Stuttgart ruft ersten Feinstaub-Alarm aus

Tausende Pendler sollen heute in Stuttgart ihr Auto stehen lassen: Es gilt erstmals Feinstaub-Alarm. Die Skepsis, ob die Maßnahme fruchtet, ist groß.

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Premiere für den neuen Feinstaub-Alarm in Stuttgart: Zum ersten Mal ruft die Landeshauptstadt ihre Bürger auf, freiwillig auf ihr Auto zu verzichten. Die Bevölkerung wird auf Hinweistafeln an Straßen, auf Brückenbannern und über Verkehrsmeldungen im Radio informiert. Bürger sollen auch zusätzliche Holzöfen - sogenannte Komfort-Kamine - nicht anfeuern. Zudem gibt es Vergünstigungen für den Öffentlichen Nahverkehr.

Stuttgart setzt als erste deutsche Großstadt auf diesen Weg, um gegen die hohe Schadstoffbelastung vorzugehen. Nirgends sonst gilt die Luft als so stark belastet, was vor allem an der Kessellage liegt. Das Neckartor in Stuttgarts Innenstadt gilt als der am meisten durch Feinstaub belastete Ort Deutschlands, regelmäßig werden Grenzwerte überschritten. Laut Verkehrsministerium fahren an dem Verkehrsknotenpunkt täglich etwa 71.300 Fahrzeuge vorbei. Seit Jahren ringen Stadt und Land um Lösungen zur Verringerung der Luftverschmutzung, auch die EU macht Druck. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) appellierte an die Bürger: "Lassen Sie Ihr Auto an den Alarmtagen möglichst stehen."

Aus Sicht einer Bürgerinitiative ist der Feinstaub-Alarm "eine reine Scheinveranstaltung". So lange das Ganze ohne Konsequenzen für die Autofahrer bleibe, sei es im Grunde ein "absurdes Schauspiel", sagte Peter Erben von der Initiative Neckartor. Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) rechnet nicht mit spürbaren Effekten. "Ich glaube nicht, dass sich viele Bürger nach den Aufrufen freiwillig verabschieden werden vom Auto", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Er hält vielmehr Fahrverbote für notwendig. Die DUH hat zudem eine Klage gegen Stuttgart aber auch andere Städte angestrengt, um diese zu konkreten Schritten gegen die Luftverschmutzung zu zwingen. Resch warf der Stadt auch vor, sie berücksichtige hier die Interessen der Autohersteller.

Die Stadt stützt sich beim Feinstaub-Alarm auf Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Es gilt in Stuttgart mindestens bis Mittwoch, wann er endet, ist unklar. Nach einer Einschätzung des DWD könnte der erste Feinstaub-Alarm gleich eine ganze Woche dauern. Die Entwicklung der Wetterlage deute nicht auf ein baldiges Ende des Alarms hin, sagte der Meteorologe Christian Kronfeldner.

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