Tödlicher Griff in die Rosen ist ein Unfall V

Ein Rosenzüchter hat sich an einer seiner Pflanzen tödlich verletzt. Für das Oberlandesgericht ist dies ein Unfalltod, die Versicherung muss zahlen.

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Die Beschäftigung mit Rosen gilt gemeinhin als edle Form gepflegten Müßiggangs. Konrad Adenauer hatte seine Freude an diesen "Königinnen der Blumen". Und Baden-Württembergs Ex-CDU-Innenminister Heribert Rech nennt gar die Zucht der Rosen als sein Hobby, weshalb ihm kürzlich der Landesverband der Christdemokraten ein Stämmchen der Sorte "Heidetraum" - sehr pflegeleicht, regenfest, hitzeresistent - geschenkt hat.

Doch derlei Zeitvertreib ist gefährlicher als allgemein bekannt und angenommen. Dies beweist der Fall, der dem Oberlandesgericht Karlsruhe unter dem Aktenzeichen 12 U 12/13 vorlag. Ein Mann hatte sich im September 2010 an einem Stachel so schwer verletzt, dass er daran starb. Zunächst hatte wegen einer Infektion mit Bakterien der Gattung Staphylococcus aureaus der linke Mittelfinger teilweise amputiert werden müssen. Doch der Blumenfreund überlebte wegen einer Blutvergiftung nicht, er starb im April 2011.

Seine Witwe verlangte von der Versicherung jene 15 000 Euro, die ihr nach einem Unfalltod zustanden. Die Assekuranz jedoch wollte nicht zahlen, weil eine Infektion ausdrücklich in den Klauseln ausgeschlossen war - sofern es sich nicht um eine Unfallfolge handelt. Dieser Ansicht schloss sich das Landgericht Karlsruhe an, das Zweifel hatte, ob es sich überhaupt um einen Unfall handelte.

Die Praktiker in der nächsten Instanz verhalfen der Witwe jetzt zu dem Geld, weil sie in der Begegnung mit dem Rosen-Dorn den "klassischen Fall" eines Unfalls erkannten. Definiert sei ein solcher nämlich als "Zusammenstoß mit Sachen", also auch mit stechenden Pflanzenteilen. Es gebe zudem keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass das Opfer in Verletzungsabsicht in den Busch gefasst habe.

Der für das Versicherungsrecht zuständige zwölfte Senat des OLG Karlsruhe hatte sich ausführlich mit der Materie befasst, wie die Urteilsbegründung vermuten lässt. Allerdings haben die Richter offenbar ignoriert, dass Rosen eigentlich keine Dornen haben. Nur Laien, Poeten und Schlagertexter benutzen diesen volkstümlichen Begriff. Botaniker sprechen - trotz des Dornröschens der sprachbildenden Brüder Jacob und Wilhelm Grimm - von einem Stachel.

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