Südwest-SPD feiert Martin Schulz

|
Begeistert gefeiert: Kanzlerkandidat Martin Schulz in Schwäbisch Gmünd.  Foto: 

Auf einem Tisch im Foyer des „Congress-Centrum“ in Schwäbisch Gmünd dreht eine Spielzeugeisenbahn ihre Runden. Ein Schild mit der Aufschrift „In Richtung Kanzleramt“ weist dem „Schulzzug“ den Weg. Wenige Schritte weiter ein Stand mit Wahlkampf-Werbemitteln, das SPD-Schreibset „stabiler“ für 39,80 Euro ist dabei. Dominierend sind aber Artikel rund um Martin Schulz, den SPD-Kanzlerkandidaten.

 Vor dem Saal, in dem sich die Delegierten versammeln, warnt ein Schild, dass der Platz nicht für alle reichen könnte. Niemand kann sich erinnern, so ein Schild schon einmal bei einem SPD-Landesparteitag gesehen zu haben. In der jüngeren Vergangenheit galten die Treffen nicht gerade als vergnügungssteuerpflichtig.

 Drinnen wärmt  SPD-Landeschefin Leni Breymaier die 300 Delegierten und zahlreiche Neugierige für den Auftritt des Hoffnungsträgers auf. Dass sie vor nicht so langer Zeit noch „Bammel“ vor diesem Tag gehabt habe, beginnt Breymaier ihre Rede. Es ist ein Verweis auf den Absturz der SPD bei der Landtagswahl im März 2016  auf desaströse 12,7 Prozent und auf die noch zu Jahresbeginn gestellte Frage, ob die Südwest-SPD statt mit derzeit 20 ab Herbst 2017 vielleicht nur noch mit 15, 14 oder gar 13 Abgeordneten im Deutschen Bundestag vertreten sein wird. Und zugleich ist es eine Erklärung für den befreienden Jubel, der fortan fast jedem Satz folgt.  „Am 24. September muss Schluss sein mit der Ära Merkel“, ruft Breymaier in den Saal, und dass es Zeit sei „für einen Politikwechsel in Deutschland“.

Die Delegierten klatschen, johlen, jubeln. Und sie tun es noch mehr, als SPD-Generalsekretärin Luisa Boos ankündigt, dass „der Moment“ gekommen sei, „auf den wir alle gewartet haben“. Jusos strecken Pappschilder mit dem Slogan „Zeit für Martin“ in die Höhe, die Menge skandiert „Martin, Martin“. Schon beim Einzug in den Saal wird Schulz gefeiert wie ein Popstar.

Auf der Bühne legt der Star des Parteitags gleich los. „Ich trete an, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden!“ Seine Rede dreht sich um soziale Gerechtigkeit, darum, dass sich „der enorme Reichtum des Landes auch in einem Mehr an Lohn für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Landes“ widerspiegeln müsse. Die Rede enthält keine Neuigkeiten, aber sie trifft Nerv, Herz und Seele der Parteibasis. Die Delegierten feiern ihren Martin mit stehenden Ovationen. „Ich habe so eine Stimmung noch nie erlebt“, sagt die Freiburger SPD-Landtagsabgeordnete Gabi Rolland hinterher. Die Aufbruchsstimmung trägt den gesamten Parteitag, bei dem fast ein bisschen in Vergessenheit gerät, dass die Delegierten primär zusammengekommen sind, um die Landesliste für die Bundestagswahl aufzustellen. Der Vorschlag der Findungskommission für die aussichtsreichen Plätze – dank des Schulz-Hypes rechnet der Landesverband nun mit bis zu vier Direktmandaten und insgesamt 25 SPD-Abgeordneten Baden-Württemberg – geht glatt durch.

Breymaier an Nummer eins erhält mit knapp 94 Prozent ein sehr gutes Ergebnis, der auf Nummer sechs gesetzte frühere SPD-Vize-Ministerpräsident Nils Schmid mit 69,6 Prozent eines der schlechtesten. Schmids Wechsel vom Landtag in den Bundestag auf einem sehr guten Listenplatz gefällt nach der Wahlschlappe im März 2016 offenbar nicht allen. Doch das ist nur eine Fußnote eines Parteitags, an dem sich die Südwest-SPD an Martin Schulz und ihren neuen Perspektiven berauscht.

