Unbegleitete Flüchtlinge als neue Herausforderung für Jugendheime

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Die Erziehungshilfeeinrichtungen im Südwesten müssen sich zunehmend um unbegleitete Flüchtlinge kümmern. „Das ist eine neue Herausforderung“, sagte der stellvertretende Leiter des Landesjugendamtes, Reinhold Grüner. In den 435 Heimen mit 14 750 Plätzen sind derzeit an die 3000 für junge Flüchtlinge vorgesehen. Das lässt die Zahl der Heimkinder hochschnellen: Der Kommunalverband für Jugend und Soziales spricht von einem „starken Anstieg seit 2014 wegen Angeboten für unbegleitete minderjährige Ausländer“.

Das Jugendamt sucht für diese Jugendlichen Pflegefamilien – im Idealfall mit gleichem kulturellen Hintergrund. Davon gebe es aber nicht viele. „Im Moment sind wir noch sehr am Arbeiten“, so Grüner. Neben Sprachschwierigkeiten bereiteten die kulturellen Unterschiede oft Probleme.

Vor dem Hintergrund der Wanderausstellung des Landesarchivs zum Alltag der oft seelisch und körperlich missbrauchten Heimkinder zwischen 1949 und 1975 mahnte er, aus der Vergangenheit zu lernen. Die Schau ist aktuell noch bis zum 30. März im Generallandesarchiv Karlsruhe zu sehen. Heute gebe es keine solch eklatanten Missstände mehr, wie sie in der Ausstellung dokumentiert sind: Dank neuem Kinder- und Jugendhilfegesetz, einer effizienten Heimaufsicht, Meldepflichten, genügend qualifiziertem Personal sowie mit Jugendlichen besetzten Heimbeiräten habe man das Problem im Griff, so Grüner.

Dennoch gibt es heute noch Übergriffe – vor allem von Jugendlichen untereinander. Sobald so etwas bekannt werde, reagiere man mit Verlegungen in andere Heime. Insgesamt sind nach Beobachtung Grüners Kinder heute selbstbewusster als früher. Doch: „Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.“

Etwas über 300 Millionen Euro haben Bund, Länder und Kirchen bundesweit für Menschen bereitgestellt, die von 1949 bis 1975 als Heimkinder Leid und Unrecht erlebt haben. Träger der Fonds-Beratungsstelle in Baden-Württemberg ist der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS-Landesjugendamt). Aus dem Südwesten haben bislang rund 2000 Betroffene Fondsleistungen erhalten.

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