Startschuss für den Bau des Fildertunnels - TüLay Schmid ist Patin

Es ist eine Frage der Ehre: Nach Gerlinde Kretschmann ist nun auch Tülay Schmid, die Ehefrau von Kretschmanns Stellvertreter, Patin eines in mehrfacher Hinsicht symbolträchtigen Tunnels rund um Stuttgart 21.

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Taufe des Fildertunnels, Gegner des Bahnprojektes S 21: Nach der Fertigstellung dauert die 9,5-Kilometer-Fahrt zum Hauptbahnhof acht Minuten.  Foto: 

Großer Bahnhof am Einstieg zur Unterwelt: Seit Donnerstag wird unweit des Stuttgarter Flughafens am Fildertunnel gebohrt, dem Verbindungsglied zwischen der Neubaustrecke nach Ulm und dem neuen Bahnknoten in und unter der Landeshauptstadt. Tunnelpatin ist Tülay Schmid, die Frau des Finanz- und Wirtschaftsministers Nils Schmid. Komplikationen beim Bau des künftig drittlängsten deutschen Bahntunnels sind dadurch mutmaßlich ausgeschlossen: "Wenn etwas den Segen meiner Frau hat, dann läuft das!", meint der Ehemann.

Frau Schmid musste nicht erst überzeugt werden, freut sich wiederum Bahnchef Rüdiger Grube, "für sie war es eine Ehrensache." Das liegt, sagt Tülay Schmid, wohl auch an der Herkunft der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Mineure, deren irdische Stellvertreterin sie seit gestern ist. Barbara stammt aus Nikomedien, dem heutigen Ismet, der Heimatstadt von Tülays Vater. Und das sei ja wohl "ein Augenzwinkern der Götter".

Die haben kräftig auch im Stuttgarter Rathaus gezwinkert: Nicht nur der Ex-Schultes (und S-21-Befürworter) Wolfgang Schuster kam zur Tunneltaufe, sondern auch Fritz Kuhn. Der Nachfolger (und S-21-Kritiker) zeigte sich auf Annäherungskurs und überhaupt erstmals auf einer Baustelle des Milliardenprojektes. Kuhn erinnerte an die deutliche Mehrheit für S 21 in der Bevölkerung und warnte Hardcore-Gegner: "Wenn die Mehrheit nicht mehr gilt, gefährden wir die Essenz der Demokratie." Das sehen denn auch immer mehr Menschen so, auch die Grünen-Fraktionschefin Edith Sitzmann, die die Riege der komplett vertretenen Landtagsparteien vervollständigte. Nur ein paar Dutzend Krakeeler versuchten, fernab vom abgesperrten Tunnelportal mit einer Tröte die Feier zu stören.

Die Szene freute besonders Martin Herrenknecht, der die 120 Meter lange, 2000 Tonnen schwere Bohrmaschine geliefert hat. "So langsam gewöhne ich mich dran", sagte der christdemokratische Unternehmer verschmitzt, als er auf den in grüner Farbe lackierten Bohrkopf angesprochen wurde. Sein Tunnelbohrer frisst sich in den kommenden Jahren gleich zweimal durch den Berg: Zunächst neuneinhalb Kilometer talabwärts 150 Meter tiefer zum neuen Hauptbahnhof. Dann wird sie, ebenfalls unter der Erde, gewendet und fährt wieder aus dem Talkessel heraus Richtung Flughafen. Das kostet etwa 700 Millionen Euro und dauert vier bis fünf Jahre.

Bahnchef Rüdiger Grube versichert, damit sei man sowohl im Zeit- als auch im Kostenplan des knapp sechs Milliarden teuren Gesamtvorhabens. Später kauft Herrenknecht den Bohrer zurück und recycelt ihn, er taugt dann noch für ein paar weitere Kilometer Tunnelbau. Nach der Bohr- und Rohbauphase folgen zwei Jahre für den Innenausbau, also Gleise, Oberleitungen und Signale. Im Dezember 2021 ist laut Grube die Inbetriebnahme, dann sollen die Expresszüge mit Tempo 250 durch die Röhre rasen.

