Schon früh um fünf legen die Mäschgerle los

Für manche Bürgermeister ist der "Schmotzige Dunschtig" kein angenehmer Tag. Sie müssen ihren geliebten Rathausschlüssel rausrücken und abdanken. Bis Aschermittwoch haben jetzt die Narren das Sagen.

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Ein Plätzler mit Karbatsche beim Rathaussturm gestern in Weingarten: "Schmotziger Dunschtig" im Südwesten, jetzt regieren die Narren!  Foto: 

Die Narrenzünfte sind gestern bei nasskaltem Wetter in die heiße Phase der Fastnacht gestartet. Vielerorts waren die Mäschgerle, die Maskenträger, schon in aller Frühe unterwegs, um mit lautem Krach die Menschen zu wecken. In Meersburg am Bodensee zogen die "Schnabelgiere" schon um fünf in der Früh mit lauter Musik durch die Gassen, um den "Schmotzigen Dunschtig" zu feiern.

Traditionell übernehmen in den Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht die Narren das Regiment: Sie befreien Schulen und Kindergärten, stellen bunt geschmückte Narrenbäume auf und stürmen Rathäuser. Den Schlüssel erhalten die Bürgermeister dann erst wieder nach der Fasnet wieder - am Aschermittwoch.

Der "Schmotzige Unschtig" vier Tage vor Rosenmontag ist einer der Höhepunkte der Fastnacht im Südwesten. In vielen Orten haben Geschäfte und Behörden an diesem Tag geschlossen.

Im oberschwäbischen Weingarten hatte Oberbürgermeister Markus Ewald beim Rathaussturm eine besondere Strategie. In den vergangenen Jahren hätten sowieso immer die Narren gewonnen, sagte er: "Das ist doch Beschiss." Seine Konsequenz daraus: Er führte seine Mitarbeiter in einer Polonaise durch die Straße - und dann gleich ins Wirtshaus nebenan. "Hier ist der Schlüssel, bitte sehr, ich brauch' ihn heute wohl nicht mehr", rief er aus dem Fenster.

Die "Schelmenzunft" in Staufen bei Freiburg erklärte: "Jetzt regiert der Frohsinn." Erst am Aschermittwoch gehe alles wieder seinen gewohnten Gang. In Schwäbisch Gmünd treten immer am "Schmotzigen" um 16.16 Uhr dutzende Rathausmitarbeiter und Feuerwehrleute mit Choreografien gegeneinander an. Das Motto dieses Jahr laute "Schlagerfans gegen Rocker", sagte ein Rathaussprecher.

In Radolfzell am Bodensee (Kreis Konstanz) sind die Narren mit weißen Nachthemden, Schlafmütze und Handschuhen beim "Hemdglonker" schon Mittwochnacht durch die Gassen gezogen. Beim Preiskleppern nach dem Umzug schlagen die Mäschgerle mit zwei Holzbrettchen gegeneinander. Eine Jury bewertet Rhythmus, Melodie und Körperhaltung des Klepperers. In Konstanz hat die hohe Zeit der schwäbisch-alemannischen Straßenfasnet ebenfalls schon Mittwochabend begonnen: Beim "Butzenlauf" ziehen bis zu 2000 Mäschgerle durch die Altstadt. Mehr als 40 Vereine, Zünfte und Vereinigungen beteiligen sich am Spektakel.

Gestern Abend war Bundesverkehrminister Alexander Dobrindt (CSU) vor das Narrengericht in Stockach (Kreis Konstanz) geladen: Als Angeklagter ausgewählt wurde er, weil er "einfach nicht wählbar" sei: Bayern hat dieses Jahr keine Landtagswahlen, Baden-Württemberg schon.

Das "Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stocken" blickt auf eine lange Tradition zurück: Die satirische Institution besteht schon seit dem Jahr 1351. Sie geht zurück auf einen missglückten Feldzug des österreichischen Herzogs Leopold in die um Unabhängigkeit kämpfende Schweiz. Hofnarr Hans Kuony hatte vor dem Feldzug gewarnt und erhielt für seinen weisen Rat nach der verlorenen Schlacht das Privileg, in seiner Heimatstadt Stockach ein Narrengericht abhalten zu dürfen.

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