Software statt Stecknadeln

Seit vier Monaten setzt die baden-württembergische Polizei beim Kampf gegen Wohnungseinbrüche auf das neue Computerprogramm "Precops". Experten haben Bedenken in Sachen Datenschutz.

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Die Prognosesoftware "Precobs" verspricht, Kriminalität vorhersagen zu können. Datenschützer sehen die Neuerung kritisch.  Foto: 

Knapp vier Monate nach dem Startschuss des Pilotprojekts "Predictive Policing" zur computergestützten Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen in Baden-Württemberg hält sich die Polizei mit Erfolgsmeldungen noch zurück. "Ob durch den Einsatz dieses Systems tatsächlich ein Einbruch verhindert werden konnte, können wir beim besten Willen nicht sagen", sagte Projektleiter Tilman Bach vom Landeskriminalamt (LKA) bei einer Diskussionsveranstaltung der Evangelischen Akademie Baden in Karlsruhe. "Zumindest wurde noch kein Täter auf frischer Tat geschnappt."

In zwei Monaten sollen bei der wissenschaftlichen Auswertung aber erste offizielle Zahlen der Polizeipräsidien Stuttgart und Karlsruhe zu dem Projekt veröffentlicht werden. Zentraler Baustein ist die Spezialsoftware "Precops", mit der die polizeilichen Daten präzise ausgewertet und dadurch wahrscheinliche künftige Tatorte vorhergesagt werden können.

Zwei bis vier Mal pro Woche schlägt das System laut Bach Alarm. Dann wird von den Revieren eine Streife in das betreffende Viertel geschickt. "Das System kann auch nicht mehr machen, als Polizisten bislang gemacht haben", so Bach, "aber nun wird eben nicht mehr mit Stecknadeln in einer Karte nach einem Muster gesucht".

In das System werden nur tatbezogene Daten wie die Einbruchsorte oder die Vorgehensweise der Verbrecher eingespeist. "Persönliche Daten von Tätern und Opfern spielen bei uns keine Rolle", sagte Bach. Beim Suchen nach möglichen Tatorten stützt sich "Precops" auf gängige kriminologische Theorien.

"Solche Systeme bergen leider auch Gefahren, weil die Auswirkungen der Technik auf die Gesellschaft noch nicht bekannt sind", sagte Soziologin Christina Merz. Zur besseren Kontrolle forderte sie einheitliche Standards. Bisher arbeiten die Länder beim Predictive Policing noch mit unterschiedlichen Systemen. "Die Technologie hinter solchen Projekten wird nicht von der Polizei entwickelt, sondern von IT-Konzernen", mahnte Merz. Deshalb müssten die Regeln für den Datentransfer genau festgelegt werden.

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