Städte leisten Hilfe in der Not

Der Flüchtlingsstrom ins Land reißt nicht ab. Um die Menschen unterbringen zu können, wurden in Sigmaringen und Villingen-Schwenningen Unterkünfte bereit gestellt. Sie sollen nur kurzfristig genutzt werden.

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Kinder von Flüchtlingsfamilien, die in Villingen untergebracht sind, hatten gestern im strahlenden Sonnenschein ihren Spaß.  Foto: 

Im Kosovo und in anderen Balkanländern wird Deutschland offenbar immer mehr als gelobtes Land angepriesen. Schlepperbanden machen sich die Not der Menschen zunutze und bringen sie ins Land. Dabei scheinen sie gut informiert zu sein. Vor wenigen Tagen haben Schlepper eine Familie aus dem Kosovo vor der erst am Samstag eröffneten bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle (BEA) im Stadtbezirk Villingen der Doppelstadt Villingen-Schwenningen abgesetzt und sind verschwunden. 2500 Euro soll die Familie bezahlt haben, sagt Karl Dorer vom Regierungspräsidium Freiburg (RP), der die BEA leitet.

Seit einigen Wochen reißt der Flüchtlingsstrom vor allem aus den Balkanländern nicht mehr ab. Täglich werden 200 bis 300 Flüchtlinge aufgegriffen und müssen untergebracht werden. Die Landeserstaufnahmestellen für Flüchtlinge (LEA) in Karlsruhe und Meßstetten sind völlig überfüllt. Deshalb hat das Land, das für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig ist, nach leerstehenden Gebäuden Ausschau gehalten - und ist in Villingen-Schwenningen und Sigmaringen fündig geworden. In Villingen werden seit Samstag Wohnungen genutzt, in denen die Familien von französischen Soldaten gelebt haben. Die Soldaten sind im vergangenen Jahr abgezogen. Deshalb sind die Wohnungen noch in gutem Zustand. Aktuell sind darin 362 Menschen untergebracht. "Damit sind wir an der Obergrenze angekommen", sagte gestern Klemens Ficht, Vizepräsident des RP Freiburg. Räumlich seien noch Kapazitäten frei, doch personell sei die Grenze erreicht. Stadt und Kreis hatten vier Tage Zeit, um die Unterkünfte für die Flüchtlinge bereit zu machen, deren Versorgung, Sicherheit und Betreuung sicherzustellen. Viele Ehrenamtliche waren und sind noch im Einsatz. Wie in den anderen Aufnahmestellen auch sind in Villingen und Sigmaringen Mitarbeiter des Unternehmens European Homecare (EHC) für die Betreuung der Asylbewerber zuständig. Ein Sicherheitsdienst bewacht das Gelände. Das Essen für beide BEA wird aus Meßstetten angeliefert. Kostenträger ist das Land.

Dabei sollen die BEA in Sigmaringen und Villingen nur übergangsweise und kurzfristig dem Land aus der Notlage helfen. Die Flüchtlinge sind nur wenige Tage dort untergebracht und werden dann weiter nach Karlsruhe oder Meßstetten transportiert, wo sie erkennungsdienstlich behandelt, medizinisch untersucht und registriert werden und wo sie ihre Asylanträge stellen können. Das alles ist in den BEA nicht möglich. "Das sind reine Wohnunterkünfte", sagt Carsten Dehner, Sprecher des RP Tübingen.

Das RP ist für die Unterbringung von Flüchtlingen in der Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen zuständig. Dort sind aktuell 260 Asylbewerber untergebracht. Für 90 weitere wäre noch Platz. "Wir wissen alle nicht, wie es weitergeht", sagte Klemens Ficht. Sowohl in Sigmaringen als auch in Villingen sind die Unterkünfte bis Ende März angemietet. Ob der Flüchtlingsstrom danach nachlässt, ist fraglich.

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