Schorndorfer Krawalle: „Plötzlich änderte sich die Richtung“

Nach ersten Erkenntnissen hat sich auf dem Schorndorfer Stadtfest eine stark alkoholisierte Gruppe mit einem festgenommenen Mit-Feiernden solidarisiert.

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Schorndorfer Stadtfest: Die Polizei zeigt nach der Krawallnacht deutlich mehr Präsenz.  Foto: 

Zunächst ist es wie jedes Jahr im Park des Schorndorfer Burgschlosses: Hunderte feiernde Jugendliche. Die meisten Realschüler und Abiturienten im Alter zwischen 14 und 20 Jahren. Die Stimmung ist ausgelassen. Man feiert das Wochenende, die nahenden Ferien, den Sommer, das Leben.  Der Platz ist als beliebter Treffpunkt für Jugendliche während des Schorndorfer Stadtfestes „Schorndorfer Woche“ bekannt. Etwa 1000 junge Menschen halten sich in der Nacht auf Sonntag zwischen 20 und 3 Uhr in dem Park unweit des Marktplatzes auf. In den Vorjahren verlief die Feier zum größten Teil friedlich.

Wohl deshalb beschloss die Stadt Schorndorf in Absprache mit der Polizei einen lascheren Umgang mit den jungen Feiernden. Anders als bisher begannen die Einsatzkräfte der Polizei – wie viele es waren, möchte die aus taktischen Gründen nicht preisgeben – erst gegen Mitternacht mit der Räumung des Platzes. Da viele zu diesem Zeitpunkt bereits erheblich alkoholisiert waren, gestaltete sich die Räumung schwieriger, als es die Einsatzkräfte aus den vergangenen Stadtfest-Einsätzen gewohnt waren, wie Polizeipräsident Roland Eisele in einer Pressekonferenz am Montag erklärte.

Bei der Räumung des Platzes hätte sich aus einer Gruppe von 1000 sich im Park aufhaltenden jungen Menschen zunächst eine kleine Gruppe mit einem Mit-Feiernden solidarisiert, der von der Polizei wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung festgenommen wurde. In Schutzausrüstung mussten die Beamten die Festnahme abschirmen.

Flaschenwürfe aus der Gruppe

Aus der Anonymität der Gruppe heraus hat es Flaschenwürfe gegeben, Polizisten seien angegriffen und teilweise so verletzt worden, dass diese sich zurückziehen mussten.

Dann habe sich die Gewalt auch innerhalb der Gruppe ausgebreitet. „Plötzlich ändert sich die Richtung“, so Eisele über die fatale Gruppendynamik. Die Gewalt richtete sich nicht mehr nur gegen die Einsatzkräfte, sondern auch gegen andere Festteilnehmer und die Schlossfassade. Mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei wurden beschädigt. Auch von zahlreichen Gaffern auf dem Gelände spricht Eisele. Diese hätten die Arbeit der Einsatzkräfte zusätzlich erschwert. Mit Unterstützung der hinzugezogenen Bereitschaftspolizei bekamen die Einsatzkräfte die entglittene Lage wieder in den Griff.

Doch der Schlosspark blieb nicht der einzige Brennpunkt des Festsamstages: Auch auf dem restlichen Festgelände kam es zu Belästigungen, Übergriffen und Krawallen. Wie die Polizei am Dienstag mitteilt, gab es vier Anzeigen wegen sexueller Belästigung. In zwei der Fälle wurden ein Iraner sowie drei Afghanen als Täter identifiziert. Haftbefehle konnten bisher nicht ausgestellt werden – der Aufenthaltsort der vier jungen Männer sei noch unklar, so die Polizei. Zu den zwei weiteren Anzeigen wegen sexueller Belästigung konnten noch keine Täter ausgemacht werden.

Bisher keine Festnahmen

Auch im Fall der gewalttätigen Eskalationen im Schlosspark habe es bisher keine Festnahmen gegeben, teilt Polizeisprecher Ronald Krötz auf Anfrage mit. Entgegen einer ersten Meldung der Polizei habe es sich bei der Gruppe aber nicht größtenteils um Migranten gehandelt, stellten Stadt und Polizei am Montag klar. „Es waren Menschen aus vielen Nationen – darunter auch viele Asylsuchende, Flüchtlinge und Migranten. Aber vor allem Schüler aus Schorndorf und Umgebung“, berichtigt Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer.

Weiter Aufsehen verursacht hatten Gruppen, die randalierend durch die Innenstadt gezogen waren. Zeugen berichten davon, dass die Gruppen mit bis zu 50 Personen mit Messern und Schreckschusspistolen, von denen auch mindestens ein Schuss abgegeben wurde, bewaffnet waren. „Zudem haben wir in Schorndorf seit einigen Wochen eine Gruppe von 20 bis 30 arabischstämmigen Personen, die nicht aus Schorndorf kommen, sich allerdings immer wieder versammeln“, so Klopfer weiter. So habe sich die auffällige Gruppe auch am Samstagabend in der Stadt zusammengerottet. Die Polizei habe diese Gruppe ganz konkret im Fokus.

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Stadt und Polizei haben zu spät reagiert

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Nach den Ausschreitungen in der Nacht zum Sonntag ist das Stadtfest in Schorndorf am Montag friedlich weitergegangen. Montagabend sei weniger los gewesen als am Wochenende, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei hatte nach den Krawallen mehr Kräfte eingesetzt und dunkle Bereiche ausleuchten lassen. Oberbürgermeister Matthias Klopfer warb für einen Schulterschluss von Politik und Polizei, um klar zu machen, da gibt es null Toleranz für Gewalt gegen die Polizei“. Er räumte im „Morgenmagzin“ ein, dass Stadt und Politik am Wochenende zu spät reagiert hätten.

Die AfD hat für Donnerstag eine aktuelle Debatte im Landtag ansetzen lassen: „Schorndorfer Stadtfest: Die ,Kölner Silvesternacht’ ist in der schwäbischen Provinz angekommen“. OB Klopfer lehnte solch eine Parallele ab: „Das ist kein zweites Köln und kein zweites Hamburg.“ dpa

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