Schonender Umgang mit dem Waldboden

Der Landesbetrieb Forst verlangt von seinen Beschäftigten und Subunternehmern mehr Rücksicht auf den Waldboden. Neue Technik verhindert, dass die Maschinen beim Holzrücken den Boden verdichten.

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Forstwirt Fritz Zifle demonstriert, wie ein Seilzug ein Durchdrehen der Ketten verhindert. So vermindert sich die Belastung für den Waldboden. Foto: Klaus Franke

Dicke Schneeflocken rieseln auf die 40-jährigen Fichten im Neuwiesenbuckel, einem Waldstück im Schönbuch bei Tübingen-Bebenhausen. Es ist knapp über null, der Waldboden triefnass. "Das Wetter ist absolut passend für unsere Vorführung", sagt Martin Strittmatter, Forstabteilungspräsident im Regierungspräsidium Tübingen. Er will zeigen, dass selbst mit vollbeladenen, 30 Tonnen schweren Tragschleppern der Waldboden beim Holzrücken geschont bleibt.

Fritz Zifle steuert den Koloss. Der erfahrene Forstwirt und Maschinenführer aus Baiersbronn lenkt den Tragschlepper durch die Rückegasse. Sein maschineller Holzernter kommt großspurig daher. Die Zwillingsreifen sind mit breiten Bändern ausgestattet, so sieht das Untergestell des Schleppers wie ein Bulldozer aus. Doch der Antrieb erfolgt nicht nur über das Fahrwerk. Sowie die Bänder durchzudrehen drohen, erhöht sich die Zugkraft der Seilwinde, womit der Schlepper ausgerüstet ist. So hinterlässt der Forwarder nur eine flache Spur im weichen Boden der Rückegasse.

Mit der Bandtechnik erhöht sich die Radaufstandsfläche. Der Experte Frank Kapahnke hat das ausgerechnet: Der Druck auf einen Quadratzentimeter Waldboden durch den Schlepper ist nur zweimal so groß wie der Stiefeldruck eines 90-Kilo-Mannes.

Wäre der schwere Holzernter nicht mit so breiten "Schlappen" unterwegs, würde sich der weiche Boden im Schönbuch um 85 Prozent verdichten. Die Kompression ist schädlich für den Boden. Sie verringert die Funktion der Mikroorganismen und das Wurzelwachstum. Der Ertrag geht zurück. Das gilt für die Forstwirtschaft genauso wie für die Landwirtschaft.

"Der Boden ist unser Kapital", stellt Strittmatter fest, "wir müssen ihn pfleglich behandeln." Zwei Drittel der Landesfläche besteht aus empfindlichen Böden.

Deswegen leitete der Landesbetrieb Forst BW eine Kampagne zur schonenden Behandlung des Waldbodens ein. "Wir wollen das Bewusstsein unseres eigenen Personals und das der Rückeunternehmer schärfen", sagt Experte Kapahnke. Zu der Konzeption gehört der Einsatz modernster Holzrücketechnik sowie ein Bündel von Regeln und Standards.

Grundsätzlich gilt, dass das geschlagene Holz nur über Rückegassen transportiert werden darf - das sind schmale Linien in den Bestand hinein. Neu ist, dass die Arbeiter den Betrieb sofort einstellen müssen, sobald der Holzernter tiefer als 40 Zentimeter in den Boden eindringt.

Die Kampagne ist auch eine Reaktion auf den Klimawandel. Die Perioden mit gefrorenen Böden im Winter sind kürzer geworden. Um ihr Pensum zu leisten - jährlich holt die Forst BW 2,5 Millionen Kubikmeter Holz aus dem Wald, insgesamt werden im Land neun Millionen Kubikmeter Holz geerntet -, reichen die Frostperioden nicht aus. Weshalb die Maschinen auch an milden Tagen arbeiten.

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