SPD will Standards für Kita-Ausbau lockern

Die Zeit läuft: Bis August haben Städte und Gemeinden Zeit, die hochgesteckten Ziele bei der Betreuung von Kleinkindern zu erreichen. Die SPD drängt die Kommunen, verstärkt auf Tagesmütter zu setzen.

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SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel will für einen rascheren Ausbau der Kinderkrippen vorübergehend die bisher vorgeschriebenen Standards lockern. "Wenn man einige bürokratische Hürden abbaut, dann kann man das sehr schnell forcieren", sagte Schmiedel jetzt in Stuttgart. Das größte Problem beim Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren zum Stichtag im Sommer 2013 sei allerdings der Mangel an Erzieherinnen. "Die Räume schafft man. Was man nicht schafft, ist die vorgeschriebene Fachkräftequote", sagte der Sozialdemokrat.

Deshalb müssten Städte und Gemeinden auf Tagesmütter zurückgreifen. "Die Kommunen weigern sich bisher, die Tagespflege in ihr Konzept einzubetten." Tagesmütter seien flexibel einsetzbar und könnten auch krankheitsbedingte Ausfälle in Kindertagesstätten überbrücken. Nur so könnten Städte und Gemeinden ihre kommunale Betreuungsgarantie sicherstellen. Schmiedel forderte die Kommunen unmittelbar vor der Mitgliederversammlung des Städtetags am heutigen Montag dazu auf, "mehr in diese Richtung zu marschieren".

Bedenken, Tagesmütter seien keine ausgebildeten Fachkräfte, wollte Schmiedel nicht akzeptieren. Das lehre auch der Blick ins Ausland. "Dabei verkennt man, dass das große Vorbild Frankreich die hohe Betreuungsdichte nur über Tagesmütter schafft", sagte Schmiedel. Dort sei mehr als die Hälfte der Kleinkinder in der Tagespflege.

Der Beruf der Tagesmutter müsse im Südwesten allerdings finanziell attraktiver gemacht werden. Für Eltern sollten aber keine zusätzlichen Kosten entstehen. "Kommunen müssen das machen, indem sie es in ihr Angebot integrieren - nicht als Hilfskrücke, sondern zur freien Wahl. Es darf nicht teurer sein, wenn das Kind bei einer Tagesmutter untergebracht wird."

Der Städtetag hatte jüngst gefordert, den von Sommer 2013 an geltenden Rechtsanspruch auf Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren aufzuweichen. Die Kommunen kämen der hohen Nachfrage der Eltern nicht schnell genug hinterher, um den Rechtsanspruch zu gewährleisten. Die grün-rote Landesregierung solle sich im Bund dafür einsetzen, dass der Anspruch zum August zunächst nur für zweijährige Kinder gelte. Erst in einem nächsten Schritt solle der Anspruch auch auf einjährige Kinder ausgeweitet werden.

Schmiedel schlug außerdem vor, Azubis zu den Fachkräften hinzuzurechnen. "Schon haben wir eine Riesenentlastung." Man müsse sich entscheiden: "Will man alle Standards halten, was das Fachkräfteangebot, was die baulichen Voraussetzungen anbelangt, oder will ich ausreichend Plätze zur Verfügung stellen?" Die SPD-Fraktion habe jüngst klar für die größere Anzahl an Plätzen votiert.

Der Fraktionschef sieht auch die Notwendigkeit, bei baulichen Standards Abstriche zu machen. "In den Großstädten, wo es am meisten spannt, geht es um Freiflächen und Parkplätze bei den Kitas." Das Kultusministerium hatte zuletzt erklärt, dass bis zum 1. März 2012 eine Betreuungsquote von 23 Prozent im Land erreicht wurde. Nach den danach beantragten Bundesmitteln könnten 11 400 weitere Plätze entstehen. So wäre eine Quote von 27 bis 28 Prozent verwirklicht. Das Land geht allerdings davon aus, dass es im Südwesten einen Bedarf von etwa 37 Prozent zu erfüllen gilt. Es fehlen danach noch 20 000 Betreuungsangebote, die derzeit weder vorhanden noch beantragt seien.

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