Auf der SPD-Landesliste für die Bundestagswahl im September stehen: 1. Leni Breymaier (Aalen-Heidenheim), 2. Christian Lange (Backnang-Schwäbisch Gmünd), 3. Rita Schwarzelühr-Sutter (Waldshut), 4. Lothar Binding (Heidelberg), 5. Hilde Mattheis (Ulm), 6. Nils Schmid (Nürtingen), 7. Katja Mast (Pforzheim), 8. Martin Gerster (Biberach), 9. Ute Vogt (Stuttgart I), 10. Johannes Fechner (Emmendingen-Lahr), 11. Gabriele Katzmarek (Rastatt), 12. Lars Castellucci (Rhein-Neckar), 13. Heike Baehrens (Göppingen), 14. Martin Rosemann (Tübingen), 15. Saskia Esken (Calw), 16. Josip Juratovic (Heilbronn),  17. Elvira Drobinski-Weiß (Offenburg), 18. Parsa Marvi (Karlsruhe-Stadt), 19. Annette Sawade (Schwäbisch Hall-Hohenlohe), 20. Stefan Rebmann (Mannheim). dpa

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

13.03.2017 07:47 Uhr

Antwort auf „Wie dumm sind eigentlich die Menschen....?”

Herr Brunner, sie haben voll und ganz recht. Aus meiner Sicht wird er nur von den Medien gelobt. In meinem Bekanntenkreis habe ich noch kein gutes Wort gehört.
MEINUGSMACHE DURCH DIE LIEBE PRESSE!!!

Ach ja, SWP ist als Rot-Grünes Blatt ganz vorne.

Antworten Kommentar melden

13.03.2017 07:10 Uhr

Wie dumm sind eigentlich die Menschen....?

Einen Martin Schulz zu hypen der in Würselen als Bürgermeister heilloses Chaos hinterlassen hat. Mit seinem Abgang hatte die Stadt Schulden bis zum gehtnichtmehr - durch ihn und sein Spassbad, dass er gegen alle Interessen durchgesetzt hat.

Jemand der in Brüssel Politik gegen Deutschland machte (Themen Eurobonds z.B.), dubiose Beförderungen in hoch profitable Posten für seine Lakaien.

Ein Abzocker der eine steuerfreie Sitzungspauschale kassiert und das erst auf Nachfrage eingesteht mit einer gewissen Widerwilligkeit.
Ein Jemand der sich als "Mann der kleinen Leute präsentiert, aber in Brüssel einen Stab von 38 Mitarbeitern um sich schaart (Büroleiter, stellvertretende Büroleiter, Assistenten, Berater, vier Pressesprecher, ein Spokesman, Redenschreiber, Terminverwalter, Büroboten und Fahrer. Und ein Kammerdiener)

In Europa hatte er den Spitznamen "AbS" --> "Anyone but Schulz" wenn es um die Mitwikung in Ausschüssen ging. Sein Ruf nichts zu können, nichts zu leisten war selbst im trägen Brüssel legendär. So legendär, dass ein jeder hoffte, nicht mit diesem Menschen zusammenarbeiten zu müssen. Weil er zum einen nix kann, zum anderen nix macht.

Das könnte man jetzt stundenlang so weiterführen - aber der SPD ists egal....

Die dümmsten Kälber (Wähler) wählen ja bekanntlich ihren Schlachter (Martin Schulz, Politiker) selber....

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Auf der Ulmer Bahnhofstraße prallen Welten aufeinander

Bei Regen und Kälte ist nur wenig zu sehen von den unhaltbaren Zuständen, die einige Geschäftsleute auf der Bahnhofstraße beklagen. Doch es gibt sie, auch wenn es derzeit eher entspannt zugeht. weiter lesen