Schwierige Suche in zerstörter Asylruine

Bis auf die Grundmauern ist das geplante Flüchtlingshaus in Weissach im Tal abgetragen. Hinweise auf eine vermutete Brandstiftung liegen nicht vor - Gründe für eine technische Ursache aber auch nicht.

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Für Innenminister Reinhold Gall (SPD) wäre es "ein großer Zufall", wenn die geplante Asylunterkunft von Weissach im Tal (Rems-Murr-Kreis), die vorgestern abgebrannt ist, nicht angezündet worden wäre. Allerdings räumte der Minister gestern bei seinem Besuch ein, es gebe "keinen neuen Sachverhalt, was die Entstehung des Brandes anbelangt". Demnach haben 17 Beamte der Ermittlungsgruppe "Tal" keine Spur gesichert, die bestätigt, dass das Feuer in der Nacht zum Montag gelegt worden ist.

Das dreigeschossige Gebäude musste wegen Einsturzgefahr bis auf die Grundmauern abgetragen werden. Als die Feuerwehren eintrafen, hatten sich die Flammen bereits auf allen Etagen ausgebreitet. Der Brand begann auf der Rückseite, abgewandt von der Durchgangsstraße, und dehnte sich unbemerkt aus. Doch die Ermittler konnten den Brandherd nicht exakt lokalisieren; sie wussten bis gestern auch nicht, ob das Feuer von mehreren Stellen ausgegangen ist.

"Das ist ein besonders schwieriger Fall", sagte Rainer Müller, Chef der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen, der SÜDWEST PRESSE. Die Experten hätten das brennende Gebäude nicht betreten können. Es habe nicht einmal festgestellt werden können, ob Fenster eingeschlagen worden seien.

Für den Staatsschutz ist Weissach "ein sehr beschauliches Fleckchen". Doch nun wird jede flüchtlingsfeindliche Äußerung überprüft. Dazu gehört die Warnung eines aufgebrachten Bürgers bei einer Versammlung mit 230 Teilnehmern, eine Unterkunft könnte vor dem Einzug brennen. Der Arbeitskreis Integration reagierte alarmiert auf Aufkleber der "Identitären Bewegung" in der Nähe des Rathauses. "Wehr dich, es ist dein Land", fordert die rechtsextrem-völkische Gruppierung. "Ich bringe diese Bewegung nicht in Einklang mit Anschlägen", erklärte Staatsschützer Bernd Rauner, "sie haben noch keine derartigen Aktivitäten entfaltet." Der Verfassungsschutz beobachte diese Bewegung derzeit nicht. Bundesweit gebe es 100 Aktivisten.

Auch in Remchingen (Enzkreis) war ein für Flüchtlinge vorgesehenes Gebäude durch Feuer zerstört worden (siehe Meldung rechts). Anders als in Weissach im Tal ist dort bereits sicher, dass ein Brandstifter sein Unwesen getrieben hat. Jedoch gibt es keine konkreten Erkenntnisse über die Täterschaft. "Das muss uns schon Sorgen machen", sagte Innenminister Gall. Es gelte nun, "ganz klar Zeichen zu setzen, dass so etwas nicht einmal ansatzweise toleriert wird". Der Minister begrüßte eine Weissacher Mahnwache vor dem zerstörten Gebäude, zu der die Friedensinitiative für gestern Abend aufgerufen hatte. Die Gesellschaft müsse zusammenrücken und sich klar abgrenzen "von Leuten, die hetzen und Parolen verbreiten". Der Staat müsse seine Handlungsfähigkeit deutlich zum Ausdruck bringen.

Eine Bannmeile um Flüchtlings-asyle, verbunden mit einem Demonstrationsverbot könne er sich "allenfalls im Einzelfall" vorstellen, reagierte Gall auf einen Vorschlag des sächsischen Ausländerbeauftragen Geert Mackenroth (CDU) nach den Ausschreitungen von Heidenau. Eine solche Maßnahme lasse sich nur schlecht kontrollieren. Der Innenminister verhehlte nicht, dass die Polizei nicht jede Einrichtung für Flüchtlinge lückenlos schützen könne.

Ein Brandanschlag würde Weissachs parteilosen Bürgermeister Ian Schölzle (39) "maßlos ärgern". Aber bis jetzt sei "alles Spekulation", sagte er. Seine Gemeinde sei "offen und tolerant". Dafür spreche auch, dass jetzt Privatpersonen zwei Flüchtlinge aufnähmen.

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