Vesperkirchen bieten Mahlzeiten und Begegnungen für Bedürftige

Ein warmes Essen, etwas Zuspruch und Beratung: In vielen Städten laden in den ersten Wochen des Jahres ehrenamtliche Helfer in Vesperkirchen ein. Das schafft Armut nicht ab, setzt aber Zeichen der Hoffnung.

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Ein Mittagsmahl für 1,50 Euro, dazu freundliche Worte, Begegnungen, Seelsorge, vielleicht ein kostenloser Haarschnitt: Hunderte Freiwillige sorgen zu Beginn des Jahres in den baden-württembergischen Vesperkirchen für Bedürftige. Den Anfang machen in diesen Tagen Kirchen in Ulm, Mannheim und Göppingen (Donnerstag). Es folgen weitere Angebote etwa in Karlsruhe, Stuttgart oder Ellwangen. In Giengen (Kreis Heidenheim) startete die Vesperkirche am Neujahrstag. Die Angebote laufen meist mehrere Wochen.

"Die Vesperkirchen können die Armut nicht abschaffen oder die Ungerechtigkeit in der Welt beseitigen", teilten der evangelische Landesbischof Frank Otfried July und der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werkes Württemberg, Dieter Kaufmann, mit. "Aber sie können Hoffnung schenken, Teilhabe ermöglichen und Begegnungen schaffen." Allein in Baden hätten im vergangenen Jahr hunderte Menschen täglich die Angebote der Vesperkirchen angenommen, sagte der für Diakonie verantwortliche Oberkirchenrat Urs Keller. "Die Zahl der Gäste steigt, das Engagement bleibt ungebrochen."

In den vergangenen Jahren hat sich das Angebot an Vesperkirchen in Baden-Württemberg stark ausgeweitet. Mehr als 20-jährige Traditionen bestehen in Stuttgart und Ulm; in Geislingen (Kreis Göppingen) gibt es die Vesperkirche zum elften und in Karlsruhe zum dritten Mal. Premieren feiern dieses Jahr Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) und Singen (Kreis Konstanz).

Vesperkirchen sind in der Evangelischen Kirche Baden-Württembergs verbreitet, werden vereinzelt aber auch in katholischen Gemeinden angeboten. Der Ursprung liegt in der Stuttgarter Leonhardskirche. Inzwischen erreicht die Bewegung auch andere Bundesländer. So gab es 2015 das erste bayerische Angebot in Schweinfurt.

Der Schirmherr der Vesperkirche in Karlsruhe, Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), dankte allen Helfern und rief zur Unterstützung auf. "Das Projekt Vesperkirche ist ein Stück gelebte Nächstenliebe. Sich zu kümmern und für andere zu sorgen, das ist der erste Schritt vom Ich zum Wir und damit ein Gewinn für uns alle."

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