Unbeständiger Sommer bringt Stechmückenplage an Rhein und Bodensee  

Der Sommer war im Südwesten bislang vor allem eines: feucht und kühl. Was die Menschen ärgert, freut ausgerechnet die Stechmücken im Land.

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Das nasse und kühle Sommerwetter hat auch in Baden-Württemberg die Stechmücken-Population deutlich steigen lassen. „Im Mai und Juni hat es starke Niederschläge gegeben“, sagte die BUND-Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch. Am Bodensee und Oberrhein sei noch Hochwasser hinzugekommen. Solch feuchte Ecken böten optimale Bedingungen für die Tiere, die selbst in Pfützen ihre Larven ablegen könnten. In den beiden Regionen könne man derzeit schon von einer Plage sprechen, sagte die BUND-Expertin.

Davor warnte auch der Mücken-Experte und Biologe Rainer Bretthauer aus Radolfzell am Bodensee. „Der viele Regen und das Hochwasser haben alle Ablegeorte der Schnake überschwemmt“, sagt er. Zudem seien Senken geflutet worden, wodurch weitere Brutstätten für die Plagegeister entstünden. Nachdem zahlreiche Larven geschlüpft sind, seien nun die erwachsenen Tiere unterwegs. Rund 50 Arten von Stechmücken gebe es in ganz Deutschland, allein am westlichen Bodensee seien es 23.

Dort und in weiteren Teilen Süddeutschlands und der Schweiz wird die Stechmücke auch Schnake genannt – was eigentlich falsch ist, denn die zoologisch als Schnaken definierten, deutlich größeren Tiere stechen gar nicht.

Doch während es am Oberrhein die sogenannte Kabs gibt – die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage – müsse man die Stechmücken am Bodensee schlicht aushalten, sagt Bretthauer, der auch Umwelt- und Klimaschutzbeauftragter der Stadt Radolfzell ist. „Hier sind die Verhältnisse ganz anders als am Oberrhein.“

Die Kabs bekämpft die Larven mit dem biologischen Wirkstoff Bti. Wenn es am Rhein zu einem Hochwasser komme, werde das Wasser jenseits der Dämme hochgedrückt, sagte Bretthauer. In diesen Tümpeln, die nur kurze Zeit existierten, gebe es kaum andere Tierarten neben den Stechmücken, die von dem  Mittel der Kabs geschädigt werden.

Am Bodensee dagegen lebten in den Bereichen, in denen die Schnake häufig auftrete, auch sogenannte Zuckmücken und deren Larven. „Deren Arten reagieren auf Bti sehr empfindlich“, sagte Bretthauer. Wenn sie vernichtet würden, nehme man auch einem Großteil der Fische sowie Vögeln und Fledermäusen die Nahrung. Stattdessen sollte man sich am Bodensee nicht abends bei Dämmerung ans Ufer setzen – da seien die Stechmücken am aktivsten. Zudem helfe weite Kleidung bis zu den Handgelenken und Füßen.

Auch die Zahl der Zecken nimmt in Baden-Württemberg zu. Das habe mit dem nassen Frühling und Sommer aber nichts zu tun, sagt Pilarsky-Grosch. „Das Problem ist eher, dass es insgesamt wärmer wird. Dadurch breitet sich die Zecke aus.“

Mücken mit Migrationshintergrund

An Autobahnraststätten Neben heimischen Stechmücken kommen zunehmend auch fremde Arten nach Deutschland. „Darunter beispielsweise die asiatische Tigermücke, die langsam anfängt, hier heimisch zu werden“, sagt der Leiter des Tübinger Tropeninstituts, Peter G. Kremsner. „Es gibt schon erste Brutstätten entlang der Autobahnraststätten.“ Die Tiere seien unter anderem mit Lastwagen über die Alpen gekommen. „Wenn die Fahrzeuge an der Raststätte halten, setzen sie sich ab.“  Bislang überlebten die fremden Stechmücken den Winter in Deutschland aber nicht. „Wenn das Wetter allerdings weiter milde bleibt, könnten sie auch überwintern“, sagte Kremsner. Das könne möglicherweise auch zu einem Risiko werden: Denn Mücken können Erreger mitbringen, beispielsweise das Dengue-Fieber oder das Chikungunya-Fieber. Die Gefahr sei bislang aber nicht groß.  Die Erreger würden in der Regel von Mücke zu Mensch und umgekehrt übertragen. Ansteckung zwischen Menschen – etwa durch Bluttransfusion oder beim Geschlechtsverkehr – spiele für die Verbreitung kaum eine Rolle.  dpa

