Vom Orca zum Fischstäbchen

Quer durch den Bodensee - ohne Neoprenschutzanzug: Der Plan des Extremschwimmers "Orca" Bruno Dobelmann ist gescheitert. "Tiefgekühltes Fischstäbchen" nennt ihn nun sein Manager.

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Vor dem Start in Bodmann wurde Extremschwimmer Bruno Dobelmann dick mit Vaseline eingeschmiert. Der Kälteschutz hat aber nicht ausgereicht. Foto: dpa

64 Kilometer wollte Bruno Dobelmann im Bodensee schwimmen - in 13 Grad kaltem Wasser, ohne Pause, ohne Neoprenanzug, von Bodmann bis Bregenz. Nach fast 28 Kilometer musste er vor Hagnau aufgeben - ebenso wie kurz vor ihm der Schweizer Schwimmer Ernst Bromeis, der den Rhein von den Alpen bis zur Mündung bezwingen wollte.

Für Dobelmann war in der Nacht auf Dienstag wegen Problemen mit Nieren und Blase Schluss. Selbst als die Schmerzen schlimmer wurden, wollte er noch durchhalten. Zähne zusammenbeißen, weiterschwimmen, wie sein Manager Oliver Halder schildert. Doch dann siegt die Vernunft: "Ich höre auf", sagt Dobelmann und schwimmt zum Begleitboot.

"Die Nierenschmerzen waren zu groß", sagt Halder. "Gesundheit geht vor Erfolg." Nach mehr als zwölf Stunden musste Dobelmann frühmorgens um 2.19 Uhr aus dem Wasser. 27,7 Kilometer liegen da hinter dem 53-Jährigen.

Ohne Pause wollte der Schwimmer die 64 Kilometer bewältigen. Auslöser für das Aus sei ein Gewitter am frühen Abend gewesen. "Das Thermometer hat dadurch halbstündig einen Riesensprung nach unten gemacht", sagte Halder. Durch die knapp 50 Zentimeter hohen Wellen habe Dobelmann zudem ständig Wasser geschluckt. "Und was oben reingeht, muss auch irgendwann unten wieder raus." Durch die Kälte hatte sich jedoch die Blasenmuskulatur so verkrampft, dass Dobelmann kein Wasser mehr lassen konnte. "Das drückt auf die Nieren, das sind höllische Schmerzen", sagte sein Manager. Begleitet wurde Dobelmann von dem Mediziner Beat Knechtle aus dem schweizerischen St. Gallen. Die Entscheidung zur Aufgabe habe aber Dobelmann selbst getroffen.

"Aus dem Orca ist ein tiefgekühltes Fischstäbchen geworden", sagte Halder in Anspielung auf Dobelmanns Spitznamen "Orca". Im Boot versuchte das Team, Dobelmann mit Decken und Thermofolien wieder aufzuwärmen. Der Extremschwimmer war nach eigenen Angaben der erste, der sich ohne schützenden Neoprenanzug an die Strecke gewagt hatte. Am Montag war er noch gut gelaunt und voller Zuversicht im Strandbad in Bodmann gestartet. Nach dem Scheitern sei Dobelmann sehr enttäuscht gewesen. "Er hat geflucht wie ein Rohrspatz", sagte Halder. Die Nierenschmerzen hätten inzwischen aber nachgelassen. "Auch psychisch konnten wir ihn wieder aufbauen und ihm klar machen, dass seine Leistung unmenschlich war."

Der Stuttgarter ist bereits der zweite Extremschwimmer, der diesen Monat aufgeben muss: Mitte Mai stoppt der Schweizer Ernst Bromeis ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen seinen Versuch, den Rhein auf seiner ganzen Länge zu durchschwimmen. Der 43-Jährige hatte rund 400 Kilometer der etwa 1230 Kilometer langen Strecke zurückgelegt. Dennoch hält das Scheitern nicht von den Versuchen ab. Dobelmann ist ein erfahrener Langstreckenschwimmer, im Juli 2011 schwamm er nonstop durch den Fehmarnbelt von Deutschland nach Dänemark und zurück. Gut 19 Stunden brauchte er dafür. Den Bodensee-Rekord hat er auch noch nicht aufgegeben: "Wenn sich jemand findet, der ihn sponsert, dann ist er jederzeit wieder bereit, einen neuen Anlauf zu starten", sagt Dobelmanns Manager.

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