Sprachförderung für Kinder wird ausgebaut

Grün-Rot stockt die Mittel für die Sprachförderung im Kindergarten auf. Bestehende Programme werden verzahnt und auf drei Jahre ausgeweitet. Künftig sollen 30 Prozent eines Jahrgangs profitieren.

|
Sprachförderung für Migranten im Alb-Donau-Kreis: Kinder mit Defiziten sollen im Kindergarten künftig länger und öfter Hilfe bekommen werden. Foto: Caritas

Die grün-rote Landesregierung hat gestern eine Neukonzeption der Sprachförderung im Kindergarten beschlossen, die ab September 2012 gelten soll. Die Maßnahme stehe unter der "großen Überschrift: Wie entkoppeln wir Bildungserfolg von der Herkunft?", sagte Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne). Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer braucht Hilfe? Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass etwa 30 Prozent der Kinder vor der Einschulung deutliche Defizite im Umgang mit der deutschen Sprache haben. Für das Land bedeute das bei 8000 Einrichtungen einen Förderbedarf für rund 80 000 Kindergartenkinder, sagte der zuständige Kultus-Staatssekretär Frank Mentrup (SPD). Bislang werden durch verschiedene Sprachförderprogramme knapp 60 000 Kindergartenkinder erreicht. Die anstehende Ausweitung auf 80 000 Kleinkinder ist damit beträchtlich.

Was ist neu? Bislang gab es drei verschiedene Fördermaßnahmen, die mal ein, mal zwei und - in geringem Maße - mal drei Jahre dauerten. Künftig können die Kindergärten unter zwei Förderwegen wählen, die durchgängig vom ersten bis zum letzten Kindergartenjahr angeboten werden. Statt drei Anmeldeverfahren gibt es dann ein einheitliches Formular. Dadurch werde das Antragsverfahren einfacher und transparenter, sagte Mentrup.

Welche Modelle gibt es? Zur Auswahl stehen die auf drei Jahre ausgedehnten Programme "Intensive Sprachförderung im Kindgarten" (ISK), das bisher erst ein Jahr vor Schulbeginn angesetzt hat, und das Programm "Singen-Bewegen-Sprechen" (SBS) das bislang auf die letzten beiden Kindergartenjahre beschränkt war. Die vorschulische "Hausaufgaben-, Sprach- und Lernhilfe" wird mit dem ISK-Programm verschmolzen. Bei einer ISK-Gruppe umfasst die Sprachförderung im Kindergartenjahr 120 Stunden, die von einer qualifizierten Sprachförderkraft verantwortet werden. Die SBS-Maßnahme umfasst hingegen 36 Stunden, die von einer Erzieherin respektive einem Erzieher sowie einer musikpädagogischen Fachkraft gemeinsam gestaltet werden. Die SBS-Inhalte werden auch in den Kita-Alltag übernommen.

Wie hoch ist die finanzielle Förderung? Bei einer Gruppengröße von vier bis sieben Kindern beträgt die finanzielle Forderung je ISK- oder SBS-Gruppe und Kindergartenjahr 2000 Euro, bei größeren Gruppen von acht bis zwölf Kindern sind es 2400 Euro.

Wer entscheidet, ob ein Förderbedarf besteht? Im ersten und zweiten Kindergartenjahr entscheidet die Erzieherin oder der Erzieher. Kriterien für eine Förderung sind eine nichtdeutsche Muttersprache oder sprachliche Auffälligkeiten. Im dritten Kindergartenjahr entscheidet in der Regel nach einem verbindlichen Sprachtest das Gesundheitsamt in Kooperation mit dem Kindergarten.

Was kosten die Maßnahmen? Für die Eltern sind die Angebote kostenlos. Das Land setzt für die Maßnahmen im Etat 2013 insgesamt 32 Millionen Euro an - das sind elf Millionen Euro mehr als bisher. Die zusätzlichen Mittel sind über die Erhöhung der Grunderwerbssteuer auf fünf Prozent finanziert, die von Grün-Rot im Herbst 2011 beschlossen worden ist.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Der neue Ulmer Theater-Intendant stellt sein Leitungsteam vor

Kay Metzger, der künftige Intendant, hat sein Leitungsteam vorgestellt. Den Schauspielchef kennt das Publikum: Jasper Brandis hat im Großen Haus schon „Kasimir und Karoline“ inszeniert. weiter lesen