Lieber dunkler „Tür zu oder Licht aus.“ Diesen Satz hört man im Sommer oft von Menschen, die Stechmücken nicht in Haus oder Wohnung locken wollen. Dabei werden sie gar nicht vom Licht angezogen, sagt der Biologe und Mücken-Experte Rainer Bretthauer. „Die haben es eigentlich lieber dunkler.“ Die Tiere seien vor allem in der Dämmerung aktiv – wenn die Temperaturen absinken und die Luftfeuchtigkeit noch hoch ist. Licht locke dagegen eher Zuckmücken an: die sind zwar lästig, stechen aber den Menschen nicht, sagt der ehrenamtliche Umwelt- und Klimaschutzbeauftragte der Stadt Radolfzell. Laut Naturschutzbund Schleswig-Holstein sind Zuckmücken die artenreichste Insektenfamilie der Binnengewässer. „Allein in Mitteleuropa sind über 1000 Arten, weltweit über 5000 Arten bekannt“, heißt es bei der Organisation. Um Weibchen anzulocken, bildeten die Männchen oft riesige auf- und niederwogende Tanzschwärme, die aus Millionen Individuen der gleichen Art bestünden. „Zuckmücken werden daher auch gerne Tanzmücken oder Schwarmmücken genannt.“ dpa

Mücken mit Migrationshintergrund

An Autobahnraststätten Neben heimischen Stechmücken kommen zunehmend auch fremde Arten nach Deutschland. „Darunter beispielsweise die asiatische Tigermücke, die langsam anfängt, hier heimisch zu werden“, sagt der Leiter des Tübinger Tropeninstituts, Peter G. Kremsner. „Es gibt schon erste Brutstätten entlang der Autobahnraststätten.“ Die Tiere seien unter anderem mit Lastwagen über die Alpen gekommen. „Wenn die Fahrzeuge an der Raststätte halten, setzen sie sich ab.“  Bislang überlebten die fremden Stechmücken den Winter in Deutschland aber nicht. „Wenn das Wetter allerdings weiter milde bleibt, könnten sie auch überwintern“, sagte Kremsner. Das könne möglicherweise auch zu einem Risiko werden: Denn Mücken können Erreger mitbringen, beispielsweise das Dengue-Fieber oder das Chikungunya-Fieber. Die Gefahr sei bislang aber nicht groß.  Die Erreger würden in der Regel von Mücke zu Mensch und umgekehrt übertragen. Ansteckung zwischen Menschen – etwa durch Bluttransfusion oder beim Geschlechtsverkehr – spiele für die Verbreitung kaum eine Rolle.  dpa

Lieber dunkler „Tür zu oder Licht aus.“ Diesen Satz hört man im Sommer oft von Menschen, die Stechmücken nicht in Haus oder Wohnung locken wollen. Dabei werden sie gar nicht vom Licht angezogen, sagt der Biologe und Mücken-Experte Rainer Bretthauer. „Die haben es eigentlich lieber dunkler.“ Die Tiere seien vor allem in der Dämmerung aktiv – wenn die Temperaturen absinken und die Luftfeuchtigkeit noch hoch ist. Licht locke dagegen eher Zuckmücken an: die sind zwar lästig, stechen aber den Menschen nicht, sagt der ehrenamtliche Umwelt- und Klimaschutzbeauftragte der Stadt Radolfzell. Laut Naturschutzbund Schleswig-Holstein sind Zuckmücken die artenreichste Insektenfamilie der Binnengewässer. „Allein in Mitteleuropa sind über 1000 Arten, weltweit über 5000 Arten bekannt“, heißt es bei der Organisation. Um Weibchen anzulocken, bildeten die Männchen oft riesige auf- und niederwogende Tanzschwärme, die aus Millionen Individuen der gleichen Art bestünden. „Zuckmücken werden daher auch gerne Tanzmücken oder Schwarmmücken genannt.“ dpa

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