Strandbad Eriskirch: EU-Vorschriften verbieten Sprung in Bodensee

Wo das Wasser verschmutzt ist, sollen Badeverbote die Schwimmer schützen. Das Strandbad Eriskirch ist sauber. Trotzdem gilt ein Verbot.

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Rein ins Wasser? Am Strandbad von Eriskirch gilt ein Badeverbot. Wegen überholter Grenzwertüberschreitungen. Steg.  Foto: 

Vor zwei Wochen schon waren die Wassertester vom Landratsamt im Urlaubsort Eriskirch, haben Proben im Bodensee-Strandbad gezogen. Ergebnis: Wasserqualität tadellos, Belastung mit Enterokokken und Kolibakterien unter der Nachweisgrenze. Nur  17,1 Grad Wassertemperatur waren  noch nicht ganz  badetauglich. Alles klar also für den Start in die Badesaison, wenn jetzt der Sommer kommt? Nein. Am Strandbad  gilt ein Badeverbot – trotz guter Wasserwerte. „Die rechtliche Lage ist so“, sagt Markus Spieth, Bürgermeister von Eriskirch. „In den letzten drei, vier Jahren hatten wir vereinzelt schlechte Werte, deshalb das Verbot.“

Die EU-Vorschriften lassen Kommunen keine Wahl: Beim Beurteilen der Badegewässerqualität zählen nicht mehr wie früher nur Verschmutzungen aus dem Vorjahr, sondern alle Kontrollergebnisse über vier Jahre. Waren die Werte zu hoch, bleiben Badegäste eine ganze Saison über ausgesperrt. Gemessen wird weiter. Zeigt sich dabei, dass das Wasser sauber ist, hilft das aktuell nicht. Das „Mangelhaft“ bleibt – und auch das Verbot.

„Das ist natürlich keine gute Werbung und tut uns weh“, sagt Bürgermeister Spieth. 15 Jahre lang hatte es im Eriskircher Strandbad immer wieder einzelne Badeverbote gegeben. Schuld hat die Schussen, die bei Eriskirch in den Bodensee mündet. Regnet es flussaufwärts stark, landet trotz der Kläranlagen manchmal zu viel Dreck in der Schussen und damit im Eriskircher Bodenseewasser. Das war in den 1970er Jahren viel extremer, seither hat sich viel getan mit Kläranlagenausbau und besserer Reinigung. Mit dem Schussenausbauprogramm sei schon viel erreicht worden in Sachen sauberes Wasser, sagt Spieth. Abgeschlossen ist es noch nicht. Aber je mehr es vorankomme, desto besser seien die Chancen, endgültig das Badeverbot loszuwerden.

Gemeinsam mit dem Institut für Seenforschung im benachbarten Langenargen hat Eriskirch ein Warnsystem für sein Strandbad entwickelt, das 15 Jahre lang Badegäste vor Verunreinigungen geschützt hat: Das Institut beobachtete im Wasser bestimmte Parameter und konnte so rechtzeitig warnen, wenn eine Schmutzflut in der Schussen zu befürchten war. Dann galt vorsichtshalber 48 Stunden ein Badeverbot im Strandbad.  „Das hat sehr gut funktioniert, und unsere Badegäste waren immer sicher“, sagt Rathauschef Spieth. Gemeinde und Landratsamt hätten es gern weiter so gemacht. Verschärfte EU-Richtlinien haben aber diese Pläne durchkreuzt.

Das Regierungspräsidium Stuttgart, zu dem das zuständige Landesgesundheitsamt gehört,  bestätigt: „Das Badeverbot musste wegen mehrerer mangelhafter Einstufungen in den vergangenen Jahren verhängt werden“, sagt Sprecherin Katja Lumpp. Badestellen werden Lumpp zufolge nach EU-Recht und damit auch nach der Badegewässerverordnung des Landes über vier Jahre hinweg anhand von zwei mikrobiologischen Parametern  beurteilt. Deshalb wirkten sich nun auch Einstufungen aus den Vorjahren aus.

An offiziellen Badestellen wird regelmäßig die Belastung des Wassers mit Kolibakterien und Enterokokken kontrolliert. Das sind eigentlich harmlose Bakterien, die im Darm von Mensch und Tier vorkommen und mit fäkalbelastetem Abwasser in Flüsse und Seen gelangen. Je nach Grenzwertüberschreitung gibt es fürs Gewässer Noten: von ausgezeichneter Qualität über gute bis ausreichende Qualität – oder eben ein „Mangelhaft“.  Mehr als 300 geprüfte Badestellen gibt es im Südwesten, drei erreichen die Anforderungen nicht. Die rote Karte gab es in diesem Jahr für Eriskirch, die Kocherbadebucht in Künzelsau und den Finsterroter See bei Wüstenrot im Landkreis Heilbronn.

„Wir hoffen, dass wir 2017 das Strandbad-Badeverbot aufheben können“, sagt Bürgermeister Spieth in Eriskirch. Wenn die Messwerte diesen Sommer über im grünen Bereich bleiben, kann das klappen. Der Schussenausbau geht weiter, das Flusswasser aus Richtung Ravensburg dürfte damit noch sauberer werden. „Geplant ist, die Badestelle zum Start der nächsten Badesaison neu zu bewerten, weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität vorausgesetzt“, sagt RP-Sprecherin Katja Lumpp.

Immerhin kann Eriskirch seinen Badegästen auch mit Badeverbot im Bodensee  etwas bieten: 50-Meter-Becken, Sprungturm, Kinderbecken, Liegewiese und Restaurant. Und wenn wagemutige Badegäste einfach in den See direkt daneben springen? „Das ist verboten, wir weisen auch darauf hin“, sagt der Bürgermeister. „Aber das sind alles erwachsene Menschen. Und die Polizei  hat sicher genug andere Arbeit, als das Badeverbot bei uns im Strandbad durchzusetzen.“    

Kontrollen an 300 Badestellen

Vorschriften An offiziellen Badestellen wird EU-weit regelmäßig die Belastung des Wassers mit Kolibakterien und Enterokokken kontrolliert. Das sind Bakterien, die im Darm von Mensch und Tier vorkommen und mit fäkalbelastetem Abwasser in Flüsse und Seen gelangen. Je nach Grenzwertüberschreitung gibt es fürs Gewässer dann Noten: von ausgezeichneter Qualität über gute bis ausreichende Qualität – oder eben ein „Mangelhaft“.  Mehr als 300 geprüfte Badestellen gibt es in Baden-Württemberg, drei erreichen aktuell die Anforderungen nicht. Die rote Karte gab es in diesem Jahr für Eriskirch, die Kocherbadebucht in Künzelsau und den Finsterroter See bei Wüstenrot im Landkreis Heilbronn.aw

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