Studie: Südwesten hinkt bei Ganztag und Inklusion hinterher

Baden-Württemberg schafft es nicht, den Rückstand bei der Ganztagsschule aufzuholen. Bei der Inklusion rutscht das Land sogar weiter ab – zwei Erkenntnisse einer neuen Bildungsstudie.

|
Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.  Foto: 

Es ist noch immer ein solides Zeugnis, das die Vergleichsstudie „Chancenspiegel Bildung“ dem baden-württembergischen Bildungssystem ausstellt – allerdings auch eines, das Schwächen klar benennt. So gelinge es dem Südwesten nicht, den großen Rückstand bei der Ganztagsschule aufzuholen. „Der Anteil an Ganztagsschulen im Land steigt im Vergleich zu anderen Ländern nur gering an“, heißt es in der Untersuchung, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Damit bleibe das Land in der Gruppe der Schlusslichter. So waren im Untersuchungsjahr 2014/15 nur 21,4 Prozent der Schüler im Ganztagsbetrieb; im Bundesschnitt sind es 37,3.

Abgerutscht ist der Südwesten beim Thema Inklusion: Hier sei das Land aus dem Mittelfeld der Länder nach hinten durchgereicht worden. Zwar besuchten zunehmend mehr behinderte Kinder eine Regelschule, in anderen Ländern gehe dieser Fortschritt aber deutlich schneller. Allerdings wird wegen des bundesweit einzigartigen Förderschul-Systems aus baden-württembergischer Sicht die simple Vergleichbarkeit stets angezweifelt.

Positiv bewertet wird in der Vergleichsstudie die „Durchlässigkeit“ des Systems im Südwesten. Das Land habe bundesweit eine der höchsten Übertrittsquoten ans Gymnasium, auch die „Wiederholerquote“ bleibt niedrig. Sehr gute 58,1 Prozent der Schüler erreichen die Hochschulreife – hier spielt vor allem das berufliche Schulwesen eine große Rolle. Dagegen verlassen nur rund 5 Prozent der Kinder die Schule ganz ohne Abschluss (bundesweit 5,8 Prozent). Bei ausländischen Kindern liegt der Wert bei 11,1 Prozent (bundesweit 12,9).

Der „Chancenspiegel“ wird seit 2002 von der Bertelsmann-Stiftung, der TU Dortmund und der Universität Jena erstellt. Die Initiatoren der Studie lobten allgemein Fortschrittein Deutschland. Es gebe aber riesige Unterschiede zwischen den Ländern. „In den neunten Klassen von Bremen und Sachsen gibt es zum Beispiel einen Unterschied von mehr als drei Lernjahren beim Lesen und Rechnen“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Innenstadthandel klagt über Gewalt und Drogen

Bei Regen und Kälte ist nur wenig zu sehen von den unhaltbaren Zuständen, die einige Geschäftsleute auf der Bahnhofstraße beklagen. Doch es gibt sie, auch wenn es derzeit eher entspannt zugeht. weiter lesen