Mit dem Fildertunnel werde deutlich, dass Stuttgart und die Neubaustrecke eine Einheit bilden, sagte Projektsprecher Wolfgang Dietrich. Doch auch die nächste Baustelle ist mit Symbolgehalt aufgeladen: Vom 5. August an werden die Baugruben für den neuen Hauptbahnhof ausgebaggert. Der "stählerne Superlativ", wie Nils Schmid die Tunnelbohrmaschine nennt, ist dann schon ein paar hundert Meter tief im Berg.

Lange Röhre für 19 Minuten Zeitersparnis

Acht Minuten Der Fildertunnel hat seinen Namen von der Hochebene bei Stuttgart, im Schwäbischen Filder (Felder) genannt. Er verbindet den geplanten Tiefbahnhof in der Landeshauptstadt mit dem Landesflughafen und der Neubaustrecke nach Ulm. Mit 9,5 Kilometern ist er der längste Tunnel des Bahnprojektes Stuttgart 21 und nach dem Landrückentunnel (10,7 Kilometer/Hessen) und Mündener Tunnel (10,5 Kilometer/Niedersachsen) der drittlängste Eisenbahntunnel Deutschlands. Er überwindet 155 Meter. Die Fahrzeit zwischen Hauptbahnhof und Landesflughafen wird von 27 auf acht Minuten verkürzt.

Tempo 250 Die Erdschicht über den Röhren ist zwischen wenigen Metern und 220 Metern dick. Der Fildertunnel ist nahe dem Hauptbahnhof mit bis zu 100 Stundenkilometern befahrbar, in der unteren Hälfte mit 160 Kilometern pro Stunde und im oberen Abschnitt mit 250 Kilometern pro Stunde. lsw

 

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Kommentare

17.07.2014 00:52 Uhr

Mehrheit gegen Stuttgart 21

Trotz des Faktenschaffens und Täuschens der S21-Blender ist eine große Mehrheit der Baden-Württemberger und Stuttgarter gegen Stuttgart 21 und spricht sich stattdessen explizit für den Kopfbahnhof aus. Das ist das Ergebnis einer direkten Frage nach den Bahnhofsvarianten: „Statt 4,5 Milliarden Euro soll das Bahnprojekt Stuttgart 21 nach Angaben der Deutschen Bahn AG jetzt 6,8 Milliarden Euro kosten.

Was ist Ihrer Ansicht nach sinnvoller? Stuttgart: Weiterbetrieb und Modernisierung des bestehenden Kopfbahnhofs: 56 %, Bau von Stuttgart 21: 40 %. Baden-Württemberg: Weiterbetrieb und Modernisierung des bestehenden Kopfbahnhofs: 54 %, Bau von Stuttgart 21: 39 %.

Merke: Das Ergebnis der o.g. Umfrage von 54 Prozent (nur 39% Zustimmung für S21) ist ein klares Zeichen für den Kopfbahnhof. Unsere selbsternannten Gutmenschen („die Welt wird eine bessere mit S21“) wären gut beraten, den bekannten Mehrheitsverhältnissen Rechnung zu tragen und sich nicht auf tendenziöse Abstimmungen ohne konkrete Aussagekraft zu berufen, nur weil das bequemer ist.

Es bringt sicherlich auch politisch keinen Vorteil, sich nach dieser Mehrheitsmeinung ewig als schlechter Verlierer zu präsentieren. Zumal die aktuelle Mehrheitsumfrage (2013) glasklare Ergebnisse offenbart hat und die VA bereits veraltet ist, da die Bahn 2011 die ihr bekannten aktuellen Baukosten bewusst verschwiegen hat.

http://www.kontextwochenzeitung.de/pulsschlag.html?tx_news_pi1[news]=402&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[action]=detail&tx_news_pi1[overwriteDemand][issues]=22

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16.07.2014 01:55 Uhr

Umplanungen beim bestgeplanten Jahrhundertprojekt?

"(...) Auch ein weiterer Satz des Bahnvorstandes sollte alle Projektbefürworter und – kritiker aufhorchen lassen.

Volker Kefer erwähnte auf der Veranstaltung in einem Nebensatz, dass die Bahn in Untertürkheim umplane.

