Veganer werben um Wähler: Fleischfrei in den Bundestag

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Gemüse, nichts Tierisches: Veganer haben jetzt eine eigene Partei im Südwesten.  Foto: 

Schwäbisch Hall ist ein Paradies der kulinarischen Fleischeslust. Das Schwäbisch-Hällische Schwein ist hier zuhause. Auch das von Gourmets geschätzte Boeuf de Hohenlohe stammt aus der Region, in der so viele Biobauern produzieren wie nirgendwo. Jetzt wollen Vegetarier und Veganer mit einer eigenen Partei ausgerechnet von Schwäbisch Hall aus das Tierleid schrittweise beenden. „V-Partei³“ heißt die Bewegung, die als drittes Element die „Veränderung“ im Namen führt und „vereint Visionen verwirklichen“ möchte.

Nach der Gründung des Bundesverbandes am 30. April in München, auf der Messe „Veggie-World“, gibt es schon Landesverbände in Bayern, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Kürzlich ist das 600. Mitglied aufgenommen worden. Die allermeisten Mitstreiter sind Veganer. Wer meint, nicht auf Käse oder Kuhmilch verzichten zu können, wird „zum Nachdenken angeregt“.

Gründer mit Weltmeistertitel

Gründer und Kopf der Splitterpartei ist Roland Wegner (41), Kämmerer der Gemeinde Gablingen (4834 Einwohner) bei Augsburg. In der Freizeit schaut er nach den 1000 Büschen seiner Haselnuss-Pflanzung. In der Politik ist er kaum ein Begriff, auch wenn er sich als SPD-Mitglied vergeblich um einen Sitz im Augsburger Stadtrat beworben hat. Beobachter von Extremsportarten und TV-Gucker mit enzyklopädischem Gedächtnis erinnern sich an ihn als Weltmeister im Rückwärtslaufen und Akteur bei „Wetten, dass“ im Sommer 2010.

Nun strebt Wegner in die Parlamente. „Ich will Ideengeber sein“, sagte er der SÜDWEST PRESSE. Auf den Bundesvorsitz erhebe er keinen Anspruch: „Wenn es jemand besser kann, mache ich sofort den Weg frei.“ David Ekwe-Ebobisse, einer der Stellvertreter, kommt für den Wechsel nicht in Frage. Der Rohköstler aus Frankfurt erregte großes Aufsehen, weil er angeblich eine „Gemüsetherapie“ für das einzig wirksame Mittel gegen Krebs hält. „David ist nicht mehr in der Partei“, erklärte Wegner, ohne sich von den kruden Heils­ideen wirklich zu distanzieren.

Politischer Gemischtwarenladen

Das Programm von V³ – nach eigenem Verständnis die „grüneren Grünen“ – gleicht einem Gemischtwarenladen. Schwerpunkt sei die „biovegane Landwirtschaft“, sagte Wegner. Doch die Abschaffung der Zeitumstellung wird ebenso gefordert wie gerechtes Grundeinkommen, Atomausstieg und Kochlehre ohne tierische Produkte. „Wir sind absolut linksorientiert“, behauptet Wegner.

In Baden-Württemberg konnten für diese Ziele bisher 54 Sympathisanten gewonnen werden. Nach Schwäbisch Hall kamen in das Veganer-Restaurant „Quinoa“ zur Gründung des vierten Landesverbandes jene 13 Sympathisanten, die schon zuvor für eines der Ämter ausgeguckt worden waren. Trotz des angeblich weit gespannten Programms sprachen sie vor allem über die Ernährung. Sie wollen „raus aus der Komfortzone“, sie wollen „nicht Probleme verkleinern, sondern Teil der Lösung sein“. Die Führung im Südwesten übernimmt Ingo Eichel (37) aus Schwäbisch Hall. Er ist der Wirt des „Quinoa“, das laut Aushang an der Tür am 17. Dezember geschlossen wird.

Die Herolde von V³ setzen auf eine langfristigere Perspektive. 2017 wollen die organisierten Veganer für den Bundestag kandidieren. 2021 glauben sie, eine so breite Wählerschaft überzeugt zu haben, dass sie auch in den Reichstag einziehen werden.

Parteien traten 2013 zur Bundestagswahl an. Neben CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken beispielsweise auch „Violette“, „Rentner“, „Frauen“, „Rechte“ oder  „Bibeltreue Christen“.

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