebett seine peinliche Panne beim Abendmahl. Den Kelch mit dem Wein habe er umgestoßen. Das „Blut Christi“ sei auf die Unterlage für den Hostienteller geflossen. Auf dem Tuch habe sich das Bild von Jesus Christus am Kreuz abgezeichnet, umgeben von elf dornengekrönten Häuptern. Das „Blutwunder zu Walldürn“ verbreitete sich rasch. Der Strom der Pilger setzte ein. 1445 bestätigte Papst Eugen IV. das Mirakel. hgf

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