Bereits die Grünen hatten in einer aktuellen Anfrage im Bundestag (hier) nach dem immer noch nicht planfeststellten Abstellbahnhof im PFA 1.6a und nach möglichen Planänderungen (Passagierausstiege am Abstellbahnhof ?) nachgehakt.

Möglicherweise verdichten sich damit die Gerüchte um einen Regional-Bahnhof in Untertürkheim, der den Tiefbahnhofs ergänzen soll. (...)"

http://netzwerke-21.de/?p=3293
...

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16.07.2014 01:52 Uhr

Tunnel-Tam-Tam: Fildertunneltaufe lenkt von den eigentlichen Problemen bei Stuttgart 21 ab

Tunnel-Tam-Tam: Fildertunneltaufe lenkt von den eigentlichen Problemen bei Stuttgart 21 ab

"(...) Als ein weiteres Indiz, dass die Finanzierung von Stuttgart 21 aus dem Ruder laufen werde, ist das plötzliche Ausscheiden des renom-mierten Projektsteuerers und Baumanagers Klaus Grewe aus dem Projektbeirat von Stuttgart 21 zu werten (StZ 1 / StZ2). Im Interview mit der Stuttgarter Zeitung vom 25.06.2014 räumt er offen ein, dass die Zahlen bei Stuttgart 21 wohl eher politischem Wunschdenken als einer genauer Kostenkalkulation geschuldet seien ...

Daneben gab Volker Kefer auf der Veranstaltung bekannt,

dass sich die Baufirma Hochtief und Bilfinger & Berger aus dem Projekt zurückziehen würde. (...)"

http://netzwerke-21.de/?p=3293
...

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11.07.2014 21:09 Uhr

Herren und Knechte

Neues vom dümmsten Bahnprojekt der Welt.

Tunnelbau ist ein Riesengeschäft – besonders für internationale Baukonzerne und die Deutsche Bahn AG. Ihre Lobbyisten sorgen dafür, dass das auch so bleibt. Und so werden nicht nur in Stuttgart Tunnel gebohrt auf Teufel komm raus. Ob sie auch einen verkehrlichen Nutzen haben, spielt dabei kaum eine Rolle.

http://www.tunnelblick.es/press/wp-content/uploads/2014/05/ES21_Tunnelblick-47_s.pdf

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11.07.2014 20:53 Uhr

In Deutschland regieren die Grauen Panther ...

... und unsere Nationalelf hat inzwischen den fünften WM-Titel geholt, bis BER und S21 endlich fertig werden.

Man reibt sich auch nach vier Jahren Bauzeit immer noch verwundert die Augen. Soviel Baufortschritt hat niemand erwartet. Bahnhofsflügel weg, Park geschreddert, IHK weg, ca 20 Meter Tunnel gebohrt und ein Technikgebäude erstellt. Respekt! Wenn das in diesem Tempo weitergeht, dann gibt es bereits 2049 die erste Probefahrt durch den Tülaytunnel in den Grubebahnsteig. Die Weiterfahrt durch den Gerlindetunnel lässt aber auf sich warten, weil die Alb sich gegen den Tunnelbau wehrt.

Die Bahn wollte bereits 2021 bei jetzt 12,5 Milliarden Kosten die Notbremse ziehen, aber die schwarz-grüne Landesregierung will die Pkw- und Citymaut direkt in das S21-Loch stecken. Die Gefahr weiterer Preissteigerungen sei somit gebannt. Die Opposition mit ihrem Frontmann Nils Schmid fordert einen sofortigen Baustopp und will einen Untersuchungsausschuss.

Volker Kefer von der Bahn ist jetzt für die Fertigstellung von BER verantwortlich und kündigt den ersten Start- und Landeflug für 2051 an. Neuer Technikchef bei der Bahn ist jetzt Martin Herrenknecht. Er verspricht ein unterirdisches Tunnelnetz, flächendeckend in ganz Deutschland.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann grubeln sie noch heute sinnlos weiter.

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Das Bahnprojekt Stuttgart 21 und die Neubaustrecke

Die Bahn preist Stuttgart 21 und die Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm als zukunftsweisendes Projekt an, Kritiker widersprechen. Auf dieser Seite finden Sie alle Artikel zur Neubaustrecke und Stuttgart 21.

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