Sparen beim Licht: Viele Kommunen steigen auf LED-Technik um

Immer mehr Kommunen rüsten bei Straßen- und Innenbeleuchtung auf LED-Technik um. Die Lichter verbrauchen so wenig Strom, dass sich viel Geld sparen lässt. So viel, dass das Land Förderungen gestrichen hat.

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Heller und günstiger: In Baden-Württemberg rüsten viele Städte - wie hier Rottweil - die Straßenlaternen in den Innenstädten auf LED-Leuchten um.  Foto: 

"Nach zwei Jahren sparen wir richtig", sagt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer. Er steht in der Unterführung nahe des Hauptbahnhofs. Die alten Neon-Leuchtstoffröhren hat die Stadt gegen LED-Lichter austauschen lassen. Diese machen den düsteren Weg für Fußgänger und Radfahrer um 60 Prozent heller als die alten Lampen. Gleichzeitig spart die Stadt jährlich 60 Prozent Strom. Nach einem Jahr sind so die Investitionskosten für die neue Technik bereits ausgeglichen. Allein durch die Umrüstung in 20 Tübinger Unterführungen spart die Stadt nun jedes Jahr 10.000 Euro. Seit Jahren rüstet die Stadt mit der Klimakampagne "Tübingen macht blau" nach und nach bei der Straßenbeleuchtung auf LED um.

Licht emittierende Dioden, kurz LEDs, scheinen im Alltag angekommen zu sein. Sie sind nicht nur in vielen Wohnungen zu finden, auch immer mehr Kommunen entscheiden sich dafür - vor allem in der Straßenbeleuchtung und mittlerweile auch bei der Innenbeleuchtung öffentlicher Gebäude.

Um diesen Technologiewandel in Schwung zu bringen, hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung 2009 den Wettbewerb "Kommunen im neuen Licht" ausgerufen und seitdem vorbildhafte kommunale Projekte gefördert: Etwa in Freiburg, weil die Stadt die historische Straßenbeleuchtung im gesamten Stadtzentrum auf LED umgestellt hatte. Als Leuchtturm-Projekt wurde das "LED-Netzwerk Schwarzwald" um die Gemeinde Königsfeld (Schwarzwald-Baar-Kreis) ausgezeichnet für seine flächendeckende Sanierung der Straßen- und Außenbeleuchtung.

Auch das Land fördert die LED-Umrüstung. "Jeder, der vernünftig rechnet, müsste es sowieso machen", sagt Frank Lorho vom Umweltministerium. Noch im Jahr 2014 förderte das Land über das "KlimaschutzPlus"-Programm 173 Straßenbeleuchtungen, davon 171 mit LED. Diese Investitionen von 27,9 Millionen Euro wurden mit 5,45 Millionen Euro bezuschusst. Nach Angaben des Umweltministeriums verringerten jene neuen Straßenbeleuchtungen den CO2-Ausstoß um mehr als 9000 Tonnen jährlich.

Mittlerweile ist die Förderung zur Straßenbeleuchtung aus dem aktuell neun Millionen Euro schweren Topf gestrichen. Denn: Die Investitionskosten für LEDs sind mittlerweile relativ gering und durch die Strom-Einsparungen nach kurzer Zeit ohnehin gedeckt. Zusätzliche Anreize seien deshalb nicht mehr nötig, sagt der Sprecher des Umweltministeriums.

Weiterhin gefördert durch das "KlimaschutzPlus"-Programm werden jedoch LEDs für die Innenbeleuchtung öffentlicher Gebäude. "Förderprogramme sind für Kommunen schon wichtig, damit die Haushaltsbelastung nicht allzu hoch ausfällt", sagt Melanie Gehann. Die Reutlinger Energieberaterin ist bei der Stadtverwaltung vor allem für die öffentlichen Gebäude zuständig. Meist sei es bei der Umrüstung nicht damit getan, die alten Glühbirnen durch LEDs zu ersetzen. Dimmbarkeit, die alte Verkabelung und der Zustand der Decke müssten beispielsweise überprüft werden. Mittlerweile lasse die Stadt bei allen anstehenden Gebäudesanierungen immer auch die Beleuchtung auf eine mögliche Umrüstung auf LED prüfen.

19 solcher Umrüstungen bei der Innenbeleuchtung hat das Land in den vergangenen zwei Jahren gefördert. Zur Umstellung der Beleuchtung auf LED investieren diese Kommunen rund 2,2 Millionen Euro und erhalten knapp 370 000 Euro Zuschüsse. Den CO2-Ausstoß mindern diese Umrüstungen um 454 Tonnen jährlich.

Trotz vieler Vorteile gibt es auch Kritiker des LED-Lichts. Manchen erscheint es zu ungemütlich. In Freudenstadt gab es kürzlich sogar heftige Kritik von verschiedenen Fraktionen im Gemeinderat: Das neue LED-Licht, das zur Zeit in den Straßen der Stadt installiert wird, sei ganz scheußlich und kalt. Manche Gemeinderäte hinterfragten die Investition und die zukünftigen Einsparungen.

Manche Umrüstungen verlaufen von der Bevölkerung weitgehend unbemerkt - etwa in der Tübinger Altstadt - , andernorts gibt es Kritik. In der Tübinger Südstadt etwa beschwerten sich Anwohner, weil die LED-Lampen viel heller als erwartet leuchteten. Die Stadt ließ die Lichter daraufhin drosseln.

Eine besonders ausgetüftelte Technik ließ die Verwaltung in Tuningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) installieren. Als erste deutsche Gemeinde hat sie 2014 ihre komplette Straßenbeleuchtung auf besondere sensorgesteuerte LED-Laternen umgestellt. So spart sie jährlich 141 000 Kilowattstunden Strom und damit rund 25 000 Euro. Spätabends, wenn nur noch wenige Menschen im Ort unterwegs sind, leuchten die Straßenlaternen nur schwach. Sobald sich ein Mensch nähert, springen sie jedoch hellleuchtend an.

Leuchtdiode auf Erfolgskurs

Langer Weg Nach ihrer Erfindung 1962 diente die LED zunächst als Leuchtanzeige und zur Signalübertragung. Drei Jahrzehnte lang durchlief die "light-emitting diode" (Licht-emittierende Diode) technologische Verbesserungen. Die Lichtausbeute wurde immer besser, die Störanfälligkeit geringer. Der große Vorteil von LEDs heute ist: Sie wandeln Energie in viel Licht um, jedoch kaum in Wärme.

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