Umweltministerium lässt Abbruchmaterial von Atomkraftwerken auf Mülldeponien zu

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Das Meiste wird auf Mülldeponien entsorgt: Kernkraftwerk in Neckarwestheim.  Foto: 

Den Anlieferungsstopp von Bauschutt aus Atomkraftwerken auf Deponien hat das Umweltministerium jetzt aufgehoben. Von dem Müll, der beim Rückbau der Nu­klearkomplexe anfällt, gehe keine Gefahr aus, teilte der für die Atomaufsicht zuständige Minister Franz Untersteller (Grüne) mit.

Im Sommer hatte Untersteller die Lagerung auf Mülldeponien stoppen lassen, weil Zweifel an der Unbedenklichkeit des Materials aufgekommen waren. Das Öko-Institut musste berechnen, ob eine zusätzliche Gesundheitsgefahr bei einer Nachnutzung des Geländes besteht. In der Strahlenschutzverordnung sei diese Frage bislang nicht ausreichend beantwortet, begründete Untersteller sein Vorgehen. Nun stehe fest, dass die radioaktive Belastung des Bauschutts so gering sei, dass keine Risiken bestünden, wenn die Müllkippen später als Wald oder Acker, als Freizeitanlagen, Wohn- und Industriebebauung oder für Straßen genutzt würden.

Der Minister wertet das Ergebnis als „Beweis der Unbedenklichkeit“. Die radioaktive Belastung liege unter zehn Mikrosievert, also „weit unter der natürlichen Strahlung, der wir alle jeden Tag ausgesetzt sind“. Untersteller: „Es besteht absolut kein Grund zur Sorge.“ Das „freigemessene“ Material – es macht etwa 97 Prozent der AKW-Gesamtmasse aus – falle nicht mehr unter das Atomrecht.

Damit können die beim Abbruch der Atomkraftwerke  anfallenden Stoffe auf die Deponien der jeweiligen Landkreise gebracht werden. Reste des Meilers von Obrigheim von insgesamt 3000 Tonnen werden nach Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) und nach Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis) geschafft. Demontierte Teile des ältesten Reaktors in Neckarwestheim sind demnach für Deponien in den Ludwigsburger Kreisgemeinden Schwieberdingen und Vaihingen-Horrheim bestimmt. Dort hat es in den letzten Wochen erhebliche Bedenken gegeben.

Unterstellers Entscheidung lehnen Anti-Atom-Initiativen strikt ab. Das Prinzip des Freimessens sieht die „Arbeitsgemeinschaft Atomerbe Neckarwestheim“ als untauglich an: „Radioaktivität wird durch Rechentricks nicht harmlos.“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht in der von Untersteller praktizierten Regelung einen Widerspruch zum Strahlenschutzprinzip, wonach „jegliche zusätzliche und vermeidbare Strahlenbelastung zu unterbleiben hat“, erklärte Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch. Mit einem Höchstwert von zehn Mikrosievert sei „kein ausreichender Schutz“ verbunden. Der BUND hält eine Absenkung um das Fünf- bis Zehnfache für unerlässlich.

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