Stuttgarter Szene vom 5. Februar 2016

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Im Herzen Saarländer

Nicht nur Bayern-König Horst Seehofer macht Außenpolitik (mit Putin in Russland), sondern auch Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller. Der Chef des Gartenbauvereins in seinem saarländischen Heimatdorf Ensheim hatte sich bei ihm über den schlechten Zustand der vereinseigenen Brennerei beklagt. Prompt reichte Untersteller die Beschwerde anlässlich einer Umweltministerkonferenz an seinen Saarbrücker Amtsbruder Reinhold Jost weiter. Der meldete wenig später Vollzug: 20 000 Euro habe sein Haus locker gemacht für die Sanierung der kleinen Schnapsfabrik. Denn Schnaps spielt eine starke Rolle in der "Ensemmer Faasenachd": Traditionell zieht Untersteller auch dieses Wochenende als "Aldi" um die Häuser, als schnapsheischendes Tratschweib mit sonnenblumenverzierter Nachttischlampe auf dem Haupt. Wenn er danach wieder nüchtern ist, trifft er sich am Fasnetsdienstag mit Reinhold Jost - mutmaßlich nicht nur, um die gemeinsame Rettung der Dorfbrennerei zu begießen.

Kamelle und Politik

Wo trifft sich das FDP-affine Publikum aus dem Remstal am liebsten? Natürlich im "Hirsch" in Grunbach. In dem Gasthof ging schließlich Reinhold Maier ein und aus. Und der war nicht nur der erste Ministerpräsident Baden-Württembergs, sondern auch der einzige bundesweit der FDP. Eine Gedenktafel am Haus und eine Gedenkecke drinnen sind dem Liberalen gewidmet, auf den auch der Name des Haus-Trollingers - "Schwarzer Peter" - zurückgeht. Am Samstag hatte der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner deshalb einen seiner 143 Wahlkampftermine im Land in den rappelvollen Hirschen verlegt. Bei aller politischen Geneigtheit, festgemacht am vielfachen Szenenbeifall, gelang es ihm, die 130 Zuhörer kurzfristig zu verstören. "Wer von Ihnen ist schon mal auf einem Rosenmontagswagen mitgefahren?", wollte der konfessionslose Ober-Liberale vom, wie im Remstal unterstellt werden darf, mehrheitlich pietistischen und damit fastnachtsfernen Publikum wissen. Schweigen. Lindner berichtete von seinem "traumatischen" Erlebnis einer solchen Fahrt. Zunächst habe er die in Köln Kamelle genannten Bonbons so geworfen, dass sie hätten gefangen werden können. "Verständnislose Gesichter" hätten ihn angeblickt. Dann habe er eine Handvoll geworfen, drei Viertel landeten auf dem Boden, die Freude hielt sich in Grenzen. "Jubel" habe er erst ausgelöst, als er den ganzen Karton ausgeleert habe: "Das ist die Methode Große Koalition." Da hatte der Redner sein Publikum wieder.

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