Stuttgarter Szene vom 22. Januar 2016

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FDP-Landeschef Michael Theurer darf seinen Hutsimpel-Preis mehrmals vergeben.  Foto: 

Journalistenpreis I

Beim Presseabend, der dem jüngsten CDU-Bundesparteitag in Karlsruhe vorgeschaltet war, hatte Baden-Württembergs CDU-Landeschef Thomas Strobl einen "Journalistenpreis" der besonderen Art ausgelobt: Der Heilbronner Bundestagsabgeordnete versprach den aus der ganzen Republik angereisten Journalisten launig ein "Weinpräsent" aus Württemberg, sollten sie in ihrer Berichterstattung das schwäbische Wort "Muggeseggele" unterbringen. Nachdem es zunächst so ausgesehen hatte, als ob niemand die Herausforderung annehmen wolle, sich dem Fortpflanzungsapparat der männlichen Stubenfliege schreiberisch zu nähern, bewarb sich dann "Zeit"-Autor Peter Dausend offensiv um das Präsent. Unter der bereits preiswürdigen Überschrift "Muggeseggele" erklärte er seinen Lesern, dass die Bezeichnung für das Geschlechtsorgan der Stubenfliege im alemannischen Dialekt auch eine scherzhafte Maßeinheit für Länge, Gewicht, Volumen oder Zeit sei und so viel wie "sehr klein" bedeute. Mit einer simplen Erklärung wollte es Dausend indes nicht bewenden lassen. Er äußerte vielmehr noch spezielle Weinwünsche ("Riesling wäre nett, Herr Strobl!") und drehte die Geschichte ins Politische. Sicher sei, schloss er seine Glosse: "Verliert die CDU die Wahl im März, bleibt Strobl nur noch ein muggeseggele Zeit im Amt." Der CDU-Landeschef nahm's sportlich: Dem Autor ließ Strobl Grauen Burgunder und Riesling zukommen.

Journalistenpreis II

FDP-Landeschef Michael Theurer veranlasste das Beispiel, auf dem jüngsten Parteitag der Liberalen ebenfalls scherzhaft einen Preis auszuloben: Den sollte erhalten, wer den Satz "Es isch die Wirtschaft, Du Hutsimpel!", den Theurer in Anlehnung an einen Slogan des Ex-US-Präsidenten Bill Clinton in seiner Rede platziert hatte, in seinem Bericht unterbringe. Der Spruch erschien gleich in mehreren Publikationen. Nicht, weil die Reporter auf den Hutsimpel-Preis aus gewesen wären - Schlitzohr Theurer hatte das Präsent gar nicht näher benannt. Der Satz war schlicht zu lautmalerisch, um unterschlagen zu werden. Nun steht Theurer vor der Wahl, an wen der Preis gehen und wie er aussehen soll.

Kein Journalistenpreis

EU-Kommissar Günther Oettinger hat angekündigt, er werde "irgendwann" seine Memoiren schreiben. Journalisten, die ihn während seiner Zeit als Ministerpräsident beobachtet haben, dürfen sehr gespannt sein: Er hat nie verhehlt, dass er die mediale Darstellung seiner Arbeit und Person selten preisverdächtig fand.

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