Störchin Adele kam nur bis Spanien

Wenn die Störche zurückkehren, dann ist der Frühling da: Das gilt nicht mehr. Denn so mancher Storch fliegt gar nicht oder nicht weit nach Süden. Statt Afrika kann auch mal Spanien als Winterdomizil dienen.

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Nicht alle Störche verlassen heutzutage im Winter Deutschland.  Foto: 

Gustav und Michael sind unterwegs. Gustav kommt nicht schnell voran, in drei Tagen schaffte er gerademal 190 Kilometer und musste mitten in der Wüste übernachten. Michael hingegen legte sage und schreibe 200 Kilometer pro Tag zurück. Er schien den direkten Weg über die Nubische Wüste zu nehmen, doch dort war es ihm vermutlich zu windig: Mittlerweile ist er östlich Richtung Sudan abgebogen. Michael und Gustav sind zwei mit Sendern ausgestattete Weißstörche. Auf dem Nabu-Blog "Störche auf Reisen" kann jeder ihren aktuellen Weg aus Afrika zurück nach Europa verfolgen. Der Nabu-Storchenexperte Kai-Michael Thomsen freut sich: "Unsere Senderstörche sind rechtzeitig unterwegs! Wenn das Wetter auf der Heimreise mitspielt, sind sie Anfang April auf ihren Nestern."

Auch Ronja und Adele tragen solche Spezial-Sender. Deshalb wissen die Vogelexperten vom Nabu: Die beiden Storchendamen sind gar nicht bis nach Afrika geflogen, sondern haben den Winter in Spanien verbracht. Manch andere Weißstörche sind vor der Kälte sogar nur in die nahe Umgebung geflüchtet und bereits schon wieder zurückgekehrt. In den vergangenen Tagen wurden die ersten Weißstörche gesichtet - etwa in Oberschwaben, am Bodensee und am Oberrhein. "Diese Vögel haben als so genannte Winterflüchter die bei uns sehr kalten Tage vermutlich im milden Elsass verbracht und sind gar nicht erst nach Afrika gezogen", sagt Daniel Schmidt-Rothmund vom NABU-Vogelschutzzentrum in Mössingen.

Lange Zeit galten Störche als Frühlingsboten. Mittlerweile ist die Rückkehr der Weißstörche kein Anzeichen mehr für die nahende wärmere Jahreszeit, einige Tiere sind bereits ab Mitte Februar zu beobachten. "Die Vögel, die derzeit ankommen, versuchen die besten Brutplätze zuerst zu besetzen. Sie sind jetzt allerdings mitten in die bei uns ungünstige Witterung hineingeflogen", sagt Schmidt-Rothmund. Weißstörche können bis zu einer Woche ohne Nahrung auskommen, sodass sie das kalte Wetter problemlos aushalten.

Das gleiche gilt für die vielen ohnehin im Land überwinternden Störche, die sich derzeit von Mäusen und kleinen Fischen ernähren. "Es kommt aber auch immer wieder vor, dass Störche hier bleiben, weil sie gefüttert werden", sagt Schmidt-Rothmund. Wie andere Fachleute auch sieht er diese Entwicklung kritisch. Mit Artenschutz habe solche Fütterung nichts zu tun.

Die Mehrzahl der Weißstörche erwarten die Vogelexperten erst im März und April zurück. Während Ronja offenbar noch ein paar Tage länger in Spanien bleiben will, ist Adele am Mittwochmorgen zu ihrer Rückreise aufgebrochen. Bereits nach dem ersten Tag und einer 230 Kilometer langen Flugstrecke legte sie einen Zwischenstopp in der Nähe des spanischen Städtchens Alfaro ein, das bekannt ist als die größte Storchenkolonie weltweit.

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