Untersuchungsausschuss: Hochschule wirft Professor Falschaussage vor

Ein Ludwigsburger Dozent erhebt im Untersuchungsausschuss „Zulagen“ des Landtags schwere Vorwürfe. Doch treffen sie auch zu? Die Hochschule widerspricht.

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Rund 2700 Studenten hat die Hochschule für Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg.  Foto: 

Dass diese Aussage ein Nachspiel haben würde, war klar: Letzte Woche hörte der Landtags-Untersuchungsausschuss „Zu­lagen“ einen Professor der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg (HVF) als Zeugen. Er berichtete von ungeheuerlichen Zuständen an der Hochschule.

Er sprach der HVF die Wissenschaftlichkeit ab, schilderte Rechtsbrüche, lässige Prüfungen, Manipulationen und mögliche Untreue, weil nur vormittags Vorlesungen stattfänden, während angemietete Räume nachmittags leer stünden. Auch komme es zu Verleumdungen, Mobbing und Spitzel-Aufrufen gegen ihn. Die „Zulagen-Affäre“ die der Ausschuss untersucht, sei nur die Spitze des Eisbergs. Eine andere Professorin beschrieb die Hochschule als schlecht und intransparent geführt, mit beklemmenden Kollegen-Beziehungen. Sie sei unter Druck gesetzt, sogar bedroht worden.

Nun widerspricht die HVF. In einer Pressemitteilung schreibt sie: „Die jüngsten Aussagen einzelner Hochschulmitglieder im Untersuchungsausschuss haben an der Hochschule Betroffenheit und Empörung ausgelöst. Durch die Vorwürfe würden Hochschulleitung, Professorenschaft sowie die Beschäftigten in der Verwaltung diskreditiert. „Auch die Leistungen der erfolgreichen Alumni sowie der Studierenden werden in Abrede gestellt.“ Es folgt eine Liste des Widerspruchs, in der Vorwürfe einzeln zurückgewiesen werden: als „nicht haltbar“, „falsch“, „nicht zutreffend“.

Am Montag waren HVF-Rektor Wolfgang Ernst und die Hochschulratsvorsitzende Gudrun Heute-Bluhm bei Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Deren Sprecherin teilt anschließend mit: „Die Hochschule hat die Vorwürfe intensiv geprüft und gegenüber dem Ministerium schriftlich und im persönlichen Gespräch ausgeräumt.“ Ernst und Heute-Bluhm hätten „überzeugend dargestellt, dass der Professor im Untersuchungsausschuss nicht die Wahrheit gesagt hat“.

Wurde der Ausschuss belogen? Mitglieder reagieren vorsichtig, wollen die Sachlage erst genau prüfen. Die Vorsitzende Sabine Kurtz (CDU) sagt: „Jeder Zeuge wird belehrt, dass er die Wahrheit sagen muss.“ Sie hat einen Landtags­antrag verfasst, um die Punkte zu prüfen. Auch FDP-Obmann Nico Weinmann möchte mit einem Antrag nachforschen: „Ich nehme die Vorwürfe sehr ernst.“ Er habe Prüfungsordnungen der HVF gesichtet. „Da sind einige Punkte ungewöhnlich und klärungsbedürftig.“ Thomas Hentschel (Grüne) warnt: „Nicht jedes Detail, das an einer Hochschule schiefläuft, ist ein Thema für den Ausschuss.“ Sascha Binder (SPD) sagt, auf ihn hätten die Zeugen jedenfalls glaubwürdig gewirkt.

Nach Informationen dieser Zeitung wurde an der HVF für Mittwoch zu einer Dienstbesprechung eingeladen. Anlass sei die aktuelle Medien-Berichterstattung“. Der fragliche Professor soll sich deswegen an den Untersuchungsausschuss gewandt haben. Aus Kreisen der Abgeordneten ist zu hören, er bitte die Parlamentarier um Hilfe – und habe Belege für seine Aussagen angekündigt.

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