Streit ums Bargeld

Geht es nach dem Finanzministerium, dürfen in Zukunft Beträge von mehr als 5000 Euro nicht mehr bar bezahlt werden. In anderen Ländern ist ein solches Limit bereits gang und gäbe. Über den Sinn und Unsinn eines Verbots.

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Münzen und Scheine erfreuen sich hierzulande größter Beliebtheit – dabei spricht vieles für die Kreditkarte.


Vorteil: Zuverlässiger als jede Kreditkarte

Bargeld ist beliebt
Die Deutschen hängen am Bargeld: In vier von fünf Fällen bezahlen sie immer noch bar. Insbesondere bei Gebrauchtwagen und Schmuck ist dies auch bei größerem Summen üblich. 58 Prozent der Bundesbürger sind dagegen, dass größere Beträge nicht mehr bar bezahlt werden dürfen, ergab eine Umfrage des Bankenverbands. Eine vollständige Abschaffung des Bargelds lehnen sogar 91 Prozent ab.

Auf Bares kann man sich verlassen
Das Bezahlen mit Bargeld funktioniert immer, unabhängig von Datenleitungen oder mobilem Empfang, ohne die bei bargeldlosen Transaktionen gar nichts läuft. Es ist nicht anfällig für Hackerangriffe. Fällt das elektronische Banking aus, ist die ganze Volkswirtschaft gefährdet.

Scheine sind übersichtlicher
Wer bar bezahlt, hat mehr Übersicht über seine Ausgaben. Beim Bezahlen mit Karte verliert sie mancher und gibt mehr aus, als er sich leisten kann. Zudem sind die langen Abrechnungen schwer auf Fehler zu überprüfen.

Man kennt sich
Psychologie ist die halbe Miete: Viele haben für Bargeld, das sie in der Hand halten können, ein ganz anderes Gefühl als für anonymes Plastikgeld, mit dem sich gerade ältere Menschen schwer tun, angefangen beim Merken der PIN.

Optimaler Datenschutz
Nur bei Bargeld ist gesichert, dass keiner erfährt, was bezahlt wurde. Nur so kann der Opa seinem Enkel einen Zehner zustecken, ohne dass es die Eltern erfahren. Banken dürfen zwar ihre Zahlungsdaten nur zweckgebunden nutzen. Aber es gibt auch Bezahlarten, bei denen das anders ist, vom Datenmissbrauch ganz abgesehen.

Jeder Cent ein Stück Freiheit
Jeder kann mit seinem Geld machen, was er will. Ex-Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier hält Beschränkungen von Bargeldzahlungen für „nicht gerechtfertigte Eingriffe in Freiheitsrechte, nämlich in die Vertragsfreiheit und die Privatautonomie“.

Eine sichere Wertanlage
Bargeld kann nicht durch negative Zinsen an Wert verlieren, wie sie die Europäische Zentralbank (EZB) von Banken fordert, die Geld bei ihr anlegen. Noch trifft das keine Privatleute.


Nachteile:Banknoten sind des Kriminellen bester Freund

Die Währung des Verbrechens
Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erhofft sich von einer Obergrenze für Zahlungen mit Bargeld einen Schlag gegen die Finanzierung von Terrorismus und gegen Geldwäsche. Allein in Deutschland sollen mehr als 100 Milliarden Euro im Jahr „gewaschen“ werden, etwa durch Wohnungskäufe, Kunst oder Restaurants. Ein Bargeld-Limit würde dieses Problem zwar nicht aus der Welt räumen, könnte es aber zumindest reduzieren.

Schwarzgeld ist meistens Bargeld
Ob Handwerkerrechnungen oder Mitarbeiter – noch immer wird vieles mit Schwarzgeld bezahlt. Dem Staat entgehen dadurch viele Milliarden an Steuereinnahmen. Ob eine Obergrenze viel hilft, da sind sich die Experten nicht einig: Politiker setzen fest darauf, schließlich kann der Handwerker sein schwarz verdientes Geld schwerer ausgeben. Der Schattenwirtschafts-Experte Friedrich Schneider von der Universität Linz rechnet bei einer Grenze von 5000 Euro hingegen nur mit einem minimalen Rückgang um ein Prozent.

Nur für Reiche

Die meisten Bürger würden eine Obergrenze für Barzahlungen gar nicht spüren, weil sie nur äußerst selten so viel Bargeld haben, argumentieren Befürworter. Mal ehrlich: Wann hatten Sie zuletzt 5000 Euro im Portemonnaie? Ein Limit träfe eher Unternehmen, denen so das laufende Geschäft erschwert wird.

Plastik macht die Welt sicherer
Wo es kein Bargeld mehr gibt, kann es auch keines mehr gestohlen werden. Das klingt trivial, ist aber zentral: Viele Verbrechen bedingen Bargeld. Erpressungen, Entführungen und Banküberfälle sind ohne Geldscheine kaum vorstellbar.

Münzen sind teuer
Scheine müssen gedruckt, Münzen geprägt und beides muss dann in die Geschäfte transportiert werden. Das kostet Banken und Händler viel Geld, was letztlich auf die Verbraucher umgelegt wird. Das Bezahlen mit Karte ist für alle günstiger.

Macht alles kaputt
Bargeld beult Hosentaschen aus und ruiniert sie häufig. Plastikgeld hingegen ist recht einfach zu handhaben. In skandinavischen Ländern wird deshalb schon heute kaum noch bar bezahlt. Und das ganz ohne Obergrenze. 


Weiterer Artikel: Paris hat die Zahlungsmöglichkeiten bereits drastisch eingeschränkt

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