Sog der Gemeinschaftsschule

Mit aller Macht stemmt sich die CDU gegen die grün-rote Gemeinschaftsschule. Dafür erhält sie von Enttäuschten auf dem Land viel Beifall - und findet sich dennoch mit einem zweigliedrigen Schulsystem ab.

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Abschied vom dreigliedrigen System? CDU-Fraktionschef Peter Hauk.

Zwei Stunden lang ist die Gemeinschaftsschule in Grund und Boden geredet worden an diesem Nachmittag mit der CDU-Fraktion in Ehingen (Alb-Donau-Kreis). Als "Traumtänzerei", "teuer und ineffektiv", "ideologisch" und "Kannibalisierung der Schullandschaft" wurde das Lieblingsprojekt der grün-roten Schulpolitik gegeißelt, und immer gab es Beifall. Die Schulform, die es erst im Herbst erstmals im Land geben wird, sie liegt, gründlich demontiert von CDU-Politikern, Verbandssprechern und Schulleitern, am Boden.

Doch dann geschieht das Wunder: Plötzlich steht sie wieder auf, diese so untaugliche, ineffiziente Schulform - und wirft ihren bedrohlichen Schatten auf die anwesenden CDU-Größen. "Wir müssen eine Antwort finden", sagt der Fraktionsvorsitzende Peter Hauk plötzlich nachdenklich. 2016, wenn wieder Landtagswahl ist, werde die verteufelte Schulform schon Realität sein. Die Hauptschule werde dann womöglich schon weitgehend Vergangenheit sein - und diese üppig ausgestatteten Gemeinschaftsschulen, sie könnten womöglich sogar irgendwie erfolgreich sein.

"Die CDU muss klarmachen, wofür sie in der Bildungspolitik steht", mahnt denn auch der Ravensburger CDU-Stadtrat Ulrich Höflacher in seiner Wortmeldung. "Die Gemeinschaftsschule bekommt landauf, landab gute Presse, die CDU steht nur als Verweigerer da." Die Realität, die Eltern, die Fakten, sie könnten einfach davoneilen und die CDU zurücklassen, die Sorge steht plötzlich im Raum. So sieht es auch Joachim Arnold, Vizerektor einer Werkrealschule in Wangen (Kreis Ravensburg). "Um uns herum entstehen drei Gemeinschaftsschulen", sagt er, dem Sog werde man sich nicht lange entziehen können, wenn die Eltern mit den Füßen abstimmten. "Und überall sind es CDU-Bürgermeister, die die Fahne hochhalten und rufen: Hurra, Gemeinschaftsschule." Wenn es darum gehe, angesichts sinkender Kinderzahlen Schulstandorte in der Fläche zu erhalten, sei eben jeder Strohhalm recht, sagt Georg Wacker, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Die Antworten, die die CDU bald braucht, so viel wird trotzdem klar, sie müssen angesichts dieser Lage noch gefunden werden.

Es ist das Wort "Zweigliedrigkeit", das nun fällt. Ein neuer Gedanke für die CDU im Südwesten, die bis zuletzt erbittert das dreigliedrige System verteidigt hat. Doch bei der nächsten Wahl wird vielleicht schon nichts mehr zum Verteidigen da sein. "Das große Hauptschulsterben wird bald kommen, mit brachialer Gewalt", sagt Hauk, es werde bewusst herbeigeführt von Grün-Rot. Das werde man 2016 nicht zurückdrehen können. "Auch den Gemeinschaftsschulen werden wir sagen müssen, wie es mit ihnen dann weitergeht." Die "Differenzierung" müsse aber auch in einem künftigen zweigliedrigen System erhalten bleiben. Wacker bringt Schulverbünde als Alternative ins Spiel. "Diese Dinge werden vom Kultusministerium rundweg abgelehnt."

Gymnasien und Realschulen wolle Grün-Rot sowieso ausbluten lassen, das sagen Bernd Saur vom Philologenverband und Herbert Winkler, Realschullehrer aus Gammertingen. "Wir scheuen die Konkurrenz mit den Gemeinschaftsschulen nicht, aber wir wollen faire Bedingungen", sagt Winkler. Da ist er wieder, der bedrohliche Schatten der Gemeinschaftsschule.

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