Sondersitzung von Stuttgart-21-Lenkungskreis gefordert

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Winfried Hermann (Grüne) ist Verkehrsminister in Baden-Württemberg. Foto: Maurizio Gambarini/Archiv

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart fordern eine Sondersitzung des Lenkungskreises für Stuttgart 21. Ein entsprechendes Schreiben haben Verkehrsminister Winfried Hermann und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) an die Bahn geschickt, wie die „Stuttgarter Zeitung“ (Donnerstag) berichtet. Hintergrund sind Risiken, die sich beim Tunnelbau im quellfähigen Anhydrit ergeben. Ein Ministeriumssprecher bestätigte das am Mittwochabend. „Wir wollen Aufklärung“, sagte der Sprecher.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte kürzlich bedauert, dass die Projektpartner Land und Stadt noch keinen Einblick in das KPMG-Gutachten erhalten haben, in dem auf große Risiken aufgrund des schwierigen Gesteins aufmerksam gemacht wird.

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23.12.2016 00:07 Uhr

Stuttgart 21 und die Gutachten

Leserbrief in der Nürtinger Zeitung zum Artikel "Sondersitzung von Stuttgart-21-Lenkungskreis gefordert."

Es ist eigentlich eine Unverschämtheit: Seit Jahren verschleppt der Aufsichtsrat der Bahn die Aussprache über die wahren Kosten und Risiken bei S21. Als vor mehr als einem Jahr das zuverlässige Vieregg-Rössler-Gutachten mit zehn Milliarden Euro S21-Kosten veröffentlicht wurde, entzog sich der Aufsichtsrat seiner Verantwortung und beauftragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einem eigenen Gutachten.

170 Seiten KPMG-Gutachten liegen nun schon seit vielen Monaten beim Aufsichtsrat, werden aber als „Geheim“ eingestuft und einfach nicht zur Kenntnis genommen. Jetzt endlich sollte in der Sitzung am 14. Dezember die Wahrheit auf den Tisch, aber schon wieder wurde das S21-Thema auf 2017 verschoben. Ein riesiger Skandal, der einer Insolvenzverschleppung ähnelt.

Aus dem „geheimen“ Gutachten wurde mittlerweile das vernichtende Urteil der KPMG überall bekannt: Die vielen Kilometer Tunnel im Anhydrit sind bodenloser Leichtsinn, die eventuelle Fertigstellung kommt nicht vor 2024 und für die genannten Kosten von 6,3 bis 6,7 Milliarden Euro gilt der KPMG-Vorbehalt, dass die Bahn nur ausgewählte Unterlagen vorlegte.

Die voraussichtlichen Gesamtkosten konnten deshalb gar nicht ermittelt werden. Dazu liegt der Bahn aber das Gutachten des Bundesrechnungshofs vor mit den Kosten von neun bis zehn Milliarden Euro, in dem unter anderem steht, dass S21 womöglich gar keine Betriebserlaubnis erhalten würde wegen der höchst gefährlichen und verbotenen Neigung der Gleise im Tiefbahnhof. (...)

http://www.ntz.de/nachrichten/leserbriefe/artikel/stuttgart-21-und-die-gutachten/

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17.12.2016 16:09 Uhr

Stuttgart 21: Doch Bunker statt Tunnel?

Bahnchef Rüdiger Grube steht persönlich im Wort. 2009, als der umstrittene Tiefbahnhof von allen Beteiligten abgenickt war, präsentierte er schon damals dringend notwendige Einsparpläne auch im heiklen Felsbau. "Wir bauen Tunnel und keine Bunker", so Grube damals. Jetzt sollen alle Pläne nochmals auf Herz und Nieren geprüft werden.

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart verlangen eine Sondersitzung der Projektpartner gleich im Januar. Die Tunnelrisiken durch Anhydrit "bewegen die Öffentlichkeit und uns", schreiben Verkehrsminister Winfried Hermann und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) an Projektchef Manfred Leger. Die Geschäftsordnung des Lenkungskreises lässt eine Sondersitzung zu, wenn zwei Partner die Notwendigkeit sehen.

Hermann und Kuhn wollen über das neue, von der DB noch immer nicht offiziell zur Verfügung gestellte Gutachten informiert werden. Sie "bitten" auch um eine "qualifizierte Vorstellung und Erläuterung aller Ergebnisse durch die Gutachter". Erwünscht ist externer Sachverstand gerade deshalb, weil die DB seit vielen Jahren allein auf den Tunnelexperten Walter Wittke setzt. Schon vor, aber vor allem in der Schlichtung hat der heute 82-Jährige alle von den Gegnern aufgeworfenen und belegten Probleme als beherrschbar dargestellt.

Im neuen KMPG-Gutachten sind jetzt nicht nur Risiken während der Bauzeit, sondern auch für den Betrieb zentraler Streckenteile beschrieben. Wenn Anhydrit durch Wassereintritt quillt, ist dieser Prozess für eine Dauer von 50 bis 150 Jahre nicht zu stoppen. Betroffene Tunnel müssen dann regelmäßig stillgelegt und saniert werden.

Der Tübinger Geologe und Erdwärme-Experte Jakob Sierig hat deshalb die Notwendigkeit von dritten Tunnelröhren auf den Zu- und Ablaufstrecken ins Gespräch gebracht: Denn der Bahnverkehr in und um Stuttgart würde sonst während der Reparaturarbeiten zusammenbrechen.

https://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/193/die-macht-der-buergerschaft-2609.html

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